Mi23.01.
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mo-do, 13:00 - 16:00

radioeins ab eins

mit Christiane Falk

Christiane Falk

Neue Songs und große Alben, junge Götter und alte Helden – radioeins atmet Musik und Sie atmen mit. Täglich gibt es eine neue Story über das Album der Woche. Dienstags gibt es "Strom und Drang" und am Mittwoch sind wir "Back in Black" mit dem Vinyl der Woche. Und damit, dass hier alle wichtigen Musiker zu Wort kommen, die in, über oder nicht weit entfernt von Berlin und Brandenburg unterwegs sind, müssen wir ja wohl nicht großartig angeben, oder?

15:40

Dr. Pops Tonstudio

Leben retten mit Musik

Dr. Pops Tonstudio
Presse

Kann man ernsthaft einen Doktortitel in Popmusik machen? Ja! Und was macht man dann damit? Comedy und Kabarett!
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15:10
Rubrik telefonverlosung

Album der Woche

The Gypsy Soul of Tiwayo von Tiwayo

Er staunt selber, denn es war so einfach: Der französische Musiker Tiwayo schrieb eine Email an den Produzenten seiner Träume und wenig später stand er mit ihm im Studio. Mark Neill hat sich einen Namen u.a. durch seine Arbeit den Black Keys gemacht und verhalf Tiwayo zum perfekten Sound seines Debütalbums „The Gypsy Soul Of Tiwayo“, das in der vergangenen Woche veröffentlicht wurde.

The Gypsy Soul of Tiwayo von Tiwayo © Universal Music
Universal Music

Seine raue, ausdrucksstarke Stimme brachte dem französischen Musiker Remi Tyo alias Tiwayo den Spitznamen „The Young Old“ ein, der junge Alte. Und nicht nur sein Gesang, sondern auch seine Songs wirken recht retrophil. Sie erinnern an Musik, mit der jemand seines Alters normalerweise nicht aufgewachsen ist.

Doch wie so oft, wirkten auch bei Tiwayo die Kräfte der Soziologie: Da sein älterer Bruder, der Rebell war. Der, der sich unbedingt vom Musikgeschmack der Eltern abgrenzen musste und Chartsmusik hörte, konnte Tiwayo sich getrost der Plattensammlung seiner Eltern widmen.

Er könne sich noch sehr gut an das Zimmer seines Vaters erinnern, sagt Tiwayo. Es war ein magischer Raum, aus dem immer die Klänge der großen Jazz-Sängerinnen zu hören waren: Sarah Vaughn, Billie Holiday, Nina Simone. Aber auch die großen Männer des Jazz oder Bluesmusiker wie John Lee Hooker. Er war schon als Kind ganz fasziniert davon. Später dann kamen noch andere Einflüsse dazu. [mehr]

13:40

Back in Black

Satan In Love

Rare Finnish Synth-Pop & Disco 1979-1992

Die Nischen, aus denen den vernarrten Schallplattensammlern Musik zur Verfügung gestellt wird, werden enger und enger. Im letzten Jahr hoch im Kurs: Bubblegum aus Südafrika, Jazz aus Japan oder auch zu belgischen Off-Theater-Stücken der 1980er Jahre komponierte Begleitmusik. Fehlt eigentlich nur noch auf mongolischen Bergziegen gekämmter Bluegrass. Doch bevor dieses Vorhaben zur Realisierung gelangt, kümmert sich das in Turku ansässige Label Svart Records um finnische Discomusic.

Satan In Love – Rare Finnish Synth-Pop & Disco 1979-1992
Svart Records/Cargo

Das ist in zweierlei Hinsicht eine Überraschung. Erstens: Svart hat sich in der Vergangenheit eigentlich eher für sehr, sehr, sehr düsteren Metal verdient gemacht. Zweitens (und entscheidender): dass die unterkühlten Finnen sich für heißblütige Rhythmen interessierten, blieb bislang ein jenseits des Bottnischen Meerbusens wohlgehütetes Geheimnis. Das wird jetzt mit einer Hand voll Reissues und gleich zwei lohnenswerten Compilations gelüftet. Und wohl auch die Sicht auf die Finnen für immer verändern.

Die Compilation, die wir heute vorstellen wollen, heißt »Satan in Love – Rare Finnish Synth-Pop & Disco 1979-1992«. Das erste Stück heißt »Se outoa on«, was mit »it is strange« ins Englische zu übersetzen ist und durchaus programmatisch für die gesamte Musik hier verstanden werden darf. Die ist eine Mischung aus Schlager, Pop und Experiment, größtenteils mit finnischen Texten, was die Sache für unsere Ohren nur noch skurriler werden lässt. Es ist wahrscheinlich auch nicht anders als würden die Finnen Rheingold (»Dreiklangs-Dimensionen«) oder Deutsch-Österreichische Freundschaft (»Codo«) entdecken.

In den 1980er Jahren spielten die Discotheken in Finnland überwiegend Synth-Pop, aber 99% der Lieder waren nicht aus Finnland. Das Equipment war teuer und die Plattenfirmen sahen wenig Potenzial außerhalb des nur 5 Millionen Einwohner zählenden Finnlandes diese Musik zu verkaufen. Dennoch versuchten sich Bands aus Orten wie Imatra oder Lappeenranta, Kleinstädte, die nur eingefleischten Schneewanderern ein Begriff sein werden, mit ihren Möglichkeiten die bekannten Vorbilder zu imitieren. 30 Jahre später haben wir nun das große Vergnügen diese Bands wiederzuentdecken.
 
Sebastian Hinz, hhv

Satan In Love – Rare Finnish Synth-Pop & Disco 1979-1992
Svart Records/Cargo