Di 14.11. 16:39

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Rekord für Peter Maffay

Mit seinem „MTV Unplugged“-Album hat sich Peter Maffay in dieser Woche direkt an die Spitze der deutschen Charts gesetzt.

Peter Maffay © imago/localpic
Peter Maffay | © imago/localpic

Es ist die achtzehnte Nummer-eins-Platte in der Karriere des Rockstars. Das ist bis jetzt keinem einzigen Musiker gelungen, teilte GfK Entertainment mit.

Was sagt uns das über unser Land? Ein Kommentar von dem Kulturjournalisten Jens Balzer...

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Ich würde sagen: Das Land scheint mit sich selbst ganz zufrieden zu sein oder zumindest mit seiner Musik. Unabhängig davon, was man von Peter Maffay hält oder von seinem Unplugged-Album – das musikalisch übrigens gar nicht so schlecht ist, mein Wort drauf – kann man erstmal feststellen: Deutsche hören heute am liebsten deutsche Musik, oder allgemeiner: Musik aus Deutschland.

Peter Maffay hat jetzt nicht nur die meisten Nummer-eins-Platten in der deutschen Geschichte, er hat damit eben auch mehr Nummer-eins-Platten als Depeche Mode und die Rolling Stones – die beiden erfolgreichsten internationalen Gruppen in Deutschland. Die befinden sich abgeschlagen auf Platz 3 – erstmal kommt auf Platz 2 in der Nummer-eins-Liste mit 13 Titeln nämlich noch James Last. Und jetzt raten Sie, wie es weitergeht, auf Platz 4? Na? Genau: mit den Amigos! Die Gebrüder Bernd und Karl-Heinz Ulrich aus Mittelhessen haben mit ihrem aktuellen Album-Smasher „Zauberland“ gerade zum achten Mal die Nummer 1 errungen und damit ausländische Underground-, Avantgarde- und Indierock-Künstler wie Michael Jackson und U2 deklassiert.

Also, erstens: Die Zeiten, in denen Popmusik in Deutschland nur erfolgreich war, wenn sie aus englischsprachigen Ländern kam, sind vorbei. Peter Maffay kann sich besonders darüber freuen dass er an den Rolling Stones vorbeigezogen ist: Als er mit seiner Band 1982 als Vorgruppe der Stones auftrat, wurde er ausgebuht und außerdem, wie er mal in einem Interview sagte, mit „Obst und Gemüse“ beworfen, also offenbar nicht nur mit Tomaten, sondern auch mit Karotten und Rote Beete. Die Abneigung rührte wesentlich daher, dass Maffay in den Siebzigerjahren ja mal als Schlagersänger angefangen hatte – ich möchte an das Lied „Und es war Sommer“ erinnern, in dem es um pädophilen Sex einer reifen Frau mit einem minderjährigen Jungen geht. Und sowas verziehen Rockfans damals nicht - also nicht das mit dem pädophilen Sex, sondern die Vergangenheit als Schlagermacher.

Das ist heute ganz anders, damit sind wir bei Lektion Nummer 2: Peter Maffay zeigt, dass die Leute keinerlei Geschmacksgrenzen mehr kennen, er steht bis heute zu seinem Oeuvre als Schlagermacher und auch zu seinen Tabaluga-Kinder-Musicals mit dem großen grünen Drachen, ohne dass irgendein Rockmusik-Fan ihm das übelnehmen würde. Auf dem aktuellen „MTV Unplugged“-Album gibt es sein ganzes Repertoire zu hören, von „Du“ über das apokalyptische New-Wave-Stück „Eiszeit“ über Tabaluga bis neueren Rocksongs wie „Ewig“.

Was zeigt: dass das Publikum heute am liebsten Popmusiker hört, die stilistisch nicht zugespitzt oder kontrovers sind, sondern möglichst viele verschiedene Stile vereinen, das ist bei Peter Maffay nicht anders als bei Helene Fischer.

Wobei Maffay sich, anders als Fischer, aber auch immer wieder politisch positioniert hat, oder?


Beide sind ja Deutsche mit Migrationshintergrund, das sollte sie erstmal gegen den Blödsinn von Pegida und AfD immunisieren. Fischer hält sich mit politischen Positionierungen bekanntlich zurück. Maffay ist schon bei Rock-gegen-rechts-Festivals aufgetreten und unterstützt die antirassistische Amadeu-Antonio-Stiftung, und 1993 hat er zum Beispiel auch noch seine Teilnahme an einem Festival abgesagt, weil dort die Böhsen Onkelz auftraten. Mit denen hat er sich inzwischen vertragen, der Onkelz-Bassist Stephan Weidner hat ihm ein Liebeslied geschrieben, und der ehemalige Pressesprecher der Onkelz, Edmund Bartsch, hat die Maffay-Biografie verfasst.

Und dass die MTV-Unplugged-Platte jetzt in Halle an der Saale aufgenommen wurde, liegt wohl auch weniger daran, dass die Stadt heute ein Zentrum der neuen Rechten im Osten ist und Maffay dagegen ein Zeichen setzen wollte, sondern dass die neue 29jährige Freundin von Peter Maffay aus Halle an der Saale kommt.

Von links bis rechts, von hart bis zart ist bei ihm also alles vereint, und die Frauen an seiner Seite werden niemals älter als 29: So wie Peter Maffay möchte doch im Grunde jeder deutsche Mann sein, und das heißt, wenn Sie fragen, was sein Erfolg über unser Land sagt, dann würde ich einfach mal antworten: alles.