Kino King Knut Elstermann

Filmtipps vom 30. April

Kino King Knut Elstermann
Kino King Knut Elstermann | © radioeins

Knut Elstermann sitzt seit Jahrzehnten in Kinosesseln und war quasi schon immer Filmjournalist. Für ihn ist kein Film zu klein, kein Kino zu stickig und kein Festivalteppich zu rot. Wenn Elstermann über Filme spricht, verzichtet der Filmvorführer auf Alkohol.

Und auch wenn Ins-Kino-gehen gerade nicht angesagt ist, Filme gibt es trotzdem. Hier die besten Filmtipps der Woche von Knut Elstermann:

Der Wert des Menschen

Sehr passend zum 1.Mai , zeigt der rbb den packenden Film „Der Wert des Menschen“ von 2015, in dem arbeitende Menschen die Helden sind, was im Kino eine Seltenheit geworden ist. Regisseur Stéphane Brizé („Streik“) erzählt von einem Mann in den besten Jahren, Thierry, Familienvater, Maschinist, verlässlicher Kollege. Doch die Krise erfasst auch seinen Betrieb, Thierry wird arbeitslos und geht den langen, demütigenden Weg durch endlose Bewerbungen, Trainings uns Absagen, bis er einen Job als Kaufhausdetektiv findet, der allerdings auch die Kollegen bespitzeln soll. Der überragende Vincent Lindon spielt diesen Mann mit der ihm eigenen Glaubwürdigkeit und Würde, macht die Zerrissenheit, den tiefen Konflikt sichtbar, durch die er in seiner Not gerät. Dafür wurde Vincent Lindon in Cannes als bester Darsteller geehrt. „Der Wert des Menschen“ ermutigt dazu, sich gegen die Entsolidarisierung, gegen die Gnadenlosigkeit der Arbeitswelt zu stemmen und dabei niemals vordergründig-klassenkämpferisch. 

In der Nacht zum 1. Mai im rbb-Fernsehen, um  00.35 Uhr und dann 30  Tage in der Mediathek

Vier Wände Berlin – Der Film

Beschränkung kann die Kreativität manchmal sehr beflügeln, das Zurückgeworfen sein auf die eigenen vier Wände, auf die eigene Existenz . Der rbb hat aus diesem andauernden Zustand ein ungewöhnliches, filmisches Gemeinschaftsprojekt gemacht und den Schöpfern, darunter so berühmte Regisseure wie Andreas Dresen und Wim Wenders, aber auch Newcomern wie Sophie Linnenbaum, eine strikte Beschränkung auferlegt: In nur 120 Sekunden sollten sie ihre gegenwärtige Lebenssituation schildern. Entstanden sind wunderbar-persönliche, sehr unterschiedliche Einblicke, witzig, melancholisch, nachdenklich und auch wütend wie der Film von Aelrun Goette, was auch mal richtig gut tut. Alle 30 Arbeiten wurden jetzt zu einem großen Film zusammengefügt, später sicher mal ein Klassiker über diese irren Monate, und schon jetzt höchst sehenswert.

„Vier Wände Berlin“, am Sonntag um 22.45 Uhr im rbb-Fernsehen. Alle Filme sind natürlich auch in der rbb-Mediathek zu sehen.

Neruda

Der internationale erfolgreiche, chilenische Regisseur Pablo Larraín (erste chilenische Oscar-Nominierung für „No!“) erzählt in „Neruda“ von seinem legendären Landsmann, dem Nobelpreisträger Pablo Neruda, dem großen Lyriker, dem Sänger Lateinamerikas. Im Jahre 1948 wird der kommunistische Senator (hervorragend zwiespältig: Luis Gnecco) nach einer flammenden Rede im Parlament abgesetzt und verfolgt. Er geht in die Illegalität und wird von einem hochrangigen Polizisten (gespielt vom mexikanischen Star Gael García Bernal) gejagt. Allerdings ist dies ein Katz-Maus-Spiel, bei dem der geniale Dichter und Edel-Kommunist die Fäden zieht, sich selbst geschickt inszeniert und schon an seiner eigenen Legende strickt. In diesem raffiniert gebauten Film ist nie ganz klar, was Realität, was Fantasie ist. Weit entfernt von Heldenkult, frei im Umgang mit den Fakten, entwirft das hinreißende Werk das sehr menschliche Bild eines genussfreudigen Lebemannes und erzählt fast nebenbei sehr viel von der chilenischen Seele. 

„Neruda“  am kommenden Mittwoch um 22.15 Uhr auf ARTE und dann auch in der Mediathek.