Mo 21.02.
2022

Album der Woche

Love Supreme von Nneka

Ihr erstes, langersehntes Album seit sieben Jahren ist eine spirituelle Reise und die damit verbundene Reise ins Ich. Nneka erkundet die höhere Liebe und die eigene Psyche.

Love Supreme von Nneka
Love Supreme von Nneka | © Bushqueen Music

Zuversicht und Selbstvertrauen spiegeln sich in den Songs ihrer neuen Platte. Selbstliebe. Nur sie kann dazu führen, dass wir uns wirklich anderen gegenüber öffnen. Ich glaube, dass Musik ein Werkzeug, das man benutzen kann, um sich auszudrücken und um sich gut zu fühlen und sogar, um sich besser zu fühlen, sagt Nneka. Musik ist sehr mächtig. Ich glaube, sie ist mächtiger als Politik und Religion. Musik bringt Menschen zusammen. Musik ist heilend. Musik ist Leben. Musik ist Bewegung und Rhythmus, der in jedem einzelnen Organismus zu finden ist. Deshalb habe sie auch nie aufgehört, Musik zu machen, auch wenn „Love Supreme“ ihr erstes Album ist, das sie seit sieben Jahren veröffentlicht. Das Album ist in Hamburg, in Frankreich und in Nigeria entstanden, aber noch vielmehr als die Orte, hatten die Musiker*innen Einfluss auf die Songs, mit denen sie gearbeitet hat. Deswegen gibt es diesen afghanischen, iranischen, afrikanischen, sogar asiatischen Vibe in der Musik, sagt Nneka.



„This Life“ ist ein erbaulicher Song im Uptempo, der davon handelt, mit sich selbst zufrieden zu sein. Und es ist eine Konversation mit Gott und Gott steckt in jedem einzelnen Ding. Die höhere Liebe – Während der Entstehungszeit des Albums hat Nneka viel Alice Coltrane gehört und auch die Musik von John. Das Ehepaar war bekannt für seine spirituelle Musik. Eine Referenz. Und natürlich muss man bei dem Titel „Love Supreme“ sofort an John Coltranes Meisterwerk „A Love Supreme“ denken. Der Song „Tea“ reflektiert die Freundschaft zu sich selbst, zu einem Ich aus der Vergangenheit. Es braucht ein Bei-sich-sein, um zu wachsen und zu erkennen, dass man oft die Sachen von anderen verlangt, die man selbst eigentlich (erfüllen) will. Andere sind ein Spiegel. Wenn du dich über sie aufregst, dann meistens über die Dinge, die du an dir selbst nicht magst.

„Der Song „About Guilt“ handelt davon, dass viele von uns, Angst haben ihre Wahrheit nicht ausdrücken zu können und der Welt eine Lüge erzählen zu müssen. Manchmal sind wir allein mit unserer Wahrheit, und wir fühlen uns vielleicht schuldig gegenüber der Welt“, sagt Nneka. Das Gefühl von Schuld kann auf vielfältige Art entstehen, doch es gibt nur eine Heilung: Vergebung.

Nneka Lucia Egbuna, die in der Deltaregion Nigerias aufgewachsen ist, zog im Alter von 19 Jahren nach Deutschland, um an der Universität Hamburg Anthropologie zu studieren. Es war während ihrer Studienzeit, dass Nneka ihr Handwerk als Singer-Songwriterin verfeinerte. Ihre politisch aufgeladenen Texte etablierten sie schnell als eine der mächtigsten Stimmen Afrikas. Ihre Songs untersuchen einmal mehr eine Vielzahl von sozialen Themen, darunter mütterliche Liebe, Herzschmerz und die Suche nach Gerechtigkeit.

Claudia Gerth, radioeins