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Retrospekt

Mette hat ihr zweites Kind bekommen und ist in Elternzeit. Doch ihr Familienglück ist nicht perfekt. Von ihrem Mann Simon wünscht sie sich eine andere Aufteilung der familiären Pflichten und sie vermisst ihre Arbeit in einem Zentrum für Opfer häuslicher Gewalt. Doch die Kolleginnen versichern ihr, dass auch ohne sie alles gut läuft. Was sie beruhigen soll, kränkt sie eher und führt dazu, dass sie einer früheren Klientin, die in Schwierigkeiten steckt, gegen alle Vernunft im Alleingang zu helfen versucht.

Esther Rots © snapshot-photography/Seeliger
Esther Rots | © snapshot-photography/Seeliger

Als deren gewalttätiger Freund auf der Bildfläche erscheint, droht die Situation zu eskalieren. Die im Titel angekündigte Rückschau ist alles andere als eine konventionelle filmische Rückblende. Die Ereignisse sind stark fragmentiert, erst nach und nach setzt sich die Handlung wie ein Puzzle zusammen. Das Bruchstückhafte vermittelt eindringlich die Natur eines traumatischen Erlebnisses und eine Weltwahrnehmung, in der das Ich nicht immer der Herr im Haus ist. Dann kommentiert ein rezitativischer Off-Gesang die Handlung. Das Ineinandergreifen von Montage, Sounddesign und großartigem Spiel der Hauptdarstellerin Circe Lethem macht aus Retrospekt ein immersives Kinoerlebnis.
Quelle: Berlinale

Knut Elstermann sprach im Berlinale Nighttalk mit der Regisseurin Esther Rots.

Esther Rots © snapshot-photography/Seeliger
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