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MedienmagazinChina-Redaktion der Deutschen Welle / Miraya FM und NEXUS-IBA

Radio-News

6. Juni 2011

China-Redaktion der Deutschen Welle / Miraya FM und NEXUS-IBA

Deutsche Welle

Chinesisches DW-Programm in der Diskussion


Das chinesische Programm der Deutschen Welle (DW) ist auch nach den Ereignissen der Jahre 2008/2009, die auf größeres Aufsehen stießen, weiter in der Diskussion.

Den Anstoß hierfür lieferten vier frühere, Anfang 2011 ausgeschiedene Mitarbeiter mit einem „offenen Brief“. Darin beklagen sie die „zu einer maßlosen Kampagne ausgeartete Kontroverse“ um die Auftritte der damaligen stellvertretenden Redaktionsleiterin Zhang Danhong im Jahre 2008. Diese habe sich „schnell zu einem Pauschalangriff gegen fast alle Mitarbeiter mit chinesischer Herkunft der China-Redaktion“ entwickelt.

Mit der Formulierung „intern geführtes Interview“ räumen die ehemaligen Mitarbeiter ansatzweise einen Beitrag ein, in dem Zhang Danhong mit angeblichen, von ihr selbst formulierten Fragen auf an ihr geübte Kritik reagierte. „Unmut“ darüber habe anschließend zu der Entscheidung geführt, den bisherigen Leiter der China-Redaktion von seinen Aufgaben zu entbinden.

Danach habe die Leiterin der Asien-Abteilung der DW „sofort auf rigorose Weise mit einer Art ideologischer Säuberung in der China-Redaktion im Sinne der Kritik und der politisch-ideologischen Vorstellungen der Dissidenten“ begonnen. Es sei „alles“ auf eine „undifferenzierte und einseitige Pauschalkritik in der Berichterstattung über China ausgerichtet“ worden.

Mangels eigener Kenntnisse der chinesischen Sprache habe die Abteilungsleiterin einen „externen Monitor“ engagiert, der „zunächst mehr als ein halbes Jahr geheim im Hintergrund“ gearbeitet habe und bis heute die Beiträge der China-Redaktion „überwacht“. Für seine Urteile, die „sich der Diskussion und der Kontrolle durch andere ausgewiesene China-Experten [entziehen]“, verwende er als graphisches Symbol eine „chinesische Fahne in Herzform“.

Besondere Kritik äußern die früheren Mitarbeiter an der „entgegen der Linie des Auswärtigen Amtes“ in einem persönlichen Gespräch durch den „Monitor“ vorgebrachten Erwartung, „zukünftig bei der Berichterstattung der Redaktion Taiwan als souveränen Staat zu behandeln“.

Weiter schreiben sie, die DW habe „eine sehr engagierte und bekannte Menschenrechtsaktivistin aus China als Journalistin ins Haus geholt“, die „engagiert für ihre politischen Ziele“ arbeite. Dies sei ein Verstoß gegen das DW-Gesetz. Ausführlich klagen sie über eine angebliche Diskriminierung der bisherigen Onlineredakteure nach der Zusammenlegung von Online- und Hörfunkredaktion.

Ihre teils persönlichen Angriffe weiten die ehemaligen Mitarbeiter auch auf die heutige, seit Dezember 2009 amtierende Redaktionsleiterin aus. Diese sei „grundsätzlich nicht in der Lage, sich in Wort oder Schrift auf Chinesisch mit den Mitarbeitern angemessen zu verständigen oder die Qualität ihrer journalistischen Produkte zu bewerten“. Schon deshalb könne sie „ihrer Verantwortung nicht gerecht werden“. Ihre „journalismusferne Redaktionspolitik“ sei es, „lieber auf der moralisch-ideologisch sicheren Seite der Dissidenten [zu] stehen“.

Die früheren Mitarbeiter sprechen von der „politischen Instrumentalisierung einer Sprachredaktion“. Es gehe um die Frage, „ob es in der China-Redaktion der DW weiterhin möglich ist, mit gesundem Menschenverstand, mit Sachkenntnis und mit distanzierter journalistischer Professionalität handwerklich sauber über China zu berichten oder nicht“.

