Berlinale-Kritik

In Zeiten des Teufels

Stephan Karkowsky über den Wettbewerbs-Beitrag "In Zeiten des Teufels".

In Zeiten des Teufels | © © Giovanni D. Onofrio

Ende der Siebzigerjahre unterdrückt eine vom Militär kontrollierte Bürgerwehr ein abgelegenes Dorf im philippinischen Urwald. Der Terror, den die Uniformierten mit ihren Maschinengewehren verbreiten, ist physischer und psychischer Natur. Sie kreieren eine Stimmung, in der Nachbarn zu Feinden werden, und wollen den Menschen den Glauben an Legenden und Geister austreiben. Die junge, unerschrockene Ärztin Lorena eröffnet eine Armenklinik und verschwindet kurze Zeit später spurlos. Ihr Ehemann, der Dichter, Aktivist und Lehrer Hugo Haniway, will die Wahrheit über den Verbleib seiner Frau herausfinden. Als er anreist, sieht er sich einer von Willkür und Gewalt zerrütteten Dorfgemeinschaft gegenüber.

Lav Diaz bezeichnet seinen Film als philippinische Rockoper. Die von ihm selbst geschriebenen Liedtexte greifen die düstere Stimmung während der Marcos-Diktatur auf und klagen die Verhältnisse an. Sie erzählen von einem Leid, dessen Ungeheuerlichkeit sich nicht in Bilder fassen lässt. Die Erzählung und die Figuren basieren auf wahren Begebenheiten und Charakteren. Mit dieser eigenwilligen Mischung aus Gesangs- und Historienfilm festigt Lav Diaz seinen Ruf als Chronist der Traumata seines Landes.
Quelle: Berlinale

© Giovanni D. Onofrio
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