Kino King Knut Elstermann

Filmtipps vom 7. Mai

Kino King Knut Elstermann
Kino King Knut Elstermann | © radioeins

Knut Elstermann sitzt seit Jahrzehnten in Kinosesseln und war quasi schon immer Filmjournalist. Für ihn ist kein Film zu klein, kein Kino zu stickig und kein Festivalteppich zu rot. Wenn Elstermann über Filme spricht, verzichtet der Filmvorführer auf Alkohol.

Und auch wenn Ins-Kino-gehen gerade nicht angesagt ist, Filme gibt es trotzdem. Hier die besten Filmtipps der Woche von Knut Elstermann:

Die Mörder sind unter uns

Im Mai 1946, die DEFA war offiziell noch gar nicht gegründet, drehte Wolfgang Staudte in den zerstörten Straßen von Berlin den ersten deutschen Nachkriegsfilm: „Die Mörder sind unter uns“, eine ehrliche Abrechnung mit deutscher Schuld, ein Signal für den Neuanfang, das weltweit wahrgenommen wurde. Staudte arbeite hier auch seine eigene Schuldgefühle ab, er war in einer kleinen Rolle im antisemitischen Hetzfilm „Jud Süß“ zu sehen.

Ernst Wilhelm Borchert spielt einen deutschen Soldaten, der aus dem Krieg heimkehrt und auf die KZ-Überlebende Susanne trifft – gespielt von Hildegard Knef. Traumatisiert von den schrecklichen Erfahrungen fordert er Rechenschaft von den Befehlshabern der Verbrechen. „Die Mörder sind unter uns“, dieser eindringliche, aufwühlende Film mit dem sprichwörtlich gewordenen Titel, appellierte an das Gewissen der Deutschen und steht am Beginn einer langen Reihe von gültigen, antifaschistischen Filmen in der DEFA-Geschichte. Staudte selbst, der immer in Westberlin lebte, drehte bei der DEFA noch einige bedeutende, inzwischen klassische Filme wie „Der Untertan“ und „Die Geschichte vom kleinen Muck“.

Am Freitag, 8. Mai, um 23.30 Uhr im rbb-Fernsehen.
Danach eine Woche in der Mediathek.

Berlin 1945 - Tagebuch einer Großstadt

Der Krieg kehrt dahin zurück, von wo er seinen Ausgang genommen hatte, in die Hauptstadt des Nazi-Reiches, nach Berlin. In seiner beeindruckenden, zweiteiligen Dokumentation „Berlin 1945 – Tagebuch einer Großstadt“ , eine rbb-ARTE-Produktion, zeichnet Regisseur Volker Heise die Monate vor und nach der Befreiung der Stadt nach. Er stützt sich dabei nicht auf Zeitzeugen, die aus der Vergangenheit auf das Geschehen blicken, sondern auf Tagebücher und Briefe, also aus Zeugnisse, die unmittelbar und unverstellt in diesen Tagen entstanden. So kommen in einer brillanten Montage des dokumentarischen Materials die Täter, Mitläufer und Opfer zu Wort, die einfachen Leute auf der Straße und die Befehlshaber. Es ist ein vielstimmiges Konzert der Haltungen und Perspektiven, in dem sich das Grauen und die Hoffnungen mischen, in dem die Zeitenwende in der zerstörten Stadt im alltäglichen Erleben und in der Weltpolitik zugleich sichtbar wird. 

Beide Teile am Freitag um 20.15 Uhr im rbb-Fernsehen und in der Mediathek.

Loveless

„Loveless“ von 2017 ist einer der stärksten russischen Filme der vergangenen Dekade, oscarnominiert für den besten fremdsprachigen Film. Ein Mittelstandspaar lebt in Scheidung, gefühllos wird die Zukunft organisiert. Den Jungen will niemand nehmen - was er mitanhören muss. Nie sah ich ein Kind in einem Film so bitterlich weinen. Nach dieser unvergesslichen Szene verschwindet der Junge spurlos. Der großartige, auch in seiner visuellen Kraft beeindruckende Film von Andrej Swjaginzew („Der Leviathan“) erschüttert und bewegt nicht zuletzt so sehr, weil sein mit großer Intensität und Ernsthaftigkeit behandeltes Thema universell ist: Die Erkaltung einer Welt, die nur auf Optimierung und Gewinn gepolt ist und die ihre Leerstellen im wahrsten Sinne nicht mehr spürt. Das familiäre Drama, für das Swjagintzev, unvergessliche, klaustrophische Bilder findet, ist zugleich ein Spiegelbild der heutigen, modernen, russischen Gesellschaft.

Am Mittwoch, 13. Mai, um 22.10 Uhr auf ARTE und in der ARTE-Mediathek.