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Rechte Verlage auf der Frankfurter Buchmesse

Seit gestern werden in Frankfurt wieder tonnenweise Bücher gestapelt. Das laut Eigenaussage „größte Event der Publishing-Welt“, die Frankfurter Buchmesse, öffnet bis zum Sonntag Branche, Fachpublikum und Leseratten die Tore - in diesem Jahr anscheinend aber auch rechten Verlagen.

Vertreter des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels demonstrierten auf der Buchmesse gegen Rassismus vor den Messeständen rechter Verlage © dpa/Boris Roessler
Vertreter des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels demonstrierten auf der Buchmesse gegen Rassismus vor den Messeständen rechter Verlage | © dpa

Einige rechte Verlage, und damit mehr als sonst, sollen vertreten sein, so ging es jedenfalls durch die Presse. Die Frankfurter Rundschau warnte vor einem „Schaulaufen der Rechten“, und der Frankfurter Oberbürgermeister kritisierte die Entscheidung des Börsenvereins, diese Verlage einzuladen. Es gab gestern bereits Proteste auf der Messe, und die „Bildungsstätte Anne Frank“, die schräg gegenüber dem rechten Verlag Antaios ihren Stand hat, rief mit Fotos und Buttons zu einer toleranten Gesellschaft auf. Aber: Muss man als tolerante Gesellschaft nicht auch solche Verlage tolerieren?

Ist es richtig, Verlage mit rechtspopulistischen oder neurechten Publikationen in die wichtigste Buchmesse zu integrieren? Ein Kommentar von der Kulturjournalistin Jenni Zylka.


Das ist tatsächlich für mich ein Dilemma, das ich aber auch bei den meisten Kollegen und Kolleginnen wiederfinde, und das ich auch schon aus anderen Situationen kenne, wenn es um den Umgang mit Rechten geht.

Emotional würde ich sagen: Wenn ein Verlag sich dort breitmacht, der von Götz Kubitschek gegründet wurde, wir erinnern uns, der Publizist unterstützt die Identitäre Bewegung, vertritt völkische Positionen und verzapfte neben Geert Wilders auf Pegida-Demonstrationen islam- und fremdenfeindliche Verleumdungen, und wenn auch die Rede von Akif Pirincci ist, das ist der deutschtürkische Autor, der in seinen Büchern gegen Frauen und Schwule und Migranten hetzt, dann fällt es mir enorm schwer, diese Verlage herzlich zu begrüßen und ihnen eifrig die Standnummer durchzugeben. Denn solche Ansichten gehen mir so sehr gegen den Strich, dass mir ganz kalt wird vor Sorge, und ich Angst bekomme davor, wohin sich unsere Gesellschaft anscheinend hinbewegt.

Und ich denke mir außerdem: Wieso sollen diese Ideen noch mehr Hirne verbrennen, und mache ich jetzt nicht genau das, indem ich im Radio Namen nenne und damit öffentliche Plattformen ermögliche?


Aber, und das ist jetzt genauso wichtig: Den Kopf in den Sand zu stecken und zu zittern, und einfach zu ignorieren, dass es diese Positionen gibt, das bringt nichts glaube ich. Den Dialog mit der Begründung zu verweigern, was ich nicht haben will, das existiert auch nicht für mich, das ist ein grundfalscher und undemokratischer Ansatz. Zudem muss man sich mal die Relationen ins Gedächtnis rufen, und vielleicht kann man dann auch ein kleines bisschen entspannen: Über 7200 Verlage stellen aus, davon gelten nicht mal fünf als rechtspopulistisch, nationalkonservativ oder was es sonst noch so an für mich manchmal überflüssigen Abstufungen gibt.

Esoterische Verlage sind übrigens viel viel stärker vertreten, das nur mal nebenbei von mir alten Esoterikfeindin.

Der Börsenverein, der die Buchmesse veranstaltet, hat laut Pressesprecherin im Vorfeld übrigens tatsächlich zwei neu erscheinende Bücher auf mögliche Verfassungsfeindlichkeit prüfen lassen, und diesen „Tatbestand nicht erfüllt“ gefunden – und das soll jetzt extra trocken juristisch klingen, denn es geht hier, zumindest bei der Frage „Wer darf ausstellen?“ erst mal nicht um Gefühle, sondern um Demokratie.

Der Direktor der Buchmesse sagte: „Für uns ist das Grundgesetz der Maßstab“, und wir haben ja alle schon gesehen, wie schwer es komischerweise manchmal ist, herauszuklamüsern was noch unter das Gesetz fällt, und was Volksverhetzung ist. Aber so ist das mit Auslegung und grenzwertigen Aussagen.

Und ich finde ganz bestimmt nicht, dass eine Demokratie ALLE Meinungen aushalten muss, aber alle, die nicht die Menschenwürde verletzen und die nicht auf Lügen basieren. Und damit im Kopf sollte man auch auf der Buchmesse vor den einschlägigen Ständen gegen rechte Gesinnungen und Rassismus protestieren und hoffen, dass diese Proteste helfen, den Rechten klarzumachen, dass sie sowohl in der Minderheit als auch auf dem Holzweg sind.