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Mainzer Büttenredner mit Hassmails und Massenfaxen unter Druck gesetzt

Keine Panik – trotz einiger Plakate und der Behauptung, in Berlin gäbe es am Montag einen „Rosenmontagszug“, bleibt diese Stadt – oder doch zumindest deren Bewohner über 10 - auch in diesem Jahr weitgehend karnevalsfrei. In anderen Städten wird das anders gehandhabt. Köln steht zum Beispiel seit heute still, und aus Mainz wird morgen wieder die Fastnachtssitzung „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ ausgestrahlt, die man vor allem vom Wegzappen kennt.

Generalprobe zur Fernsehsendung "Mainz bleibt Mainz" © dpa/Andreas Arnold
Generalprobe zur Fernsehsendung "Mainz bleibt Mainz" © dpa

Dieses Mal hatten die Büttenredner und Rednerinnen allerdings im Vorfeld mit Anschuldigungen ganz anderer Art zu kämpfen: Noch nie hat er so viele Hassmails bekommen, sagt z.B. der Kabarettist Lars Reichow. Einige der Absender hätten sich als AfD-Anhänger geoutet und ihm vorgeworfen, sich über die Rechtspopulisten lustig zu machen. "Sie sind Staats-Kabarettist, von Merkel bezahlt", sei geschrieben worden. Er sei, so heiße es in den Zuschriften, für den "Untergang Deutschlands" mitverantwortlich.

AfD-Parteigänger gegen Karneval, das lässt uns ratlos zurück: Was tun? Ein Kommentar von der Kulturjournalistin Jenni Zylka.


Na, deswegen gleich Karnevalskappe auf, Narhallamarsch an und ab in die Prunksitzung geht jedenfalls auch nicht, das dürfte jawohl klar sein. Man muss sich auch mal auf der Zunge zergehen lassen, was da passiert: Es gibt also anscheinend AfD-Anhänger, die finden diese bräsigen, immer auf den größten gesellschaftlichen Konsens schielenden, niemand wirklich weh tuenden Büttenreden, deren Wirtschaftswunderhumor meistens eh gnädig vom Meenzerisch oder Kölsch verdeckt wird, die finden also diese Art von Anti-Satire zu politisch und fühlen sich davon angegriffen.

Die denken, diese moppeligen Onkel Ernies und Tante Friedas im Publikum, die man morgen wieder im Öffentlich-Rechtlichen sehen kann, wie sie da vom Schnäpperken beseelt vor sich hin grinsen und im Marschtakt klatschen, wenn der Tusch kommt, dass die durch rechtspopulistenfeindliche Büttenreden aufgestachelt, ihr linkes Herz entdecken und nochmal drüber nachdenken, ob der Mann mit der Narrenkappe da vorne nicht doch recht hat. Das ist doch geradezu irre.

„Staatskabarettist“ im Dienste von SPD und CDU


Diesem Lars Reichow, von dem schon die Rede war, wurde übrigens auch vorgeworfen, ein „Staatskabarettist“ zu sein, im Dienste von SPD und CDU zu stehen, gar von Frau Merkel finanziert zu werden – also gibt es jetzt zusätzlich zur Lügenpresse auch noch die Lügenbütt? Und das Lügendreigestirn? Wo doch selbst AfD-Anhängern eigentlich klar sein müsste, woher dieser Brauch kommt, nämlich aus der Tradition der Hofnarren, die als einzige die Herrschenden kritisieren durften.

Mich wundert auch eher, dass die AfD nicht mit Flugblättern vor der „Lachenden Kölnarena“ steht, um sie den angeschickerten Närrinnen und Narren beim Rausstolpern in die Hand zu drücken, so nach dem Motto: Regst du dich auch gern in Gesellschaft von medioker jungen Menschen tüchtig über „die da oben“ auf? Dann komm doch mal zu unserem Tag der offenen Tür...

Außerdem müssten die AfD und ihre Anhänger doch froh sein, dass man sich über sie lustig macht – das ist ja ein Zeichen dafür, dass sie tatsächlich von Menschen ernstgenommen werden. Beziehungsweise: In Mainz widmet ein Karnevalszugleiter der Partei einen ganzen Motivwagen, der heißt „Wut-Zwergenaufstand“ und darauf halten Wut-Zwerge Schilder hoch, auf denen steht dann zum Beispiel „Gegen fremde Blumen in meinem Garten“ oder „Das Beet ist voll“. Da kann ich nur sagen: Wut-Bürger zu Wut-Zwergen! Da lauf ich dann auch gern mit und stecke die Kamellen ein!

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