Kino King Knut Elstermann

Filmtipps vom 28. Mai

Kino King Knut Elstermann
Kino King Knut Elstermann | © radioeins

Knut Elstermann sitzt seit Jahrzehnten in Kinosesseln und war quasi schon immer Filmjournalist. Für ihn ist kein Film zu klein, kein Kino zu stickig und kein Festivalteppich zu rot. Wenn Elstermann über Filme spricht, verzichtet der Filmvorführer auf Alkohol.

Und auch wenn Ins-Kino-gehen gerade nicht angesagt ist, Filme gibt es trotzdem. Hier die besten Filmtipps der Woche von Knut Elstermann:

Fassbinder

Am Sonntag, 31. Mai, wäre Rainer Werner Fassbinder, 75 Jahre alt geworden, das originäre Filmgenie der alten Bundesrepublik, deren unerbittlicher Chronist er geworden ist. Sein Einfluss ist noch immer spürbar, obwohl eine solche provokative Eruption von Kreativität, ein solcher filmischer Schaffensrausch heute schlichtweg undenkbar scheint.

Annekatrin Hendel war schon in der DDR fasziniert von diesem anti-bürgerlichen Filmrevolutionär. Ihr sehr sehenswerter Dokumentarfilm „Fassbinder“ von 2015 bietet einen hervorragenden Einstieg in das kurze Leben und das reiche Werk des Regisseurs, sucht in den Filmen nach den biografischen Spuren und vereint in einer eleganten Montage (Schnitt: Jörg Hauschild) Aussagen der wichtigen Wegbegleiter. Fassbinders Filme erscheinen hier ganz klar, wie er es selbst ausgedrückt hat, als sein Leben. Man bekommt nach der anregenden und sehr persönlichen Erkundung sofort Lust, sich durch dieses ungeheure Lebenswerk von 44 Filmen  zu arbeiten.

„Fassbinder“ am 28.5. im SWR, um 23.25 Uhr, dort auch in der Mediathek, als DVD bei good!movies oder auf  Amazon Prime zum streamen. 

Der Medicus

Nach dem Roman-Dauerbrenner von Noah Gordon über einen mutigen, mittelalterlichen Arzt drehte Regisseur Philipp Stölzl einen sehr gut gemachten Historienfilm, der überraschenderweise zeigte, dass man dieses Genre auch in Deutschland beherrscht. Mit  seinen prächtigen Bildern und ausgezeichneten Darstellern (neben dem jungen Hauptdarsteller Tom Payne, danach auch in „The Walkind Dead“,  sind Stellan Skarsgard, Ben Kingsley aber auch Elyas M´Barek zu sehen) bietet er gute Unterhaltung und erzählt packend seine Geschichte vom wissensdurstigen Engländer Robe, der in Persien das medizinische Handwerk erlernt. Das stets aktuelle Thema des Buches, das Aufbäumen gegen religiöse Intoleranz und Eiferer aller Richtungen, wird auch hier angemessen deutlich herausgestellt.

„Der Medicus“. 28. Mai, um 20.30 Uhr, auf DVD zu haben und natürlich auch im Stream.

Elle

Der Verlegerin Michèle widerfährt etwas Furchtbares. Sie wird in ihrer Wohnung überfallen und von einem maskierten Täter brutal vergewaltigt. Danach verhält sie sich völlig unerwartet, lebt ihr gewohntes Leben weiter, scheinbar unberührt von dem schrecklichen Geschehen. In ihrer Firma für Computerspiele drängt sie auf immer heftigere Entwürfe. Mit der überragenden Isabelle Huppert erzählt Regisseur Paul Verhoeven in seinem meisterhaften und sehr verstörenden Thriller der absoluten Unbestimmtheit von einer Frau, die einfach nicht zu ergründen ist. Sinnt sie auf Rache? Plant sie etwas? Sucht sie ihr Umfeld nach dem möglichen Täter ab? Isabelle Huppert spielt diese Unergründlichkeit eindringlich und erschreckend. Während sich die schwierige, traumatische Vergangenheit der Frau langsam enthüllt, entfaltet Verhoeven ein Sittenbild heutiger Bürgerlichkeit, das kälter, verlogener, leerer nicht sein könnte.

„Elle“, 29.5., um 01.25 Uhr,  in der Nacht zum Freitag, danach eine Woche  in der rbb-Mediathek, täglich verfügbar aber erst ab 22.00 Uhr.