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MedienmagazinRoj TV über Intelsat, Press TV, Weißrußland, Algerien, Sudan

Radio-News

29. Januar 2012

Roj TV über Intelsat, Press TV, Weißrußland, Algerien, Sudan

Nahostbeam des Intelsat 10-02

Roj TV jetzt über US-amerikanischen Satelliten


Das Fernsehprogramm der kurdischen Produktionsfirma Roj NV wird seit dem 23.01.2012 nicht mehr über den Satelliten Eurobird 9A ausgestrahlt.

Stattdessen sendet Roj TV nach eigenen Angaben seit dem 26.01.2012, 17.55 Uhr unspezifizierter Zeitzone, über den US-amerikanischen Intelsat 10-02 (0,8° West), und zwar auf 11,092 GHz horizontal. Hierbei handelt es sich um einen Multiplex des öffentlich-rechtlichen Rundfunks von Griechenland. Er läuft über eine Ausleuchtzone, die den Nahen Osten mit hohem Pegel erreicht. In Europa endet der offizielle Versorgungsbereich jedoch über der Ukraine, Rumänien und Kroatien (Graphik).

Veranlasser der Abschaltung auf Eurobird 9A war dessen Betreiber Eutelsat, den die Journalistenorganisation „Reporter ohne Grenzen“ hierfür scharf kritisiert. In einer Mitteilung der Pariser Zentrale heißt es, „von China bis zum Iran und Saudi-Arabien“ habe Eutelsat bereits „fehlende Wertschätzung für die Informationsfreiheit“ gezeigt. Jetzt helfe der Betreiber „bei der Propagierung einer antiterroristischen Rhetorik“, wie sie repressiven Regimen als Rechtfertigung für Eingriffe in die Pressefreiheit diene.

Bei der Abschaltung orientierte sich der Sendedienstleister Belgium Satellite Services eng an der Aufforderung durch Eutelsat und entfernte nur das Fernsehprogramm, nicht aber das anderweitig lizenzierte, jedoch ebenfalls in den Studios von Roj NV produzierte Hörfunkprogramm Dengê Mezopotamya. Auch die Übertragung von Dengê Mezopotamya über einen Kurzwellensender in der Ukraine läuft unverändert weiter.
 

interne Verweise:
Eutelsat will Roj TV abschalten lassen (22.01.2012) »

weitere Informationen:
Mitteilung von Reporter ohne Grenzen zu Roj TV »
Dänisches Gericht verurteilt Roj TV (epd, Jan. 2012) »

Press TV

IRIB verliert britische Sendelizenz


Das britische Office of Communications (Ofcom) hat am 20.01.2012 seine Lizenz für Press TV, das englischsprachige Fernsehprogramm des iranischen Staatsfunks IRIB, mit sofortiger Wirkung eingezogen.

Zur Begründung verweist die Behörde auf Einlassungen, welche die Trägerin der Lizenz, die Firma Press TV Limited in London, im vergangenen Jahr im Rahmen eines Bußgeldverfahrens machte. Seinerzeit erklärte die Press TV Limited, die Hoheit über das Programm liege nicht bei ihr, sondern bei der Zentrale in Teheran.

Da jedoch eine Lizenz zwingend an der Stelle zu liegen habe, wo die redaktionellen Entscheidungen getroffen werden, habe man Press TV vorgeschlagen, die Lizenz in den Iran zu übertragen und Unterstützung bei diesem Verfahren angeboten. Nachdem Press TV nicht hierauf einging, habe man dem Anbieter wegen dieses Verstoßes nunmehr die Lizenz entzogen. Als Konsequenz beendete Sky die Weiterverbreitung von Press TV für den britischen und irischen Markt, die bis dahin über den Satelliten Eurobird 1 lief.

Hiervon unberührt blieben die zahlreichen anderen Satelliten, über die Press TV ebenfalls sendet. U.a. auch für den deutschen Markt geschieht dies über Astra 1H, wo Press TV durch den Technikdienstleister APS-Astra aus Unterföhring bei München in einem sonst größtenteils von Anbietern aus Deutschland genutzten Multiplex (12,460 GHz) abgestrahlt wird.

