Berlinale

Silberner Bär Großer Preis der Jury

Grâce à Dieu (Gelobt sei Gott) von François Ozon

Den Großen Preis der Jury (Silberner Bär) bekam der französische Regisseur François Ozon mit "Gelobt sei Gott". Basierend auf dem Fall von Pater Bernard Preynat, der 2016 wegen sexueller Übergriffe auf rund 70 Jungen angeklagt wurde, porträtiert François Ozon die Opfer als erwachsene Männer und zeigt ihre lebenslangen Verletzungen. Zugleich polemisiert der Film gegen das Schweigen der Kirche zur Pädophilie und fragt nach ihrer Mitschuld. Seit Januar 2019 muss sich diesbezüglich Kardinal Philippe Barbarin wegen „Nichtanzeige“ vor Gericht verantworten.

Regisseur François Ozon mit dem Silbernen Bären - Großer Preis der Jury für den Film "Grâce à Dieu" © snapshot-photography/T.Seeliger
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Alexandre lebt mit Frau und Kindern in Lyon. Eines Tages entdeckt er durch Zufall, dass der Priester, der ihn während seiner Zeit als Pfadfinder missbraucht hat, noch immer mit Jugendlichen arbeitet. Lange verdrängte Erinnerungen werden wach.

Verstört und couragiert beschließt Alexandre, endlich gegen den Mann vorzugehen. Er sucht nach weiteren Opfern des in seinem Amt angesehenen Geistlichen und findet sie in François und Emmanuel. Doch jeder der drei Männer kämpft auf unterschiedliche Weise mit sich selbst. Und jeder muss mit den Schatten seiner Vergangenheit ringen, um die weitreichenden Konsequenzen dieses Prozesses zu verkraften. Die Gründung der Selbsthilfeorganisation „La Parole Libérée“ (Das befreite Wort) ist nur ein erster Schritt.

Knut Elstermann begrüßte den Regisseur François Ozon von "Grâce à Dieu" ("By the Grace of God" | "Gelobt sei Gott") im Berlinale Nighttalk.