Das Dichter Denkmal vom 27.11.2011
Eine Freundin erzählt ihm vom Schicksal einer gemeinsamen Bekannten: dem Dichter Theodor Fontane. Auf Drängen ihrer Eltern hatte die junge Frau einen drögen Adligen geheiratet, und sich daraufhin in eine Affäre gestürzt. Jahre nach der Affäre kam ihrem lustlosen Gatten ein alter, geheimer Liebesbrief in die Finger – der sein Feuer dann doch noch entfachte: bei einem Duell am 27.November 1886 auf der Hasenheide bei Berlin, erschoss er seinen früheren Konkurrenten. Die junge Frau wird von allen Seiten verstoßen. Sie verliert ihren Mann, das Verständnis ihrer Eltern, und die Liebe der eigenen Tochter. Fontane ist gerührt von der Geschichte. Und macht daraus Weltliteratur. Sein Buch über „Effi Briest“, die mit nur 29 Jahren an „gebrochenem Herzen“ stirbt, ist einer der ersten deutschen Gesellschaftsromane.
Ob auch ihre Geschichte wahr ist, weiß man nicht. Anfang des 20. Jahrhunderts erscheint in Wien der Roman: „Josefine Mutzenbacher. Die Geschichte einer wienerischen Dirne, von ihr selbst erzählt“. Ein Werk, voller Sex und Pornographie – das in den 60ern als jugendgefährdend auf den Index kommt. Zwanzig Jahre später will der Rowohlt Verlag das Buch unzensiert drucken – schließlich ginge es um Kunst! Das stimmt… sagt das Bundesverfassungsgericht. Am 27. November 1990 legt es in der sogenannten „Mutzenbacher-Entscheidung“ erstmals fest, dass auch Pornographie Kunst sein kann. Ob die mutmaßliche Dichterin Josefine Mutzenbacher wirklich existierte, ist bis heute nicht erwiesen.
Seine Lebensgeschichte ist nicht erfunden. Nach einer rastlosen Kindheit als Anhängsel seiner Künstler-Eltern, und abenteuerlichen Jahren als Goldschürfer, Matrose und Schauspieler, macht ein körperlicher Zusammenbruch Eugene O´Neill zum Dichter. Im Sanatorium stellt er fest: schon mit 23 hat er genug erlebt, um den Rest seines Lebens darüber zu schreiben! Nach seiner Entlassung veröffentlicht O´Neill wie ein Besessener. Und bekommt schon mit Ende 20 seinen ersten Pulitzer-Preis. Im Laufe der Jahre folgen nicht nur drei weitere, sondern 1936 auch der Nobelpreis für Literatur. Zur Ruhe kommt der Dichter zeitlebens nie. Am 27. November 1953 stirbt er in einem Bostoner Hotel an Tuberkulose. „Born in a hotel-room and God-damned, died in a hotel-room“, sollen seine letzten Worte gewesen sein.
Er soll gesagt haben, Literatur sei nur was für die „bildungseitle Oberschicht“. Dabei schreibt Mike Skinner alias „The Streets“ selbst astreine Pop-Prosa. Spätestens seit seinem 2002er Album „A Grand Don´t Come For Free“ ist klar, dass seine HipHop-Songs es aufnehmen können, mit Stuckradbarre und Co.. Auch der Brite erzählt vom Leben, so simpel, wie es manchmal eben ist: Sozialhilfe, leere Handy-Akkus, enttäuschende McDonalds-Menüs, triumphale Momente, in denen der Türsteher die bunten Pillen in der Socke übersieht, und Liebesbeziehungen, bei denen man selbst das Trennungsgespräch verpennt. Heute ist Mike Skinner hoffentlich wach. Denn es ist sein 33. Geburtstag. SeiteEINS gratuliert!