Besonders hervorzuheben ist der Satellit Hotbird 8, wo IRIB den gesamten Transponder 87 (12,437 GHz horizontal) angemietet hat. Neben zahlreichen anderen Fernseh- und Hörfunkprogrammen von IRIB enthält dieser Multiplex auch die primär auf Kurzwelle ausgestrahlten Fremdsprachensendungen des Hörfunks.

Der litauische Sendernetzbetreiber LRTC nutzt diese Übertragungen wiederum als Signalquelle, um über seinen Kurzwellensender bei Kaunas einige für Europa bestimmte IRIB-Sendungen abzustrahlen (derzeit Englisch 16.30-17.30 und Deutsch 18.30-19.30 Uhr jeweils auf 7420 kHz, Französisch 19.30-20.30 und Englisch 20.30-21.30 Uhr jeweils auf 6115 kHz).

Hierzu erhebt Press TV jetzt die Anschuldigung, „britische Techniker in Bahrain“ würden das Hotbird-Signal von IRIB seit dem 17.01.2012 stören. Eutelsat habe es abgelehnt, sich zu diesem Thema zu äußern.
 

weitere Informationen:
Press TV licence revoked (Ofcom, 20.01.2012) »
Jamming signals disrupting IRIB (Press TV, 25.01.2012) »

Sowjetisches Drahtfunkgerät

Senderabschaltungen in Weißrußland


Der staatliche Rundfunk von Weißrußland hat Mitte Januar den Einsatz von AM-Sendern weiter eingeschränkt.

Im Kurzwellenbereich sind die Frequenzen 6080 und 6115 kHz aus Minsk und die bislang von anderen Standorten aus genutzten Frequenzen 6010, 6040, 6070, 6190, 7235, 7265 und 7280 kHz jetzt entweder ganz abgeschaltet oder nur noch stark eingeschränkt in Betrieb. Dies gilt ebenso auch für die Mittelwellensender von Radio Kultura auf 1008, 1026 und 1125 kHz.

Auf Kurzwelle regulär eingesetzt werden jetzt nur noch zwei Sender am östlichen Stadtrand von Minsk, wo sich auch der zumindest derzeit abgeschaltete, 150 kW starke Sender für die Mittelwelle 1125 kHz befindet.

Eine 250 kW starke Kurzwellenanlage überträgt dort weiterhin Radyo 1 mit Zielrichtung Rußland von 5.00 bis 8.00 und von 16.00 bis 18.00 Uhr jeweils auf 7255 kHz sowie unmittelbar daran anschließend bis 24.00 Uhr das Auslandsprogramm Radio Belarus mit Zielrichtung Mitteleuropa auf 6155 kHz. Ein in den 60er Jahren von den damaligen Mitarbeitern der Sendestation selbst konstruierter, mit technischen Mängeln (leise und verzerrte Modulation, Brummen) behafteter Sender strahlt mit 150 kW Leistung zwischen 12.00 und 24.00 Uhr Radio Belarus auf 11730 kHz ab.

Zum 01.02.2012 gehen darüber hinaus auch die Drahtfunknetze in Weißrußland teilweise außer Betrieb. Einer entsprechenden Ankündigung zufolge verbleibt dann nur noch die direkte niederfrequente Übertragung, die mit einfachsten Geräten (im wesentlichen ein Lautsprecher mit Regler; Foto) wiedergegeben werden kann und in Weißrußland heute das Programm von Radyo 1 enthält. Die zusätzlichen Trägersignale auf 78 und 120 kHz, die ein zweites und drittes Programm bieten (in Weißrußland heute Radio Kultura und Radio Stalitsa), werden abgeschaltet.

