Mo 18.09. 19:40

Die Musikanalyse

Fille à Papa von Camille

Musik verstehen mit Prof. Dr. Hartmut Fladt

Fladt ist Musikwissenschaftler und Komponist. In Gerichtsverfahren wird er ob seiner bestialischen Intelligenz oft als Gutachter herangezogen. Bei radioeins analysiert er jeden Montag einen Song und erklärt, warum er so funktioniert, wie er funktioniert.

Camille
Camille | © Patrick Messina

Stimmlich übernimmt Camille die Rolle des Papa-Mädchens, der Vater-Tochter reicher Eltern, und das "fille à papa" wird in 100 Varianten gesungen, von drei Background-Chorstimmen durchwoben.

Aber die "coolen" Latin-Rhythmen mit den sparsamen Keyboard und dem Schlagzeug sind gleichzeitig raffiniert in ihrem 7/4-Takt. Chanson, Latin-Jazz und Pop ergeben eine sehr gut gemachte Darstellung einer äußerst künstlichen Kindlichkeit – auch von Frauen.

Patrick Messina

   

Prof. Hartmut Fladts Fazit:

Stimmlich übernimmt Camille die Rolle des "Papa-Mädchens" - es ist ein gehauchtes kleines Mädchen. "Fille à Papa" wird in 100 Varianten gesungen - immer wieder "Fille à Papa", "Fille à Papa". Da könnte nerven, aber es ist so weich in den Varianten, dass es nicht nervt und selbstverständlich eine Aussage ist. Die drei Backround-Chorstimmen durchweben das. Bildlich gesprochen ist es ein Webgeflecht von Tönen. Dann gibt es diese Coolness der Latin-Rhythmen mit dem sehr sparsamen Keyboard und dem Schlagzeug. Diese Coolness ist auch gleichzeitig raffiniert durch diese Taktverschiebung und den Siebenviertel-Takt. Den kennt man beispielsweise von "All you need is love" von den Beatles. Damit mischt sich Chansons, Latin, Bossanova und Pop - das ergänzt sich zu einer gut gemachten Darstellung dieser künstlichen Kindlichkeit einer "Papa-Tochter".

Der Beitrag ist noch bis zum 18.09.2018 00:00:00 verfügbar.