Berlinale | Panorama

On the Starting Line

Originaltitel: La Arrancada

Kuba, ein Land im Wandel. Jenniffer ist Anfang 20 und lebt mit ihrer Mutter Marbelis und ihrem Bruder Yeyo zusammen; der Vater sitzt im Gefängnis. Marbelis arbeitet im staatlichen Desinfektionswesen, sie reibt sich für ihre Kinder auf. Die Karriere ihrer Tochter als Leichtathletin unterstützt sie nicht nur finanziell. Zur Zeit ist Jenniffer allerdings verletzt und hadert mit dem Sport, sie denkt ans Aufhören.

Aldemar Matias © snapshot-photography/T.Seeliger
snapshot-photography/T.Seeliger

Unaufgeregt, fast beiläufig fängt die Kamera Jenniffers Leben ein: die liebevolle Beziehung zu ihrer besorgten Mutter, die Nähe zu ihrem Bruder, der seine Ausreise plant, ihre Gespräche mit Freunden über die komplizierte Liebe zu Kuba und darüber, wo man sich in zehn Jahren sieht, und immer wieder das Training auf dem Sportplatz. Szenen wie die der Opferungen an die Göttin Oshun und die der von Handys beleuchteten Gesichter abends auf dem „Wifi-Platz“ lassen den Gegensatz zwischen Tradition und Moderne erkennen, ohne ihn direkt zu thematisieren.

Auch Jenniffers Wandel und die Unsicherheit darüber, wie ihre Zukunft aussieht, treten nur subtil zutage. Nicht nur beim 100-Meter-Lauf scheint sie in den Startblöcken zu stehen. Ein stilles, feinsinniges und sensibel gefilmtes Porträt einer Familie.
Quelle: Berlinale

Knut Elstermann begrüßte den Regisseur Aldemar Matias im Berlinale Nighttalk und sprach mit ihm über "On the Starting Line".