Problemfeld häusliche Pflege

VdK-Präsidentin Bentele: "Die Politik bräuchte mutige Lösungen"

Die Pflegebranche gewinnt weiter an Bedeutung. Die Zahl der Beschäftigten in Pflegeberufen in Deutschland stieg 2021 auf 1,67 Millionen. Ein großes Problem bleibt aber die "24-Stunden-Pflege" in Privathaushalten, denn hier ist die Belastung für pflegende Angehörige extrem hoch.

Häusliche Pflege. (Bild: IMAGO / Martin Wagner)
© IMAGO / Martin Wagner
Im vergangenen Jahr ist die Zahl Pflegekräfte in Deutschland weiter gestiegen. 2021 waren demnach rund 1,67 Millionen Menschen sozialversicherungspflichtig in der Pflege beschäftigt, wie die Bundesagentur für Arbeit zum "Tag der Pflegenden" mitteilte. Das waren rund 44.300 Menschen mehr als ein Jahr zuvor. Der Anstieg verteile sich sowohl auf Vollzeit- als auch auf Teilzeitbeschäftigte.

In der Altenpflege kletterte die Zahl der Beschäftigten demnach binnen eines Jahres um rund 12.700 auf 627.900, in der Gesundheitspflege um 31.600 auf 1,04 Millionen - trotz der Auswirkungen der Corona-Pandemie und des Fachkräftemangels.

In Deutschland gibt es vier Millionen pflegebedürftige Menschen. Von ihnen wird aber ein Großteil – 80 Prozent – zuhause versorgt. Mehr als ein Drittel der Menschen, die Angehörige zu Hause pflegen, fühlen sich extrem belastet und können die Pflegesituation nur unter Schwierigkeiten oder gar nicht mehr bewältigen. Dies ist eines von vielen Ergebnissen der bislang größten Studie zur Situation in der häuslichen Pflege, die die Hochschule Osnabrück im Auftrag des Sozialverbands VdK durchgeführt hat.

„Die Ergebnisse bestätigen: Die häusliche Pflege ist am Limit. Es rächt sich, dass sie jahrelang ein Stiefkind der Politik war und sträflich missachtet wurde. Wird dieser Kurs fortgesetzt, gehen wir einer düsteren Pflege-Zukunft entgegen!“, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele bei der Vorstellung der Studie auf einer Pressekonferenz am Montag.

Demnach sind 72 Prozent der Pflegenden weiblich. Die Hälfte der Befragten versorgt einen Elternteil. Jeder zweite der Pflegenden ist bereits im Rentenalter und körperlich selbst nicht mehr fit: 63 Prozent haben täglich körperliche Beschwerden und 59 Prozent geben an, wegen der Pflege die eigene Gesundheit zu vernachlässigen.

„Diese Menschen brauchen dringend Unterstützung und zwar eine, die auch wirklich zur Verfügung steht, zu ihren Bedürfnissen passt und sie unbürokratisch erreicht“, fasste Bentele die Ergebnisse der Befragung zusammen. Obwohl ein Großteil der Befragten sich mehr von den bisher möglichen Entlastungsangeboten wünscht, wie etwa der Tages- und Nachtpflege (61 Prozent), der Kurzzeitpflege (77 Prozent) oder der Verhinderungspflege (84 Prozent), werden 62 bis 93 Prozent dieser Leistungen von ihnen nicht in Anspruch genommen. Dieser Widerspruch hat verschiedene Gründe: Zum einen gibt es nicht genügend Kapazitäten professioneller Pflegeanbieter. So gaben 49 Prozent an, dass es nicht genug Tagespflegeplätze gibt, 56 Prozent zu wenig Kurzzeitpflegeplätze. „Wir brauchen daher dringend den Anspruch auf einen Tagespflegeplatz – so wie es diesen auch auf einen Kindergartenplatz gibt“, forderte Bentele.

Wir sprechen mit der Präsidentin des VdK, Verena Bentele, über die aktuelle Situation für Pflegende in Deutschland.
Häusliche Pflege. (Bild: IMAGO / Martin Wagner)
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