Mysteriöser Kriminalfall

Der Fall Emanuela Orlandi: Vatikan lässt Gräber öffnen

In Deutschland sagt der Name Emanuela Orlandi kaum jemandem etwas, aber in Italien kennt ihn fast jeder. Denn das Verschwinden von Emanuela Orlandi ist ein Kriminalfall, der das Land seit vielen Jahre umtreibt.

Grabsteine auf dem deutschen Friedhof Campo Santo Teutonico innerhalb der Vatikan-Mauern © dpa/Jan Woitas
Grabsteine auf dem deutschen Friedhof Campo Santo Teutonico innerhalb der Vatikan-Mauern | © dpa/Jan Woitas

Emanuela war die Tochter eines Papst-Angestellten, lebte als solche auch im Vatikan und am 22. Juni 1983 ist sie zum Musikunterricht ins Zentrum von Rom gefahren. Danach wollte sie auf dem Rückweg mit Freundinnen in einen Bus steigen – kam dort aber nicht rein, weil der Bus zu voll war. Sie sagte noch, sie käme nach – aber seitdem verliert sich die Spur von Emanuela Orlandi. 

Prominent wurde der Fall, weil kurze Zeit später der damalige Papst Johannes Paul II in seinem Angelusgebet diesen Fall ansprach und an die Menschlichkeit desjenigen appellierte, der "für diesen Fall verantwortlich sei". Aber alle Ermittlungen sind bis heute ins Leere gelaufen. Was Emanuela Orlandi widerfuhr, ist bis heute nicht geklärt.

Im vergangenen Sommer ist dann bei der Anwältin der Familie Orlandi ein Brief eingegangen. Darin enthalten ist ein anonymer Hinweis auf den Campo Santo, also den deutschen Friedhof im Vatikan, gleich neben dem Petersdom. „Sucht, wohin der Engel schaut“, soll eine Botschaft in dem Brief lauten. Und deswegen werden zu Füßen des Marmorengels auf dem Campo Santo nun zwei Gräber geöffnet, von italienischen Kriminaltechnikern, um zu überprüfen, ob sich darin möglicherweise Überreste von Emanuela Orlandi befinden. Und man nach 36 Jahren endlich einen ersten konkreten Hinweis findet.

ARD-Korrespondent Jörg Seisselberg bereichtet darüber aus Rom.

Grabsteine auf dem deutschen Friedhof Campo Santo Teutonico innerhalb der Vatikan-Mauern © dpa/Jan Woitas
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