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Berliner Polizei

Polizeisprecher Cablitz: "Wir sind in einer Vorreiterrolle, was die Diversität betrifft"

Der Deutsche Diversity-Tag soll heute ein Zeichen für Vielfalt und Respekt setzen, denn Vielfalt heißt Wertschätzung und Gleichstellung unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft, Religion, Weltanschauung. Doch wie divers ist eigentlich die Polizei?

Thilo Cablitz, Pressesprecher der Berliner Polizei © imago images/POP-EYE
Thilo Cablitz, Pressesprecher der Berliner Polizei | © imago images/POP-EYE

Heute ist bundesweiter Diversity-Tag, und radioeins und der gesamte rbb kümmert sich den ganzen Tag um gesellschaftliche Vielfalt. Wie schaffen wir es, mehr Vielfalt zu leben und gemeinsam gegen Rassismus zu kämpfen? Welche Rolle spielt unsere Sprache und unser Sprechen dabei? Was müssen Institutionen und Unternehmen ändern, um mehr Gleichberechtigung möglich zu machen?

Wir fragen uns auch, wie z.B. die Polizei in Sachen „Diversity“ aufgestellt ist und sprachen darüber mit Berlins Polizeisprecher Thilo Cablitz. Er sieht die Berliner Polizei in einer "Vorreiterrolle, was die Diversität betrifft - in der Verwaltung zumindest".

Was das Racial Profiling betrifft, "da muss man schon differenzieren. Es gibt Racial Profiling, das werden wir auch nie bestreiten, deshalb geht es auch daraum, dass wir als Polizei Berlin alles daran setzen, dagegen vorzugehen," so Cablitz.

Thilo Cablitz, Pressesprecher der Berliner Polizei © imago images/POP-EYE
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radioeins: Ein Cablitz macht ja noch keine diverse Polizei. Wie wichtig wird das Thema Diversität bei der Polizei genommen?


Cablitz: Definitiv sehr ernst. Wenn wir bedenken, dass wir bereits in den 90ern noch nicht ganz so ausgeprägt, aber durchaus Versuche gestartet haben, Menschen die Vielfalt der Stadt abzubilden, sind wir jetzt doch noch mal deutlich weiter, wenn wir über Einstellungsjahrgänge mit bis zu 40 Prozent an Menschen sprechen, die eine Migrationsgeschichte bringen und damit auch eine gewisse Diversität mitbringen.

radioeins: Immer wieder wird im Zusammenhang mit der Polizei das sogenannte Racial Profiling diskutiert. Wie bekommt man diese immer wieder neue Unvoreingenommenheit in die Köpfe der Polizistinnen und Polizisten?


Cablitz: Vielleicht zwei, drei Sachen vorweg: Wir sind nicht nur auf gutem Weg, ich glaube, wir sind sogar in einer Vorreiterrolle, was die Diversität betrifft, in der Verwaltung zumindest.

Was das Racial Profiling betrifft, da muss man natürlich schon differenzieren. Es gibt Racial Profiling, das werden wir auch nie bestreiten, deshalb geht es auch darum, dass wir als Polizei Berlin alles daransetzen, dagegen vorzugehen, die Kolleginnen und Kollegen für ein solches Verhalten zu sensibilisieren und dann von vornherein auch gegen vorzugehen – ob nun bei sich selber feststellend oder eben bei anderen feststellend. Wichtig ist nur, dass man Racial Profiling nicht immer als Pauschalbegriff nutzt. Wir kontrollieren zum Beispiel auch aufgrund einer Täterbeschreibung.

Ich führe dieses Beispiel immer ganz gerne an, wenn wir aus einer Personengruppe eine Person rauspicken, die einzige Person, die einen sichtbaren Migrationshintergrund, eine sichtbare Migrationsgeschichte hat, also nehmen wir jetzt einen Schwarzen zum Beispiel, und wir nehmen die anderen sind mitteleuropäisch weiß, dann hat es vielleicht auch einen Grund. Und der Grund kann zum Beispiel eine Täterbeschreibung sein, dass wir eben jemanden suchen, der eine gewisse Körpergröße hat und schwarz ist und genau in diese Menschenmasse hineingeflüchtet ist. Dann kontrollieren wir auch nur genau diese eine Person. Für alle anderen, die drumherum stehen, ist es aber eindeutig ein Racial Profiling, weil wir es schlichtweg und ergreifend allen auch nicht erklären können.

radioeins: Was bei rassistischen Vorfällen auch vonseiten der Polizei immer wieder passiert, es fühlen sich Kolleg*innen unwohl mit dem rassistischen Auftreten des Kollegen, aber man hält die Klappe, weil man ja ein Team ist. Wie kann man denn die vielen, vielen Vernünftigen ermutigen?


