6.10.2017 - 15.01.2018

Jeanne Mammen

Die Beobachterin

Jeanne Mammen
Jeanne Mammen, o.T. (Selbstbildnis) © VG Bild-Kunst, Bonn 2017. Foto: © Mathias Schormann | © Jeanne Mammen

„Eigentlich habe ich mir immer nur gewünscht: nur ein Paar Augen sein, ungesehen durch die Welt gehen, nur die anderen sehen.“ erinnert sich die Zeichnerin und Malerin Jeanne Mammen im hohen Alter. Die gebürtige Berlinerin verlieh auf Ihre eigene Weise den zwanziger Jahren ein unverwechselbares Gesicht. Zwei Kriege, Leid, Zerstörung und Armut zeichnen die Werke der Künstlerin. Für Jeanne Mammen sind zertrümmerte Formen die einzige Art zu malen in dieser Zeit. Als stille und scharfsinnige Einzelgängerin, streift sie unauffällig im Regenmantel durch Bars und Lokalitäten. Sie beobachtet das frivole Nachtleben, die Abgründe der Stadt, auch vor Figuren am Rande der Gesellschaft scheut sie sich nicht. Sie malt im Verborgenen, versteckt in ihrem Atelier, malt was andere als „entartet“ empfinden.

Ihre zahlreichen Handzeichnungen fanden die größte Beachtung. Ihre erste Ausstellung in der Galerie Gurlitt 1930 erntete Beifall in der Berliner Kunstszene. Jeanne Mammen schaut dahin, wo Beziehungen schwierig sind, Gesichter wirken entgleist, ein katzenhafter Blick sagt: stör mich nicht. Mit diesen Bildern hat sie Erfolg, sie gestaltet Titelseiten von illustrierten Zeitschriften. Doch mit dem Krieg und der Machtübernahme der Nationalsozialisten wird auch ihrer Karriere ein rasches Ende gesetzt. Der Zeitschriftenmarkt bricht zusammen, Jeanne Mammen verliert ihre Lebensgrundlage. Sie lebt und malt fortan in ihrer kleinen Wohnung am Kurfürstendamm. Zwei Zimmer, ein Balkon, keine Küche, kein Bad, lediglich eine Toilette im Treppenhaus. Bis zu ihrem Lebensende soll es ihr Zuhause bleiben. Zwölf Jahre lang übt Jeanne Mammen ihre Wiederstandskunst im Geheimen aus.

Am 6. Oktober vollendet sie ihr letztes Bild „Verheißung eines Winters“. Wenige Monate darauf stirbt sie im Alter von 75 Jahren.

Jeanne Mammens Schaffen ist einer breiten Öffentlichkeit bisher wenig bekannt. Ihre Verschlossenheit, das Fehlen von Tagebüchern, ausführlicherer Korrespondenzen oder Lebenspartnern erschweren einen leichten Zugang. Die Berlinischen Galerie widmet Mammen deshalb eine umfangreiche Retrospektive mit 170 Arbeiten aus über 60 Schaffensjahren. Den Schwerpunkt bilden rund 50 Gemälde.

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft von Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin.
 

Öffnungszeiten:
Mittwoch-Montag 10:00 - 18:00 Uhr
Dienstags geschlossen.

Eintrittspreise:
Tageskarte 10 Euro
Ermäßigt 7 Euro (gilt auch für Gruppen ab 10 Personen)
Jeden ersten Montag im Monat 6 Euro
Freier Eintritt bis 18 Jahre

Veranstaltungsort:
Berlinische Galerie
Alte Jakobstraße 124 - 128
10969 Berlin - Kreuzberg
Erreichbarkeit: U1 Hallesches Tor
U2 Spittelmarkt
U6 Kochstr. /Hallesches Tor
U8 Moritzplatz
Bus: 265, M29, M41

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