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A Russian Youth

Originaltitel: Malchik russkiy

Ein sommersprossiger uniformierter russischer Junge verliert in einem Schützengraben des Ersten Weltkriegs bei einem Gasangriff der Deutschen das Augenlicht. Man behält ihn an der Front und setzt ihn aufgrund seines guten Gehörs an riesigen Metallrohren lauschend als Frühwarnsystem für feindliche Flugzeuge ein.

Regisseur Alexander Zolotukhin mit Kameramann Ayrat Yamilov beim Berlinale Nighttalk
Regisseur Alexander Zolotukhin mit Kameramann Ayrat Yamilov beim Berlinale Nighttalk | © snapshot-photography/ T.Seeliger

Die Farben sind ausgeblichen, als würden die Bilder aus einer anderen Zeit stammen. Gleichzeitig haftet dem grobkörnigen Material etwas Stilisiertes, Abstraktes an. Nach und nach treten die Körper in den Vordergrund, ihre Verletzlichkeit und Kreatürlichkeit, aber auch ihre Energie. Kamera und Schnitt halten Schritt mit dem Erblindeten. Er taumelt durch das Militärlager, irritiert die anderen Männer mit Berührungen, weil er seine Umgebung nur noch ertasten kann. Seine Gesichtszüge bleiben stets offen, unschuldig. Im konkreten wie im übertragenen Sinn scheint er Halt im Soldatendasein zu suchen.

Aktuelle dokumentarische Aufnahmen von Orchesterproben zu Sergei Rachmaninows 3. Konzert für Klavier und Orchester Op. 30 (1909) und den Sinfonischen Tänzen Op. 45 (1940) unterbrechen nicht den Erzählfluss, vielmehr übersetzen sie Motive und Themen in einen akustischen Resonanzraum.

Im Berlinale Nighttalk begrüßt Knut Elstermann den Regisseur Alexander Zolotukhin und spricht mit ihm über seinen Film "Malchik russkiy".

Regisseur Alexander Zolotukhin mit Kameramann Ayrat Yamilov beim Berlinale Nighttalk
snapshot-photography/ T.Seeliger
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Quelle: Berlinale