Cablitz: Das machen wir auch schon und das passiert auch. Wir haben diesen, ich nenne ihn mal Selbstreinigungseffekt, also wenn Kolleginnen und Kollegen so etwas feststellen, ich denke da an die letzten Verfahren, die wir auch offiziell kommuniziert haben, da waren es immer Kolleginnen und Kollegen, die das nach außen getragen haben, also nach außen im Sinne von ‚hier ist was passiert, was nicht rechtens war, und ich zeige das an‘. Und genau auf der Grundlage haben wir dann die entsprechenden Verfahren eingeleitet, eines hat sogar dazu geführt, dass, ich weiß gar nicht, ob die mittlerweile entfernt wurden aus dem Dienst, aber ich glaube sechs oder sieben Kolleginnen und Kollegen, die die noch Anwärterinnen waren, die aber dann aus der Behörde entlassen werden.

radioeins: Welche rassistischen Erfahrungen mussten sie persönlich schon in ihrer Polizeikarriere machen? Haben Sie sich auch öfter mal gegen Kolleginnen und Kollegen wehren müssen?


Cablitz: Ich bin immer vorsichtig, es direkt als rassistisch zu bezeichnen, manchmal mag es unbedarft sein, aber ich habe auch definitiv schon rassistische Erfahrungen gemacht. Ich persönlich kann für mich sagen, auch wenn ich den Begriff im anderen Kontext nicht nutze, aber ich persönlich kann für mich sagen, dass es in meinem Fall aber Einzelfälle waren. Im Gesamtkontext bin ich mit diesem Begriff ‚Einzelfälle‘ immer sehr vorsichtig. Den nutze ich da lieber nicht. Aber bei mir waren es einige Fälle, bei denen ich dann aber gemerkt habe ‚Okay, ich muss es reflektieren. Ich muss dieses Verhalten kommunizieren und meinem Gegenüber sagen, dass es zu weit gegangen ist‘. Wie soll sich eine Verhaltensänderung einstellen, wenn ich nicht darauf aufmerksam mache?

radioeins: Wir reden ja beim Thema Rassismus auch viel über Sprache, denn Sprache nimmt ja auch Einfluss auf unser Denken. Bevorzugen sie für sich auch die Bezeichnung „Person of Color“ und ist das auch der übliche Sprachgebrauch innerhalb der Polizei?


Cablitz: Nein, eigentlich ist der Begriff ja auch schwarz. Ich tue mich ein bisschen schwer, mich als Schwarzer zu bezeichnen, aber grundsätzlich wäre es der korrekte Begriff, und wir nutzten auch ‚Person of Color‘. Ansonsten sprechen wir grundsätzlich, und das ist ja das Interessante, eben auch von Deutschen, weil viele Personen, die in einer äußeren Wahrnehmung einen Migrationshintergrund haben könnten, haben diesen ja gar nicht, sondern haben die deutsche Staatsangehörigkeit. Von daher unterscheiden wir in der Form grundsätzlich erst mal nicht, sondern es geht ja ausschließlich dann auch darum, wenn wir jetzt eine Täterbeschreibung haben, allgemeine Merkmale, und dazu gehören dann auch – auch wenn es kritisch betrachtet werden mag – Haarfarbe, Hautfarbe, Augenfarbe, Körpergröße, ganz entscheidend Geschlecht. Aber das sind eben Unterscheidungsmerkmale – ausschließliche Unterscheidungsmerkmale, die dann nur dazu dienen, um Tatverdächtige zu identifizieren und eben nicht irgendeine rassistische Zuschreibung sein sollen.