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Getrennte öffentliche Orte für Männer und Frauen

Mädchen und Jungen wachsen bei uns bekanntlich gemeinsam auf, werden gemeinsam unterrichtet, und sind irgendwann erwachsene Frauen und Männer, die mehr oder weniger unproblematisch zusammen leben, zusammen um die Häuser ziehen und zusammen ins Schwimmbad gehen.

Toilette mit getrennten Eingängen für Damen und Herren © imago/Priller&Maug
Toilette mit getrennten Eingängen für Damen und Herren © imago/Priller&Maug

Weil das aber in vielen Fällen anscheinend doch nicht so unproblematisch ist, mit den Geschlechtern, vor allem im öffentlichen Raum, wollen viele Musikfestivals jetzt, passend zur Sommerfestivalsaison, sogenannte "Safe Spaces" einrichten. Das sind Bereiche, zu denen Männer keinen Zutritt haben, die nur für Frauen oder sexuelle Minderheiten zugänglich sind. Ein Freibad in Freiburg hat das übrigens schon vorgemacht. Dort dürfen nur Frauen schwimmen gehen.

Brauchen wir getrennte öffentliche Orte für Männer und Frauen? Ein Kommentar von der Kulturjournalistin Jenni Zylka.


Also erst mal: Safe spaces rule! Ich will mich auf jeden Fall als Frau, oder als queere Person, Transgender und alles dazwischen und gemischt unbehelligt von ungewollten Anmachen, Grabschern oder blöden Sprüchen durch die Gegend bewegen können, selbstverständlich auch unabhängig davon, was ich anhabe, wie klein der Itsy Bitsy Bikini ist, in welchem Gemütszustand und Alkoholpegel ich gerade das Leben genieße, und wen ich im Arm habe. Allerdings brauche ich diese safe spaces nicht auf einem Musikfestival, und ich brauche auch kein Schwimmbad zu dem Männer kein Zutritt haben, und wo es dann ein Riesenaufschrei gibt, wenn ein männlicher Bademeister dort eingestellt wird, wie gerade in Freiburg geschehen.

Sondern natürlich sollten alle Spaces in unserer Gesellschaft safe für Frauen sein. Ich will einfach nicht glauben, dass man sämtliche Männer verbannen muss, weil sie potentiell alle Grabscher, Anmacher, Arschlöcher sind – ich weiß ja zum Beispiel auch, dass 99 Prozent aller Gewalttaten auf der Welt von Männern begangen werden, man muss sich nur mal die letzten paar Wochen vor Augen führen, aber denke ich darum, dass alle Männer im Umkehrschluss Gewalttäter sind? Natürlich nicht.

Wenn ich glaube, dass Frauen nur in männerfreien Zonen sicher vor bösem Machogehabe sind, dann stigmatisiere ich damit alle Männer zu potentiellen Tätern, und außerdem hieße das, dass die tatsächlichen Arschlöcher, Grabscher, Anbaggerer auf dem Rest des unsafen Geländes ungehindert Baggern, weil sie sagen: Na ja Kleine, hast es ja nicht anders gewollt, geh doch in deine Zone. Das hier ist der Bereich in dem man sich echt Scheiße benehmen darf. Und die vielen Männer, die meine Freunde sind, mit denen ich gern auf Festivals oder ins Schwimmbad gehe, die leiden ja auch darunter, von idiotischen Sexisten umringt zu sein. Obwohl sie nur mit mir zusammen moshen wollten.

Natürlich ist mir klar, dass diese Idee mit den Sicherheitszonen und dem Frauenschwimmbad nicht von ungefähr kommt sondern aus Erfahrungen und  Nöten resultiert, ich bin selbst mal erstaunlicherweise bei nem Melvins-Gig auf einem Festival an einen so genannten Frottierer geraten, und ich meine damit nicht dass der n Handtuch dabei hatte. Also ich weiß, dass die Welt sich nicht ändert, nur weil ich so tue, als ob das alles kein Problem sei. Aber ich glaube dennoch nicht, dass sie sich ändert, wenn man Männer und Frauen oder LGBT*-Pesronen separiert und damit die Unterschiede und die Angst vor männlicher Gewalt manifestiert, so wie das viele Religionen übrigens tun, in denen die Geschlechter nicht gemeinsam beten dürfen, weil die Frauen sich dann nicht safe fühlen - ich glaube das ist der falsche Ansatz.

Was ist denn der richtige Ansatz?


Bei Festivals würde ich die Verantwortung schon auch in die Hände der Veranstalter legen und sagen: hier herrscht eine anti harassment policy, verdonnere jede Band, auch Obermacker wie Bushido oder Snoop Dogg dazu, genau das vor ihren Auftritten anzusagen, schmeiß die Leute sofort raus, wenn was passiert, sorge dafür dass genug Konfliktlotsen auf dem Gelände sind. Das einzige was man weiterhin gern trennen darf, sind die Toiletten. Jedenfalls solange Männer nicht wissen wie man sie ordentlich hinterlässt.