re:publica 2019

Microtargeting und Manipulation: Wie Daten den Wahlkampf um das EU-Parlament bestimmen

Politisches Microtargeting ist die gezielte Ansprache von Wähler:innen mit zugeschnittenen Botschaften auf Basis von Datenprofilen. Ein Jahr nach Cambridge Analytica wissen wir, dass diese Technik nicht nur in Donald Trumps Kampagne, sondern auch beim Brexit-Votum eine Rolle gespielt hat. Was bedeutet politisches Microtargeting für die EU-Wahl und die digitale Öffentlichkeit in Europa?

Ein Mann arbeitet an der Tastatur eines Laptops © radioeins/Chris Melzer
Die Sorge vor Manipulation durch "dunkle Mächte" bei der Europawahl ist groß | © radioeins/Chris Melzer

Was für die einen einfach nur die Nutzung moderner Marketingmethoden in der politischen Kommunikation ist, stellt in den Augen anderer eine Gefahr für die Demokratie dar. Nicht erst seit dem Skandal um Cambridge Analytica wissen wir, wie grundlegend Microtargeting Wahlkämpfe verändert: In den USA versuchte die Trump-Kampagne, Clinton-Fans mit Negativbotschaften vom Wahlgang abzuhalten. Bei einem Referendum in Irland mobilisierten ausländische religiöse Gruppen gezielt für ein Verbot von Abtreibungen. Und im deutschen Bundestagswahlkampf machte eine Traditionspartei plötzlich auf Russisch Stimmung gegen "Multi-Kulti". Was kommt als Nächstes?

Kerstin Hermes und Julia Menger sprechen darüber mit Ingo Dachwitz. Er ist Redakteur bei netzpolitik.org und spricht dazu heute ab 11:45 Uhr auf der Stage 8 der re:publica.

Ein Mann arbeitet an der Tastatur eines Laptops © radioeins/Chris Melzer
radioeins/Chris Melzer
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In Europa steht die Wahl eines neuen EU-Parlaments vor der Tür und die Stimmung ist angespannt: Groß ist die Sorge vor Manipulation durch "dunkle Mächte", wie es ein EU-Kommissar ausdrückt. Aber wie steht es eigentlich um Kommunikationsstrategien derjenigen, die zur Wahl stehen?

In den Mitgliedstaaten der EU wurde die Technik bisher sehr unterschiedlich eingesetzt und Selbstverpflichtungen der Parteien gibt es kaum. Noch ist zudem wenig untersucht, was es für den demokratischen Diskurs bedeutet, wenn jede*r allen alles versprechen kann, ohne durch eine kritische Öffentlichkeit kontrolliert zu werden. Facebook und YouTube jedenfalls bieten immer noch keine ausreichende Transparenz darüber, welche politischen Akteure welche Zielgruppen mit welchen Botschaften ansprechen.

Quelle: re:publica