Berühmt durch "Punk"- und "New Wave"-Mode

Modeschöpferin und Klimakämpferin Vivienne Westwood wird 80

Die britische Modeschöpferin Vivienne Westwood wird 80. Ob als „Mutter des Punk“ oder als Verteidigerin von WikiLeaks-Gründer Julian Assange – Vivienne Westwood ist auch mit 80 für manchen Aufreger gut.

Vivienne Westwood hängt in einem drei Meter hohen Vogelkäfig vor dem Strafgerichtshof Old Bailey, um gegen die Auslieferung von WikiLeaks-Gründer Assange an die USA zu protestieren © Victoria Jones/PA Wire/dpa
Vivienne Westwood hängt in einem drei Meter hohen Vogelkäfig vor dem Strafgerichtshof Old Bailey, um gegen die Auslieferung von WikiLeaks-Gründer Assange an die USA zu protestieren | © Victoria Jones/PA Wire/dpa

Schon die kleine Vivienne Isabel Swire war abenteuerlustig. Gleich am ersten Schultag fing sie sich eine Backpfeife, weil sie aus purer Entdeckerfreude aufs Jungenklo ging, statt sich brav vor der Mädchentoilette anzustellen, erzählt die Frau, die als Vivienne Westwood berühmt geworden ist.

Unerschrocken, unangepasst, unberechenbar – so inszeniert die Designerin sich, seit sie Ende der siebziger Jahre zusammen mit Malcom McLaren den Punk erfand. Für ihn war die Grundschullehrerin aus ihrer Ehe mit einem Dreher ausgebrochen, fortan entwarf sie anarchische Klamotten, McLaren verkaufte Platten und managte die legendären Sex Pistols.

Ein heroischer Versuch, das Establishment herauszufordern, das sei der Punk gewesen, meint Westwood. Die mit Sicherheitsnadeln zusammengehaltenen Fetzen, die sie damals in ihrem Shop in Chelsea verkaufte, gelten heute als britisches Kulturerbe.

ARD-Korrespondentin Sabina Matthay über Vivienne Westwood.

Vivienne Westwood hängt in einem drei Meter hohen Vogelkäfig vor dem Strafgerichtshof Old Bailey, um gegen die Auslieferung von WikiLeaks-Gründer Assange an die USA zu protestieren © Victoria Jones/PA Wire/dpa
Victoria Jones/PA Wire/dpa
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Doch die modische Autodidaktin löste sich von der Punkszene, bevor die im Mainstream verschwand, und wandte sich den „New Romantics“ zu.

Bleich geschminkt mit hochgestecktem, hennaroten Haar ließ sie sich für ihre Kollektionen von Piraten, viktorianischen Straßenkindern und Hexen inspirieren, historische Kostüme mischte sie mit neuen Trends.

Naomi Campbell erinnert sich noch heute an ihren spektakulären Unfall bei einer Westwood-Schau: mit zentimeterhohen Plateauschuhen stolperte sie 1993 anmutig auf dem cat walk – unbezahlbare Publicity für Supermodel und Designerin.

Vivienne Westwood wusste aber auch die Ordensverleihung durch die Queen Image-fördernd einzusetzen: für die Fotografen ließ die Modeschöpferin hinterher den Rock hochwehen, darunter nichts als Seidenstrümpfe. „Miss Marple auf Speed“ nennen manche sie aber auch wegen ihres politischen Aktivismus.

Mal posiert die Hochbetagte als Kanarienvogel in einem überdimensionierten Käfig, um die Auslieferung von Wikileaks-Gründer Julian Assange an die USA zu verhindern, dann fährt sie mit einem Panzer vor dem Amtssitz des Premierministers vor, aus Protest gegen Fracking; genauso schrill engagiert sie sich für die Israel-kritische BDS-Bewegung, für den Tierschutz und gegen den Klimawandel, den Kapitalismus bezeichnet sie als Kriegsökonomie.

Darin hat Vivienne Westwood sich allerdings gut eingerichtet. Um Steuern zu vermeiden, betrieb sie lange ein Tochterunternehmen in Luxemburg – legal, aber nicht im Einklang mit ihren lautstark bekundeten Überzeugungen.

Die kreative Leitung ihrer Luxuslabels hat die Jubilarin längst ihrem wesentlich jüngeren zweiten Ehemann übergeben. Denn in ihrem nächsten Lebensjahrzehnt will Vivienne Westwood nur noch eins: aufsehenerregend aus dem Rahmen fallen.