Dieses Drahtfunksystem war in der Sowjetunion einst weit verbreitet. Zeitweise galt ein ausdrückliches Verbot, in entsprechend ausgestatteten Wohnungen reguläre Rundfunkempfänger zu betreiben. Die ursprüngliche technische Begründung des Drahtfunks, einen ungestörten Empfang in höherer Qualität (10 kHz, in ländlichen Regionen der Sowjetunion ging der Übertragungsbereich jedoch nicht über 6 kHz hinaus) zu ermöglichen, wurde später auch hier durch den Aufbau des UKW-Rundfunks hinfällig.
 

interne Verweise:
Hintergrund weißruss. KW-Sender (27.11.2011) »
Radio Belarus auf 11730 kHz (15.01.2012) »

weitere Informationen:
Fotos der Sendeanlage Minsk-Kolodischtschi »
Sendeanlage 6010/6070 kHz in Brest »
Sendeanlage 6040/7265/7280 kHz in Grodno »
Sendeanlage 6190/7235 kHz in Mogiljow »
Mitteilung: Teilabschaltung des weißruss. Drahtfunks »

Radio Algérienne – Jil FM

Geänderte MW-Belegung in Algerien


Aufmerksamkeit auch in Mitteleuropa erregt das staatliche Radio Algérienne mit seinem neuen, für jugendliche Hörer bestimmten Programm Jil FM, das am 15.01.2012 gestartet war. Da für Jil FM nur eine UKW-Frequenz im Raum Algier zur Verfügung steht, läuft es auch über zwei jeweils 600 kW starke Mittelwellensender, die bislang das erste Programm von Radio Algérienne übertrugen.

Neben einem Sender auf 549 kHz im Nordwesten von Algerien handelt es sich dabei auch um den Sender Fkirina bei Ain Beida, etwa 130 km von der Mittelmeerküste und 70 km von der Grenze zu Tunesien entfernt. Er arbeitet auf 531 kHz und setzt sich hier auch in Mitteleuropa meist gegen die wesentlich schwächeren Sender durch, die auf dieser Frequenz in Rumänien und Portugal betrieben werden.

Das Musikprogramm von Jil FM weist nicht sogleich auf den arabischen Kulturraum hin, sondern mutet vielmehr wie ähnliche Angebote europäischer Veranstalter an.
 

weitere Informationen:
Début de Jil FM (R. Algérienne, 15.01.2012) »
Mittelwellensender Ain Beida 531 kHz »
Diskussion zu Jil FM »

Sudan mit Südsudan (Graphik anonym via Wikipedia)

Sendungen für Grenzregion Sudan/Südsudan


Nach der im Juli 2011 wirksam gewordenen Abtrennung des Südsudan vom weiterhin aus Khartoum regierten Teil des Sudan gibt es inzwischen eine Initiative für Hörfunksendungen, die von einer „Konfliktzone“ spricht.

Sie geht von der Organisation Free Press Unlimited in den Niederlanden aus, die Büros und Studios im Funkhaus von Radio Nederland Wereldomroep (RNW) in Hilversum nutzt. Nachdem künftig auch RNW nicht mehr aus Rundfunkgebühren, sondern in stark gekürztem Umfang vom niederländischen Außenministerium finanziert wird, dürfte hier mit einer weiteren Annäherung der jeweiligen Aktivitäten zu rechnen sein.

Spezielle Sendungen für die sudanesische Grenzregion enthielt seit dem vergangenen November bereits Radio Dabanga, ein von Free Press Unlimited produziertes Programm für die sudanesische Region Darfur. Sie sind zum 05.01.2012 aus Radio Dabanga herausgelöst worden und laufen jetzt als gesondertes Radio Tamazuj, was soviel wie „über die Grenze“ bedeutet. Gesendet wird von 5.00 bis 5.30 Uhr über die Frequenzen, über die anschließend bis 7.00 Uhr weiterhin Radio Dabanga ausgestrahlt wird (7315 kHz aus Frankreich, 11940 kHz aus Madagaskar und 13800 kHz aus Abu Dhabi).
 

weitere Informationen:
Radio Tamazuj im Internet »

29.01.2012

Alle Zeitangaben in Mitteleuropäischer Zeit.

Autor: Kai Ludwig
Abbildungen: Intelsat, IRIB, anonym via Wikipedia (2), Radio Algérienne