Spezialmesse für Unterhaltungselektronik

Die Messe HIGH END in München

Gestern Nachmittag ging in München die HIGH END zu Ende, die größte Messe der Welt für HIFI, also hochwertige Audiowiedergabe.

90 Jahre alte Kinolautsprecher von Western Electric © radioeins/Volker Düspohl
90 Jahre alte Kinolautsprecher von Western Electric | © radioeins/Volker Düspohl

Nach vier Tagen auf der Messe hat sich unser Kollege und Klangfetischist Volker Düspohl ins Sendestudio geschleppt und berichtet darüber.

90 Jahre alte Kinolautsprecher von Western Electric © radioeins/Volker Düspohl
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Und, wie viele Anlagen hast du dir so angehört?


Puh, schwere Frage. Nach vier Tagen HIFI verschwimmt das teilweise miteinander, ich mache auch keine Strichliste. Aber abends ist man schon satt und mag keine Musik mehr hören.

Was treibt dich denn an, warum fährst du extra nach München, es gibt doch jede Menge Hifi-Händler in Berlin?


Da stimmt, aber in München sieht man natürlich vieles was noch nicht im Handel ist und, bei 550 Herstellern auf der Messe kommt da einiges zusammen. Eigentlich fahre ich aber nicht wegen einzelner Produkte sondern wegen einzigartiger Klangerlebnisse nach München.

Und, wie sehen die aus?


In diesem Jahr waren es zwei sehr speziell Geschichten. Zum einen ein Projekt des amerikanischen Lautsprecherherstellers PMC mit den Erben von Miles Davis. PMC ist ein Studioausstatter und hat sich von Miles Davis Familie die Erlaubnis geholt, zwei klassische Alben von 1959 und 60, nämlich "Kind Of Blue" und "Sketches Of Spain" in Dolby Atmos abmischen zu dürfen. Dolby Atmos ist Surround, also klang von vorne, hinten und von oben, dafür wurden im Vorführraum 20 Lautsprecher an allen Seiten und der Decke befestigt. Allein der technische Aufwand ist schon irrsinnig. Kombiniert mit diesen nur für die Messe angefertigten Abmischungen war das ein bemerkenswertes Erlebnis.

Wie kann man das beschreiben, wandert da Miles Davis mit seiner Trompete durch den Raum?


Nein, soweit sind die Tontechniker nicht gegangen, sie wollten einfach erreichen, dass man sich fühlt, als sei man bei den Musikern im Studio. Und da ist eindrucksvoll gelungen, das konnte man im direkten Vergleich mit dem Stereo Signal nachvollziehen.

Ok, also zwei alte Jazzplatten im eindrucksvollen Remix, was war der andere Hit?


Das war eine Vorführung von 90 Jahre alten Lautsprechern, mit denen in den dreißiger Jahren amerikanische Kinos beschallt wurden. Das sind riesige Hornlautsprecher, die trotz der 3 oder 4 Watt, die die damaligen Röhrenverstärker hatten, richtig laut werden können. Dafür aber auch 3 Meter hoch sind.

Woher stammen denn solche Geräte, die sind doch bestimmt total selten?


Das ist richtig. Es gibt aber in Südkorea einen Mann, er nennt sich Michael Chung, er besitzt die größte Sammlung dieser Anlagen auf der ganzen Welt. Er betreibt gleichzeitig eine Firma, Silbatone, die exquisite Röhrenverstärker baut, was sowohl den Klang als auch den Preis betrifft. Dieser Mann verschifft jedes Jahr eine Anlage aus seiner Sammlung von Südkorea nach München, um sie dort mit seinen Verstärkern vorzuführen. In den Verstärkern wiederum steckten 102 Jahre alte Röhren. Und was soll ich sagen: das war der Hammer!

Einen Song, mit dem ich aufgewachsen bin, "Whole Lotta Love" von Led Zeppelin, den über diese 90 Jahre alten Lautsprecher zu hören war eine Offenbarung: genau so muss das klingen. Man hört es, ist absolut sprachlos und denkt sich: wo ist eigentlich der Fortschritt? Wie kann ein solches Museumsstück aktuelle Anlagen so an die Wand spielen?

Das muss doch ein Vermögen kosten, so eine alte Kinobeschallung nach Europa zu bringen. Warum macht der Mann das?


Im Wesentlichen aus Idealismus. Er will den aktuellen HIFI-Herstellern demonstrieren, dass sich auch mit Oldschool-Technik hervorragender Klang erzeugen lässt.

Ok. Gibt es denn aktuelle Trends im HIFI-Bereich?


Immer mehr sehr teure Geräte, denen auf der Messe ein Bereich entgegen gestellt wurde: Sounds Clever, eine Zusammenstellung von gut klingenden Anlagen, die allerhöchstens 5000 Euro kosten dürften. Immerhin ein Ansatz für so eine Messe, das jüngere Publikum anzusprechen. Ansonsten viele Soundbars, weil die Fernseher immer dünner werden und immer schlechter klingen. Und dann widmen sich immer mehr Hersteller dem Thema Musik streamen und es trotzdem gut klingen lassen, auch solche, die aus einer strikt analogen Ecke kommen.. Hervorheben möchte ich in diesem Zusammenhang eine Anlage des Berliner Herstellers Voxativ, aus einem gewissen Lokalpatriotismus, aber vor allem aus Überzeugung.