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Dokumentarfilmpreis für "Irradiés"

Der in diesem Jahr erstmals vom rbb gestiftete Dokumentarfilm-Preis geht an "Irradiés", eine kambodschanisch-französische Koproduktion. Darin zeigt der kambodschanische Regisseur Rithy Panh den Terror der Roten Khmer, unter dem er wie tausende Menschen auch selbst zu leiden hatte.

Dokumentarfilmpreis für "Irradiés" von Rithy Panh (m.) © snapshot-photography/T. Seeliger
snapshot-photography/T. Seeliger

Sorgfältig setzen die Hände eines Mannes ein Modellhäuschen zusammen, in dem er wie in einem Schrein eine gerettete Kostbarkeit platziert: ein Familienfoto. So beginnt eine Reise in den Schmerz. Die Dreiteilung der Leinwand rhythmisiert die Bilder. Jede Tragödie ist einzigartig, doch die Wiederholung erzeugt jenes dumpfe Rauschen, vor dem es kein Entrinnen gibt. Irradiés ist gemacht von Menschen, die körperliche und psychische Irradiationen von Krieg überlebt haben, und jenen ans Herz gelegt, die glauben, gegen solche immun zu sein: „Was es bedeutet, Überlebender zu sein, lässt sich nicht in Worte fassen. Weiterleben, Verbindung aufnehmen zu diesen Irradiationen, für die es vielleicht keine Ursache, über die es nichts zu wissen, aber vor denen es keinen Schutz gibt. Das Böse strahlt aus. Es schmerzt – auch spätere Generationen. Doch jenseits dieses Schmerzes liegt Unschuld.“ (Panh) Irradiés ist kein Opus für die Kunstgalerie, sondern ein extremer, notwendiger Film, der mit unnachgiebiger Wucht in Auge und Herz dringt. Rithy Panh wahrt die Zeugenrolle; wie Marceline Loridan, ebenfalls eine Überlebende, lebt er mit Irradiation und hat sich einen klaren Blick auf das Leben bewahrt.
Quelle: Berlinale