Sa 09.02. 21:10

Berlinale Gastkritikerin

Maren Kroymann

Unsere Gastkritikerin war heute die Schauspielerin Maren Kroymann. Sie hat für uns die Wettbewerbsfilme „Out Stealing Horses“ und „Der goldene Handschuh“ gesehen.

Schauspielerin Maren Kroymann © snapshot-photography/T.Seeliger
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Filminfo zu „Der goldene Handschuh“:

Hamburg-St. Pauli in den 1970er-Jahren, die Amüsiermeile und ihre Nachtgestalten: Gewohnheitstrinker und Prostituierte, Spielsüchtige und andere einsame Seelen. Fritz Honka, ein gedrungener Mann mit dicker Hornbrille und einem verunglückten Gesicht, ist einer von ihnen. Ein Hilfsarbeiter, der in der Kiezkaschemme Zum Goldenen Handschuh ältere, sozial verwahrloste, allein trinkende Frauen aufreißt und abschleppt. Was niemand weiß: In seiner Dachgeschosswohnung erschlägt und erwürgt er seine Opfer, zerstückelt sie und entsorgt die Überreste hinter der Wand zum Dachboden. Gegen den Verwesungsgestank verteilt er Wunderbäume im Haus, die Schuld an den penetranten Gerüchen schiebt er der benachbarten griechischen Familie in die Schuhe.

Basierend auf dem realen Fall des Serienmörders Fritz Honka und nach dem Kriminalroman von Heinz Strunk von 2016, entwirft Fatih Akin das Porträt eines sozial verkommenen Gewaltverbrechers, der von Frauenhass, sexueller Gier und Sentimentalität getrieben ist. Eine Milieustudie über die Kehrseite des damals erst kurze Zeit zurückliegenden Wirtschaftswunders: Individuen, von Kriegs- und Nachkriegswirren aus der Bahn geworfen, ein Dunkeldeutschland ohne jede Zuversicht.

Filminfo zu „Out Stealing Horses“:

November 1999. Trond Sander ist 67 und hat sich nach dem Tod seiner Frau aus Oslo in einen kleinen Ort im Osten Norwegens zurückgezogen. Das Jahrtausend neigt sich dem Ende entgegen und mit ihm, so scheint es, auch Tronds Leben. In einer Winternacht erkennt er in seinem Nachbarn Lars plötzlich einen alten Bekannten aus der Jugendzeit wieder. Eine Begegnung, die Erinnerungen an das Jahr 1948 aufsteigen lässt: Gemeinsam mit seinem bewunderten Vater verbrachte Trond einen ganzen Sommer in einer einfachen Holzhütte am Fluss. Lange Nachmittage im Wald, Ausritte auf Wildpferden und harte Arbeit beim Holzschlagen verschwimmen zu einem Bilderbogen zwischen unbeschwertem Glück und schicksalsträchtigen Erlebnissen.

Inmitten der atemberaubenden Gebirgs- und Flusslandschaft zwischen Norwegen und Schweden inszeniert Hans Petter Moland ein Drama um Liebe, Verlust und Enttäuschung, um lebenslange Traumata und Schuldgefühle. Auf der Grundlage von Per Pettersons preisgekröntem Roman „Pferde stehlen“ thematisiert der Film zugleich die norwegische NS-Vergangenheit. Das Schwanken zwischen Kollaboration und Widerstand hat auch private Entscheidungen beeinflusst und ist ein unauslöschlicher Teil von Tronds Kindheitserinnerungen.

Quelle: Berlinale