Kommentar von Lorenz Maroldt

Passiver Russlandkurs: "Der ukrainische Botschafter hat alles Recht der Welt unendlich wütend zu sein"

Der Schock über die mutmaßlichen Gräueltaten von Butscha sitzt immer noch tief. Angesprochen darauf, wiederholt der ukrainische Botschafter in Berlin, André Melnyk, seine Kritik an Deutschland: "Ich weiß nicht welche rote Linie es noch geben müsste, damit man handelt hier in Berlin."

Lorenz Maroldt © radioeins/Beate Kaminski
Lorenz Maroldt | © radioeins/Beate Kaminski

Deutschland sei Moskau gegenüber viel zu passiv. Gerade die Öl- und Gaslieferungen müssten endlich sofort gestoppt werden, fordert der ukrainische Botschafter in Berlin, André Melnyk.

Wie schwierig der Umgang mit Russland ist, zeigen auch zwei aktuelle Beispiele aus Berlin: Sanktionen im Berliner Immobilienmarkt gegen russische Oligarchen durchsetzen, das klappt so gut wie gar nicht, wie rbb-Kollege René Althammer berichtet:

"Wir finden bei der Sanktionsdurchsetzung das gleiche Problem, wie bei der Geldwäschebekämpfung. Es ist eigentlich niemand so richtig daran interessiert, herauszufinden, wem was gehört. Das hätte man längst politisch ändern können, hat man aber nicht. Heißt aber: Seit 2014 ist im Prinzip nix passiert."

Und dann war da noch das hier: Ein Autokorso mit russischen Flaggen fährt ungestört mitten durch Berlin auch am Hauptbahnhof vorbei, wo immer noch täglich ukrainische Geflüchtete ankommen.

Hat Melnyk Recht, sind wir zu passiv, auch das Land Berlin? Ein Kommentar dazu von Lorenz Maroldt, dem "Tagesspiegel"-Chefredakteur.

Lorenz Maroldt © radioeins/Beate Kaminski
radioeins/Beate Kaminski
Download (mp3, 5 MB)