Berlinale Talk | Silberner Bär für die Beste Regie

Beste Regie: Dénes Nagy für Természetes fény (Natural Light)

Dénes Nagys starkes Spielfilmdebüt ist mehr als ein Kriegsfilm. In ein fahles, feuchtes Licht getaucht, in dem die Gesichter wie in Schlamm gemalt erscheinen, erzählt Natural Light von Männern, die von einem moralischen Dilemma ins nächste geraten und immer tiefer ins Unbekannte vordringen.

1943. Während des Zweiten Weltkriegs steht in der besetzten Sowjetunion ein langer Winter bevor. István Semetka gehört zu einer ungarischen Sondereinheit, die Dorf für Dorf nach Partisan*innen durchsucht. Eines Tages gerät die Einheit auf dem Marsch in eine entlegene Ortschaft unter feindlichen Beschuss. Der Kommandeur wird getötet und als Ranghöchster muss Semetka die Führung übernehmen. Durch ein Sumpfgebiet führt er die Überlebenden zu einem besetzten Dorf, wo sie wieder zu ihrer Abteilung stoßen.

Was darf man tun, um zu überleben? Bis zu welchem Punkt ist jeder sich selbst der Nächste? Macht man sich auch als Zeuge oder Zeugin von entsetzlichen Geschehnissen, die man nicht verursacht hat, schuldig?

Nachdem sich alle Gewissheiten über Gut und Böse verflüchtigt haben, müssen die Männer entscheiden – zwischen Anpassung und dem Willen, das Richtige zu tun.

Bei der 71. Berlinale wurde Dénes Nagy jetzt für Természetes fény (Natural Light) mit dem Silbernen Bären für die Beste Regie ausgezeichnet. Knut Elstermann spricht mit ihm darüber.

Jury-Begründung:


"Beängstigende und wunderbar gefilmte, hypnotisierende Bilder; eine beeindruckende Regiearbeit und meisterhafte Steuerung jeder einzelnen Komponente des Filmkunsthandwerks; eine Erzählung, die über ihren geschichtlichen Zusammenhang hinausweist. Das Abbild eines Krieges, bei dem der aufmerksame Blick des Regisseurs uns erneut daran erinnert, dass wir uns zwischen Passivität und dem Übernehmen persönlicher Verantwortung entscheiden müssen."

Természetes fény (Natural Light) © Tamás Dobos
Anastasija Jegorova in "Natural Light" | © Tamás Dobos

Quelle: Berlinale