Hörspielkino unterm Sternenhimmel

Die 250.000ste Besucherin

Am 10. März 2017 begrüßte Hörspielkino-Erfinder Lutz Oehmichen die 250.000ste Besucherin im Hörspielkino unterm Sternenhimmel!

250.000ste Besucherin im Hörspielkino © radioeins/Kerstin Warnow
250.000ste Besucherin im Hörspielkino © radioeins/Kerstin Warnow | © radioeins/Kerstin Warnow

Angefangen hat alles mit einer guten Idee: Man lege sich in die zurückgelehnten Polstersessel eines Planetariums, schaue in die Kuppel eines illuminierten Sternenhimmels und höre dabei: EIN HÖRSPIEL! rbb-Kollege und Hörspielfan Lutz Oehmichen hatte den zündenden Einfall im Jahre 1994 und – gesagt, getan! -  ein Jahr später ging die erste Staffel mit Hörspielen im Planetarium am Insulaner bereits an den Start.

Das Konzept ist einfach und bewährt: Jeweils an vier bis acht Wochenenden im Frühjahr und Herbst sind in den beiden Planetarien im Osten und Westen der Stadt - eingebettet in eine ausgeklügelte  Ablaufdramturgie - in der Regel zwei Hörspiele zu hören. Geboten wird eine sorgfältig durchdachte Mischung aus ARD-Highlights, vom  Krimi zum Klassiker, vom Besteller zum Preisträgerstück. Als Veranstalter von Anfang an dabei: „radioeins“ vom rbb, später kam  noch „Der Hörverlag“ dazu und seit 2011 auch das „kulturradio“ vom rbb.
Was keiner voraussehen konnte: Die Veranstaltungsreihe war nach kurzer Zeit so erfolgreich, dass sie den beiden Planetarien  mit ihren jeweils um die 300 Plätzen stetig ausverkaufte Häuser bescherte. Hörspielhören als Freizeitereignis mit Kultstatus! Auch nach über zwanzig Jahren nun kann man dieses wundersame Phänomen beobachten.

Wer beispielsweise im vergangenen Herbst dem nun wieder neu eröffneten Zeiss-Großplanetarium am Prenzlauer Berg einen Besuch abstattete und dabei die langen Schlangen an  den Kassen und die erbitterten die Kämpfe um evt. noch vorhandene Restkarten miterlebte, staunte nicht schlecht. Denn nein, hier wurde nicht zu einer Filmpremiere angestanden, sondern schlicht zur Präsentation eines Hörspiels, in diesem Fall von „Schöne neue Welt“ nach Aldous Huxley. Und um das Wunder noch zu vervollständigen: Die Menschen, die hier in Massen ins Foyer strömten, konnte man nicht anders als  jugendlich nennen - also in der Hauptsache zwischen zwanzig und dreißig, höchsten vierzig  Jahren. „Gemeinsam Hörspielhören ist wieder groß in Mode“ betitelte „Der Tagesspiegel“ dieses Phänomen und -  möchte man hinzufügen - nirgendwo kann man dies so angenehm tun wie im „Hörspielkino unterm Sternenhimmel“.

Anfang der 1980er Jahre schien das Genre tot, höchstens für ein erlesenes Nischenpublikum noch tauglich. Doch inzwischen hat das Hörspiel eine überraschende Renaissance erlebt, die auch an anderer Stelle zu beobachten ist. Die Abrufzahlen für Hörspiele in den Mediatheken sind sehr hoch, der Radiotatort steht seit Jahren auf den Spitzenplätzen bei I-Tunes,  Live-Hörspiele wie Bastian Pastewka's „Paul Temple“ oder „Hollywood on Air“ füllen die Säale und auch die ARD-Hörspieltage in Karlsruhe erleben alljährlich einen großen Besucheransturm . Wie diese faszinierende Trendwende zu erklären ist? Die Gründe sind natürlich vielfältig, aber sicher ist ein Faktor, dass angesichts des Overkills optischer Reize, denen man durch Film, Fernsehen, Handy und Internet beständig ausgesetzt ist, bei vielen Menschen eine Art der visuellen Sättigung eingetreten ist. Und schließlich ist es die Generation der heute 30- bis 40-jährigen (sic!),  die bereits komplett akustisch sozialisiert wurde – nämlich mit Hörspielkassetten und CDs (sic!). Und auf das, was einem seit frühester Jugend und Kindheit vertraut ist, greift man bekanntlich als Erwachsener besonders gern zurück.

Wie auch immer: Im März erwarten wir im Rahmen des „Hörspielkino unterm Sternenhimmel“ unseren 250.000-ten Besucher. Wie Christoph Schlingensief seinerzeit bei der Verleihung des „Hörspielpreis der Kriegsblinden“ schon sagte: „Hoch lebe das Hörspiel! Nein! Es lebt: das Hörspiel!“

Regine Ahrem