Kino King Knut Elstermann

Filmtipps vom 14. Mai

Kino King Knut Elstermann
Kino King Knut Elstermann | © radioeins

Knut Elstermann sitzt seit Jahrzehnten in Kinosesseln und war quasi schon immer Filmjournalist. Für ihn ist kein Film zu klein, kein Kino zu stickig und kein Festivalteppich zu rot. Wenn Elstermann über Filme spricht, verzichtet der Filmvorführer auf Alkohol.

Und auch wenn Ins-Kino-gehen gerade nicht angesagt ist, Filme gibt es trotzdem. Hier die besten Filmtipps der Woche von Knut Elstermann:

Solo Sunny

Der Prenzlauer Berg  - ein geradezu mythischer Kino-Ort, Heimat herrlich eigensinniger Menschen wie der Sängerin Sunny aus dem Film „Solo Sunny“ von Konrad Wolf und Wolfgang Kohlhaase, eine der unvergänglichen DEFA-Filmgestalten. Das rbb-Fernsehen zeigt diesen Film am Sonnabend, einen Tag vor dem  75. Geburtstag von Renate Krößner. Sie erhielt für ihr wunderbares, herzerfrischendes Spiel 1980 den Silbernen Bären der Berlinale. Sunny ist, wie Kohlhaase das so schön sagte,  „eine Frau, unfähig zum Kompromiss“. Sie verkörpert den ganzen Prenzlauer Berg, wie er damals war und längst nicht mehr ist. Der Film hat ihn fast dokumentarisch aufbewahrt, diesen Ort des alten Ost-Berlin, an dem die Uhren damals anders gingen. Aber „Solo Sunny“ ist auch völlig zeitlos: Jeder steht wie Sunny irgendwann vor der Frage, wie er leben soll, nach seinen eigenen Ansprüchen oder mit vorschneller Anpassung. Den angehenden Studierenden in der Filmuni „Konrad Wolf“ zeigt man traditionell diesen Film ihres Namenspatron, eine großartige Einstimmung für ein hoffentlich mutiges, künstlerisches Leben

„Solo Sunny“  am Sonnabend um 23.10 Uhr im rbb-Fernsehen.

The Square

Der schwedische Regisseur Ruben Östlund wurde mit dem eindringlichen Film „Höhere Gewalt“ auch bei uns bekannt. Für sein Werk „The Square“ erhielt er 2017 einen der wichtigsten Preise der Welt, die Goldene Palme von Cannes. Östlunds in jeder Hinsicht eigenwilliger Film erzählt von einem Stockholmer Museumskurator, Christian (sehr überzeugend als recht glatter Lebemann: Claes Bang), der ganz in der Kunstwelt lebt. Während er an dem Projekt über einen individuellen Schutzraum „The Square“ arbeitet, sucht die Realität ihn in aller Härte heim, mit einem Überfall und absurden Begegnungen. Wie in „Höhere Gewalt“ nimmt Östlund lustvoll männliche Rollenbilder auseinander.  Diese Satire über den modernen Kunstbetrieb treibt den Aberwitz fast ins Schmerzhafte hinein und entblößt gnadenlos eine Lebenshaltung, die alles Störende in dieser Welt nicht wahrnehmen will, solange es nicht zum Kunstwerk geworden ist. ARTE zeigt den Film und anschließend eine sehenswerte Dokumentation über Östlunds Arbeitsweise, über die Entstehung seines Meisterwerkes „The Square“, über die vielschichtigen Motive.

„The Square“, am Montag um 20.15 auf ARTE, danach um 22.40 die Dokumentation „Es war einmal...The Square“, die bereits jetzt in der Mediathek steht.

Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm

Vor genau 90 Jahren wurden Brecht und Weill über Nacht weltberühmt – mit ihrer Dreigroschenoper, die später auch verfilmt wurde. Brecht strengte gegen diese Kinofassung einen Prozess an, der sich gegen die politische Verwässerung richtete, eine Art Lehrprozess über die korrupte Filmindustrie in der Klassengesellschaft. Und er schrieb selbst ein Filmdrehbuch, das die politische Sicht der Oper noch verschärfte. Autor und Regisseur Joachim A. Lang, einer der besten Brechtkenner in Deutschland, schafft es in seinem toll besetzten Film diese drei Ebenen (die Dreigroschenoper, der Prozess gegen die Verfilmung und Brechts eigene Filmfassung) geschickt und immer nachvollziehbar zu verschränken. In seinem opulenten Film glänzt Lars Eidinger als Brecht, der ausschließlich in Original-Zitaten redet. Der Film entstaubt  das berühmte Werk und zeigt seine  Zugang anhaltende Aktualität.

„Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ in der ARD-Mediathek, noch bis zum 9. Juni verfügbar