Die Musikanalyse

Kein Liebeslied von Tom Schilling and The Jazz Kids

Musik verstehen mit Prof. Dr. Hartmut Fladt

Fladt ist Musikwissenschaftler und Komponist. In Gerichtsverfahren wird er ob seiner bestialischen Intelligenz oft als Gutachter herangezogen. Bei radioeins analysiert er jeden Montag einen Song und erklärt, warum er so funktioniert, wie er funktioniert.

Tom Schilling & The Jazz Kids (Quelle: Selective Artists) © Stefan Klüter
Tom Schilling & The Jazz Kids (Quelle: Selective Artists) © Stefan Klüter | © Quelle: Selective Artists © Stefan Klüter

Eigentlich gibt es ja schon viel zu viele singende Schauspieler, findet Tom Schilling, aber wenn man den Drang hat Songs zu schreiben, dann sollte man damit auch etwas tun. Bei den Dreharbeiten zu "Oh Boy" lernte Tom Schilling die beiden Filmmusiker Chris Colaco und Phillip Schaeper kennen und als noch ein paar Musiker hinzustießen, waren The Jazz Kids geboren. Der Bandname führt in die Irre, denn Tom Schilling und seine Band spielen weder klassischen Jazz, noch sind sie Kids. Aber ihr warmer, akustischer Ansatz passt wunderbar zu den melancholisch, poetischen Texten von Tom Schilling.

Auftritte waren an sich nicht geplant, aber dann nahm Tom Schilling die Einladung von Calexico an, bei ihrem Konzert 2015 in Berlin als geheime Vorband aufzutreten. Diese Erfahrung macht süchtig und 2016 unterstützten Tom Schilling und Band die Berliner Urgesteine Element Of Crime auf deren Tour. Eine stimmige Verbindung, denn sowohl was die Texte, als auch die Musik angeht, lieben die beiden Bands auf einer Wellenlinie. 2016 fand Tom Schilling endlich die Zeit, neben seinen Filmprojekten, auch an dem Debüt der Band zu arbeiteten. "Vilnius" ist Ende April erschienen.

Am 12. Mai 2017 spielen Tom Schilling & The Jazz Kids im ausverkauften Berliner Columbia Theater - präsentiert von radioeins - und 6. Juni 2017 im radioeins Loungekonzert. Unser Musikprofessor Hartmut Fladt analysiert aus diesem Grund ihren Song "Kein Liebeslied".

Quelle: Selective Artists © Stefan Klüter


Fladts Fazit:


Die bescheidenen Gesangs-Künste haben immerhin den Vorteil, dass man die bösen Gemeinheiten des Textes sehr gut versteht. Bescheiden auch die musikalischen Mittel: nicht Jazz, nicht Brecht/Weill/Eisler; normalste Pop-Song-Form mit einem hauch Chanson und vom langsamen Blues inspirierten "ternären" Drei-Achtel-Gruppen. Aber: das professionelle Producing bringt dann doch noch Abwechslung in den Song.

Der Beitrag ist noch bis zum 08.05.2018 00:00:00 verfügbar.