radioeins Session am 15.11.2017

Schnipo Schranke

Schnipo Schranke
Schnipo Schranke | © Studio Wong

Daniela und Fritzi haben im Studio Wong in Kreuzberg für uns Songs live eingespielt. Im Interview mit den beiden Frauen gehts um Harry Potter, deutschsprachigen Hip Hop, und dass sie die Band Pulp neulich für sich entdeckt haben.

Fäkalsprache und ekelhafte Details aus dem Sexualleben. Allzugern wurden Schnipo Schranke hierauf reduziert. Für eine derbe Sprache, die im Hip Hop Gang und Gäbe sein mag, mussten sich die jungen Frauen immer wieder rechtfertigen. Doch die feministischen Deutungsmuster, die an sie herangetragen wurden, nahmen Daniela Reis und Fritzi Ernst nur halbherzig an. Immerhin sei diese Sprache längst alltäglich und das Transponieren maskuliner Sprachbilder sei nicht automatisch Feministisch. Oder vielleicht doch?

Intimitäten aus dem Bereich der Körperhygiene waren bislang ein Spektakel, auf das sich eine Presse stürzte, die sich nur zu gern in Feuchtgebieten suhlt. Privater jedoch sind die Einblicke, die sie auf Ihrem neuen Album gewähren. Denn hier geht es wirklich ans Eingemachte! Psychische Abgründe tun sich auf; Entfremdung, Depression, Selbstmord und Psychopharmaka. Die Musik ist dementsprechend auch ein Stück Selbsttherapie.

Confessional Art, die Kunst des Bekenntnisses hielt längst Einzug in den kulturellen Mainstream. Das Demonstrieren von Intimität und pikanten Details unterhalb der Gürtellinie ist derweil zum Imperativ geworden, der heute vor allem die sozialen Medien nährt. Vor einem Terror der Intimität warnte bereits in den 70ern der Soziologe Richard Sennett. Das ist vielleicht die Ausgangslage für Songs wie „Stars“, den sie im Video vor einem Zerrspiegel singen. Die Öffentlichkeit des Privaten ist aber kein vorauseilender Gehorsam im Überbietungswettbewerb der Peinlichkeit. Vielmehr muss man die Texte von Schnipo Schranke als Behauptung, wenn nicht als Überlebensstrategie sehen in einer vom Narzissmus und vom Zwang zur positiven Selbstdarstellung geprägten Welt. Bei Schnipo Schranke ist das kein intellektueller Akt, kein Diskursgewitter, sondern Reality Check. Zeige Deine Wunden scheint das Prinzip.



Music with attitude

Swagga!

Swagga
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