Interview mit Monika Grütters (CDU)

Berlinale Summer Special: "Ein starkes kulturpolitisches Signal"

Nachdem im März Fachleute online Filme gucken durften, geht es für das Filmfestival ab heute an die frische Luft und das öffentlich für alle Cineasten: Das Berlinale Summer Special.

Monika Grütters bei der Berlinale 2020 © IMAGO / Future Image
Monika Grütters bei der Berlinale 2020 | © IMAGO / Future Image

Zwölf Tage lang wird an 16 Veranstaltungsorten Open Air Kino angeboten. 130 Filme sind zu sehen. Damit ist die Berlinale das erste große Festival das einem breiten Publikum Filmgenuss ermöglicht. Billig ist das natürlich nicht: Der Bund finanziert die Berlinale mit zehn Millionen Euro zusätzlich, trägt also allein fast zwei Drittel der Kosten des Festivals.

Ist das noch gerechtfertigt? Das fragen wir die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters (CDU). Im Interview bekräftigte sie, dass die Austragung der Berlinale im Sommer ein starkes kultur- und filmpolitisches Signal sei.

Monika Grütters bei der Berlinale 2020 © IMAGO / Future Image
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Das Interview zum Nachlesen:

Kerstin Hermes: Im März fand die Online-Berlinale statt, quasi der Ersatz für das Fachpublikum, bei der auch die Goldenen Bären verliehen wurden. Warum reicht das nicht?

Monika Grütters: Das Ereignis im März war tatsächlich ein Branchentreff und auch als politisches Signal wichtig, auch weltweit. Aber es war auch für die Filmwirtschaft wichtig, dass im Februar/März tatsächlich eine Jury hier zusammengekommen ist und die besten der liegengebliebenen Filme ausgewählt hat. Die brauchen auch diese Wettbewerbe. Sie brauchen die Sichtbarkeit dieser Preise, um den ganzen Filmmarkt weltweit im Gang zu halten. Und deshalb war es toll, dass Carlo Chatrian [Anm. d. Redaktion: der künstlerische Leiter der Berlinale] das gemacht hat. Aber wir wollen natürlich den Charakter der Berlinale herausstellen, dass das größte Publikumsfestival weltweit ist. Und deshalb haben wir uns für die Zeit nach der großen Pandemie und der Lockdown-Zeit jetzt tatsächlich dieses Summer Special ausgedacht. Und ja, dafür haben wir einen zweistelligen Millionenbetrag zurückgelegt. Aber ich finde, dass ist es wert. Es ist ein starkes kultur- und filmpolitisches Signal - und zwar für unsere Fans, fürs Publikum.

Es gibt eine Riesenvorfreude auf diese Berlinale draußen. Sie haben gerade auch die Kosten angesprochen. Wäre es nicht sinnvoller gewesen, das Geld für viele Kultureinrichtungen auszugeben, damit noch mehr etwas davon haben, also Theater, Konzertlocations beispielsweise oder eben auch Kinos?

Ja, aber das Geld haben wir ehrlich gesagt. Ich habe meinen Bundeshaushalt verdoppelt bekommen. Eine Milliarde Euro habe ich normalerweise, um die Standardaufgaben zu machen. Ich habe in diesem Jahr zwei Milliarden Euro zusätzlich bekommen: Die erste Milliarde haben wir schon Ende des Jahres für Kultureinrichtungen ausgegeben, damit sie innerhalb des Lockdowns trotzdem weiter produzieren, arbeiten und etwas vorbereiten können. Und dann habe ich eine zweite Milliarde bekommen, die wir jetzt seit ein paar Wochen auf die Bühne und wieder in die Stadt und zum Publikum bringen und an die Künstler verteilen, damit sie arbeiten können.

Davon haben wir diese zehn Millionen Euro für die Berlinale genommen. Aber es gibt dasselbe Geld natürlich auch für Bayreuth, für viele andere Festivals, für Kinobetreiber und für Galeristen. Wir haben fast 200 Millionen Euro alleine nur für Stipendien, damit die freiberuflichen Künstler überleben und weiterarbeiten können. Es gibt das Geld auch für sehr viele andere Kulturveranstalter, auch für Clubs übrigens, die in Berlin so wichtig sind. Hier wird keine Branche bevorzugt.

Aber die Berlinale ist das erste sichtbare große "Zurück-zur-Kultur"-Zeichen, was wir hier auch setzen wollten, um Zuversicht zu verbreiten und zu sagen, kommt wieder und genießt, was wir so lange vermisst haben. Und es ist übrigens das erste Filmfestival weltweit, das wieder an den Start geht. Und vor der Pandemie war es die letzte große Kulturveranstaltung, die wir noch ohne Einschränkung durchführen konnten. Eigentlich ist das ein schönes Signal.

Heute Abend findet die Eröffnung in einem Open-Air-Kino statt, das extra auf der Museumsinsel aufgebaut wurde, gemeinsam mit Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller. Aber ganz ehrlich, Frau Grütters, wie gern würden Sie einfach nur mit einem Aperol Spritz und Popcorn diesen Film schauen?

Das ist die falsche Frage. Diese Berlinale-Eröffnung gehört zu den Highlights meines jeweiligen Jahres als Staatsministerin. Und es war immer der große Kulturauftakt des Jahres Anfang Februar. Und selbst, wenn ich mit ein bisschen Lampenfieber auf der Bühne stand, weil die Profis drumherum können es ja doch besser, hab ich diese Eröffnungsreden immer gerne gehalten. Die Berlinale hatte und hat immer auch ein bisschen einen politischen Charakter. Und das war mir ganz wichtig, auch diese Bedeutung der Kultur und des Publikums bei der Berlinale und auch das weltweite herauszustellen. Das ist auch ein Ansporn. Und deshalb mache ich das heute Abend besonders gerne, weil es eben auch dieser außergewöhnliche Charakter im Juni und in der Pandemie als Wiedereröffnungssignal ist.