Corona-Politik

SPD-Abgeordnete König fordert mehr Testkapazitäten

Das Berliner Abgeordnetenhaus hat gestern über die Corona-Politik des Senats debattiert. Dabei ging es unter anderem um die Testkapazitäten in der Stadt. Die SPD-Abgeordnete König forderte den Senat auf, das Angebot zu erhöhen. Jeder sollte die Möglichkeit haben, sich kostenlos einem PCR-Test zu unterziehen. Gesundheitssenatorin Gote erklärte, man versuche schon, mehr Personal einzusetzen und längere Öffnungszeiten anzubieten.

Zahlreiche Menschen warten in einer langen Schlange auf ihren PCR-Test in einem landeseigenen Testzentrum in Berlin © dpa/Monika Skolimowska
Zahlreiche Menschen warten in einer langen Schlange auf ihren PCR-Test in einem landeseigenen Testzentrum in Berlin | © dpa/Monika Skolimowska

Ihre Corona-Warn-App steht gerade auf Rot? Dann gewöhnen sie sich besser daran, denn das wird in den nächsten Wochen wahrscheinlich öfter passieren. Mit der schnell ansteckenden Omikron-Variante des Coronavirus und einer Inzidenz, die in Berlin gerade auf die 1000 zuwandert, wird der Kontakt zu einer infizierten Person eben schlicht wahrscheinlicher.

Im Ergebnis bilden sich lange schlangen vor den Testzentren und die Sorge darüber wächst, wie man all die Menschen überhuapt in kurzer Zeit testen kann. Die Berliner Gesundheitssenatorin Ulrike Gote (Bündnis 90/Die Grünen) hat dazu gestern im Abgeordentenhaus gesagt:

"Wir haben hohe Testkapazitäten und Labore bauen ihre Kapazitäten auch noch weiter aus. Das hätte für Delta gereicht; für Omikron reicht das nicht. Und ich sage ganz klar: Wir können selbstverständliche die PCR-Kapzitäten noch etwas steigern in Berlin, aber eins ist auch klar – es wird am Ende nicht reichen."

Was das genau bedeutet und über die weitere Entwicklung der Corona-Situation in Berlin, besprechen wir mit der gesundheitspolitischen Sprecherin der SPD Fraktion im Abgeordnetenhaus - Bettina König.

Zahlreiche Menschen warten in einer langen Schlange auf ihren PCR-Test in einem landeseigenen Testzentrum in Berlin © dpa/Monika Skolimowska
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Die medizinischen Labore in Berlin und Brandenburg arbeiten wegen der Corona-Pandemie an der Kapazitätsgrenze. Das sagte der Vorsitzende des Verbands Akkreditierte Labore in der Medizin, Michael Müller, gestern dem rbb. Er sagte, in Berlin seien zuletzt 86.000 PCR-Tests pro Woche vorgenommen worden. Damit seien die Kapazitäten zu 92 Prozent ausgeschöpft. Auch in Brandenburg sei die Kapazitätsgrenze der Labore seiner Einschätzung nach erreicht. Inzwischen arbeiteten die Labore auch an Wochenenden und spät abends.

Müller plädierte dafür, jetzt nicht mehr jeden möglichen Fall einer Corona-Infektion durch einen PCR-Test zu überprüfen. Stattdessen sollten auch andere Möglichkeiten genutzt werden. So könnte zum Beispiel anhand von typischen Symptomen entschieden werden, dass sich jemand in Quarantäne begeben müsse. Auch das Freitesten könnte seiner Ansicht nach verändert werden. Wenn sich jemand zehn Tage isoliert habe und keine Symptome zeige, sei es sehr unwahrscheinlich, dass er infektiös sei. Ein Test sei deshalb nicht nötig, um die Quarantäne zu beenden. Anders sei das, wenn die Quarantäne etwa bei Mitarbeitern der kritischen Infrastruktur auf sieben Tage verkürzt werde. Hier sei ein Test weiterhin nötig.

Virologe Streeck spricht sich für mehr Corona-Schnelltests aus


Der Bonner Virologe Hendrik Streeck hat sich dafür ausgesprochen, in der Corona-Pandemie mehr auf Schnelltests zu setzen. Er sagte gestern der rbb Abendschau, PCR-Tests seien nicht immer nötig. Zwar sei der PCR-Test die sicherste Methode, um festzustellen, ob jemand infiziert ist.

Ein Infizierter könne nach fünf bis sieben Tagen Quarantäne in der Regel das Virus nicht mehr übertragen. Deshalb reiche ein Antigen-Schnelltest dann aus, um die Isolation zu beenden. Dadurch könnten auch die Labore entlastet werden.

Streeck sagte, wichtig sei es angesichts der stark steigenden Fallzahlen, sich an die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus zu halten. Dazu gehöre es, eine Maske zu tragen oder für einige Wochen die Kontakte einzuschränken. Die Booster-Impfung sei sinnvoll, da sie vor schweren Krankheitsverläufen schütze und Geboosterte das Virus auch seltener weitergeben.

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