Klimaminute

Der Gletscher-Mann

Chewag Norphel ist ein bedächtiger Mann. Doch wenn er vor sein Haus tritt und auf die zerklüfteten Berggipfel seiner Heimat im Norden Indiens blickt, packt ihn immer öfter die Wut. Früher sah er auf blendend weiße Himalaya-Gletscher. Doch durch die zunehmende Erderwärmung sind Anfang der 2000er Jahre mehr braune Flecken zu sehen als blendendes Weiß.

Schneebedeckte Berggipfel
Schneebedeckte Berggipfel | © IMAGO / Ikon Images

Norphel hat Angst um seine Heimat. Ohne das Wasser der Gletscher kann in der Region keine Landwirtschaft mehr betrieben werden. Die Lebensgrundlage vieler Familien in Ladakh würde wegfallen. Das will Chewag Norphel nicht einfach so hinnehmen.

Der pensionierte Baungenieur tüftelt an einem Damm-System aus Steinen und Mörtel, mit dem er die Fließgeschwindigkeit von kleinen Bächen verlangsamen kann, um sie gefrieren zu lassen. So konstruiert er für mehrere Dörfer in seiner Heimatregion verschiedene künstliche Klein-Gletscher, deren Wasser den Familien eine neue Lebensgrundlage bieten. Spätestens nach seinem fünfzehnten Gletscher-Projekt wird Chewag Norphel in ganz Indien als der 'Ice Man' gefeiert, der dem Klimawandel die Stirn bietet.

Schneebedeckte Berggipfel
IMAGO / Ikon Images
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