radioeins Klimaminute

Naturkautschuk

Ein Frühlingsausflug bringt Dirk Prüfer auf eine zündende Idee. Der Molekularbiologe vom Fraunhofer-Institut in Münster hat sich auf einer idyllischen Wiese im Sauerland niedergelassen. Rund um ihn blüht ein Meer an Löwenzahn-Pflanzen. Als Prüfer gedankenverloren eine Blüte abbricht, fließt aus dem Stengel ein milchiger Saft. Das ist der Moment, der sein weiteres berufliches Leben verändern wird.

Frau schwebt mit einem Löwenzahnsamen in den Himmel
Frau schwebt mit einem Löwenzahnsamen in den Himmel | © IMAGO / Ikon Images

Prüfer weiß, dass der weltweite Bedarf an Kautschuk durch den Kautschukbaum kaum noch gedeckt werden kann. Vor allem in Asien wird immer mehr Regenwald abgeholzt, um Platz für Monokulturen aus Kautschukbäumen zu schaffen. Für das Klima ist dieser Trend eine Katastrophe.

Mit dem Milchsaft aus der Löwenzahnpflanze will Dirk Prüfer dem etwas entgegensetzen. Denn aus dem Milchsaft lässt sich ebenfalls Naturkautschuk gewinnen. Dafür verwendet der Wissenschaftler vom Fraunhofer-Institut allerdings nicht den heimischen, sondern russischen Löwenzahn, weil er ergiebiger ist. Anfang der 2020er Jahre verarbeitet der Reifenhersteller Continental den ersten Löwenzahn-Naturkautschuk zu Fahrradreifen. Schon bald sollen auch marktreife LKW-Reifen aus klimaschonendem Blumen-Gummi hergestellt werden.

Frau schwebt mit einem Löwenzahnsamen in den Himmel
IMAGO / Ikon Images
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