Berlinale | Wettbewerb

Der Goldene Handschuh

Hamburg-St. Pauli in den 1970er-Jahren, die Amüsiermeile und ihre Nachtgestalten: Gewohnheitstrinker und Prostituierte, Spielsüchtige und andere einsame Seelen. Fritz Honka, ein gedrungener Mann mit dicker Hornbrille und einem verunglückten Gesicht, ist einer von ihnen. Ein Hilfsarbeiter, der in der Kiezkaschemme Zum Goldenen Handschuh ältere, sozial verwahrloste, allein trinkende Frauen aufreißt und abschleppt.

Fatih Akin und Schauspieler Jonas Dassler © snapshot-photographer/T.Seeliger
snapshot-photographer/T.Seeliger

Was niemand weiß: In seiner Dachgeschosswohnung erschlägt und erwürgt er seine Opfer, zerstückelt sie und entsorgt die Überreste hinter der Wand zum Dachboden. Gegen den Verwesungsgestank verteilt er Wunderbäume im Haus, die Schuld an den penetranten Gerüchen schiebt er der benachbarten griechischen Familie in die Schuhe.

Basierend auf dem realen Fall des Serienmörders Fritz Honka und nach dem Kriminalroman von Heinz Strunk von 2016, entwirft Fatih Akin das Porträt eines sozial verkommenen Gewaltverbrechers, der von Frauenhass, sexueller Gier und Sentimentalität getrieben ist. Eine Milieustudie über die Kehrseite des damals erst kurze Zeit zurückliegenden Wirtschaftswunders: Individuen, von Kriegs- und Nachkriegswirren aus der Bahn geworfen, ein Dunkeldeutschland ohne jede Zuversicht.
Quelle: Berlinale

Knut Elstermann begrüßte Regisseur Fatih Akin und Schauspieler Jonas Dassler im Berlinale Nighttalk und sprach mit den beiden über "Der Goldene Handschuh".

Der Goldene Handschuh
Der Goldene Handschuh | © Warner Bros/Gordon Timpen