Kino King Knut Elstermann

Filmtipps vom 9. April

Kino King Knut Elstermann
Kino King Knut Elstermann | © radioeins

Knut Elstermann sitzt seit Jahrzehnten in Kinosesseln und war quasi schon immer Filmjournalist. Für ihn ist kein Film zu klein, kein Kino zu stickig und kein Festivalteppich zu rot. Wenn Elstermann über Filme spricht, verzichtet der Filmvorführer auf Alkohol.

Und auch wenn Ins-Kino-gehen gerade nicht angesagt ist, Filme gibt es trotzdem. Hier die besten Filmtipps der Woche von Knut Elstermann:

Ein Abend für Romy | ARTE

Sie ist noch immer einer der großen, leuchten Stars des Weltkinos - und das war ein Leuchten, ein Glanz, der von innen kam: die viel zu früh verstorbene Romy Schneider. ARTE widmet ihr am Mittwoch einen Abend. Er beginnt um 20.15 mit dem Spielfilm „Drei Tage von Quiberon“ (2018) . Es war eine legendäre Session mit Romy Schneider 1981 im bretonischen Kurort Quibéron, bei der ein schonungsloses Interview (Robert Gwisdek als Stern-Journalist Michael Jürgs) und wunderbare Fotos entstanden (Charly Hübner spielt den Fotografen Robert Lebeck). Emily Atefs schwarz-weiß Film rekonstruiert mit der überragenden, anrührenden Marie Bäumer, die dafür den Deutschen Filmpreis erhielt,  diese spannungsvollen Tage, in denen sich der verletzliche Star in seiner tiefen Krise auslieferte und zugleich verteidigte, einen Kampf um die Hoheit über ihr Leben führend. Der Film zeigt die Wahrheit zwischen den berühmt gewordenen Bildern.

Danach läuft eine erstaunliche Dokumentation, auch eine Interview-Situation: „Ein Abend mit Romy“. Im Jahre 1976 gab Romy Schneider der Journalistin und kämpferischen Feministin Alice Schwarzer ein langes Interview, aus den Bändern wurde  40 Jahre später dieser starke Dokumentarfilm. Romy Schneider, meist französisch sprechend,  öffnet sich hier, sie lässt Zweifel und Widersprüche zu, offenbart ihre Unsicherheit und  Einsamkeit.

„Drei Tage in Quiberon“, der Spielfilm am Mittwoch um 20.15 auf ARTE,  und von Mittwoch bis zum 22. April auch Online.  Die Dokumentation  „Ein Abend mit Romy“, gleich nach dem Spielfilm,  um 22.05 auf ARTE bis 2. Juni in der ARTE-Mediathek.

Die Getriebenen | Das Erste

Wir stecken bekanntlich in der tiefsten Krise der Bundesrepublik, und es werden Erinnerungen wach an einen anderen tiefen Einschnitt, an die Flüchtlingskrise von 2015.

Ein dokumentarischer Spielfilm erinnert jetzt an diese dramatischen Tage: „Die Getriebenen“. Regie führte Stephan Wagner, das Drehbuch schrieb Florian Oeller („Nur eine Frau“)  nach dem Sachbuch des Journalisten Robin Alexander. Es geht hier mit großer Genauigkeit um den komplizierten Prozess der Entscheidungsfindung, um das Ringen um Informationsvorsprünge der jeweiligen Politiker, hier glänzend von großen Schauspielerinnen und Schauspielern verkörpert wie Imogen Kogge (als Merkel) und  Josef Bierbichler als Seehofer. Sie bemühen sich nicht einfach um äußere Ähnlichkeit, sondern machen die Konflikte sichtbar, die sehr unterschiedliche Interessenlagen. Mit faszinierenden Übergängen vom Dokumentarischen zum Fiktiven wir die Frage umkreist:  Wie entsteht überhaupt Politik, wie fallen Entscheidungen in Krisenzeiten, die uns alle betreffen? Also ein hochaktueller Film.

Die Getriebenen am Mittwoch um 20.15 im Ersten.

Kopfplatzen | Salzgeber-Club

Der deutsche Film „Kopfplatzen“, mit einem überragenden Max Riemelt in der Hauptrolle, sollte eigentlich im Kino laufen, ist aber nun aber im Netz zu besichtigen, auf den Seiten des Verleihs Salzgeber. Der Film rührt an das Tabuthema Pädophilie.

Max Riemelt spielt ungeheuer intensiv den jungen Architekten Markus. Mit seiner sympathischen Ausstrahlung, seiner Attraktivität, zeigt er erschreckend deutlich, dass es  kein typisches Täterbild gibt, das wir im Kopf haben, es können auch Männer wie Markus sein. Riemelt verharmlost damit nichts, denn es ist immer klar: Das ist ein zumindest potentieller Täter, es kann jeden Augenblick Schreckliches geschehen. Markus alleinstehende Nachbarin, Mutter eines kleinen Jungen, verliebt sich in ihn und hofft auf ein gemeinsames Familienleben. Er aber sucht die Nähe des Kindes. Das sind beklemmende Szenen, die uns mit dem Wissen um Markus´verhängnisvolle Neigung den Atem stocken lassen. Markus leidet selbst unter seiner Veranlagung. Der eindringliche Film von Savas Ceviz zeigt auch wie schwer es für solche Menschen ist, Hilfe zu finden

„Kopfplatzen“ zu sehen auf www.salzgeber.de, im  Salzgeber-Club. Für 4,90 Euro können Sie sich den Film ansehen.