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Weitermachen Sanssouci

Max Linz komponiert seinen Film mit feinem Gespür für Berliner Befindlichkeiten, städtische Kulissen, Bürodekor und akademische Kostüme. Und mit Lust an der Überzeichnung der dekadenten Uni-Sprache, die ihre Reizwörter wie Köder in der Verhaltensforschung benutzt. Am Ende entwickelt sich der Film fast zu einem Musical – der Ohrwurm „Warum kann es hier nicht schön sein, warum werden wir nicht froh?“ könnte zu einer postkapitalistischen Revolutionshymne werden.

Max Linz © snapshot-photography/Seeliger
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Dem Institut für Kybernetik und Simulationsforschung droht die Schließung – so das Ausgangsszenario dieser Satire über die Verwandlung des Universitätsbetriebs in eine turbokapitalistische Forschungsmaschinerie. Phoebe Phaidon nimmt als hochqualifizierte Nachwuchswissenschaftlerin wieder einmal einen befristeten Lehrauftrag an. Mit ihren noch nicht ganz verblassten Idealen als progressive Klimaforscherin agiert sie zwischen den frustrierten, aber kampfbereiten Studierenden, die die Bibliothek besetzen. Auf der anderen Seite: der etablierte Lehrkörper, beim Überlebenswillen im Drittmittelbeschaffungssumpf zu eitlen Zynikern verkommen, die sich vor keiner noch so grotesken Verrenkung im Evaluierungswahnsinn scheuen.

Im Berlinale Nighttalk begrüßt Knut Elstermann den Regisseur Max Linz und die Schauspielerin Sophie Rois und spricht mit den beiden über den Film "Weitermachen Sanssouci" - eine rbb-Produktion.

Quelle: Berlinale