„Trotz Internetzensur und mangelnder Pressefreiheit“ seien „heute die Informationsmöglichkeiten für die Menschen in China vielfältiger denn je“. Dadurch habe es die DW „nun mit einem noch anspruchsvolleren Publikum zu tun, das nicht alles hinnimmt, nur weil die DW aus dem Westen berichtet“. Glaubwürdigkeit müsse sich die DW erarbeiten.

Abschließend heißt es in diesem „offenen Brief“, „journalistische Differenziertheit und Distanziertheit in der Berichterstattung über China auf der einen Seite und das verlässliche Eintreten für Menschenrechte auf der anderen schließen sich nicht gegenseitig aus“. Die DW könne „für die an demokratischen Reformen und einer eigenständigen, unabhängigen Urteilsbildung interessierten Menschen in China eine wertvolle Informationsquelle sein. Die Glaubwürdigkeit, die das voraussetzt, sollte rasch wieder hergestellt werden.“

Die angegriffene Leiterin der Asien-Abteilung der DW hat gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (Branchendienst „epd Medien“, Ausgabe 20/2011) die Vorwürfe der früheren Mitarbeiter weitgehend zurückgewiesen und Schilderungen eines „Klimas der Angst“ auf die umfangreichen Umstrukturierungen in der DW zurückgeführt. DW-Sprecher Johannes Hoffmann sagte dem epd, externes „Monitoring zur Qualitätssicherung“ sei „auch in anderen Redaktionen üblich“.

Den DW-Personalrat Christian Hoppe zitiert der epd hingegen mit der Auffassung, die Autoren des „offenen Briefs“ seien „mit einigen Formulierungen über das Ziel hinausgeschossen“, würden jedoch „die Vorgänge in der Redaktion insgesamt korrekt wiedergeben“. Dort sei „Kritik unerwünscht“ und „mit der Redaktionsleitung kein Gespräch möglich“.

Deutliche Kritik an der DW äußerte gegenüber dem epd auch der Journalist und Sinologe Tilman Spengler, dem die chinesischen Behörden im März die Einreise zur Eröffnung der umstrittenen Ausstellung „Kunst der Aufklärung“ verweigert hatten. Spengler sagte, ihn habe der Chef vom Dienst der Redaktion hierzu angerufen und gefragt, wie so etwas vorkommen könne, denn „Sie sind doch ein Verbündeter der Regierung“.

Den „offenen Brief“ der früheren Mitarbeiter, dessen Stil zum Teil an das naiv anmutende Vorgehen von Zhang Danhong erinnert, nutzten chinesische Medien für eine Neuauflage ihrer Kampagne, die sie 2008 gegen die DW gefahren hatten. Einen entsprechenden Artikel, der bereits im Laufe des April zirkulierte, veröffentlichte das Parteiorgan „Renmin Ribao“ in prominenter Form am 21.05.2011. Er klammert alle Bezugnahmen auf Menschenrechte, demokratische Reformen und eine unabhängige Meinungsbildung der Hörer aus und erhebt die ausgeschiedenen Redakteure zu „Dissidenten“.

Ein Beitrag, der am 16.06.2010 auf der Internetplattform Xing erschien, zeugt wiederum von erheblichen Vorbehalten gegenüber der DW auch unter ausgesprochen oppositionell eingestellten Exilchinesen. In diesem Text heißt es, 2008/2009 seien zwei in chinesischer Sprache an die DW gerichtete Zuschriften „von einem DW-Mitarbeiter mit Beschimpfungen kommentiert und auf einem KPCh-Forum zum Spott ausgestellt“ worden. Die DW-Redakteure, „die ich für Kollegen hielt“, hätten sich „als Wolf im Schafspelz demaskiert“. Das Vertrauen in die DW sei auch sechzehn Monate später nicht wieder hergestellt.
 

weitere Informationen:
„Offener Brief“ der früheren DW-Mitarbeiter »
Interview mit Tilman Spengler (Zeit, 01.04.2011) »
„DW ... Cold War Mentality“ (Renmin Ribao, 21.05.2011) »
Diskussion des Artikels der Renm. Rib. auf pekingduck.org »
Xing-Beitrag zur China-Redaktion der DW (16.06.2010) »
Interview mit sich selbst (FAZ, 12.12.2008) »
Weiterer personeller Paukenschlag (KStA, 19.12.2008) »
Mit deutschen Steuergeldern (Epoch Times, 22.12.2008) »
DW: Neue Leitung der China-Redaktion (15.07.2009) »

Ukrainische Sendestation, evtl. Kopani bei Nikolajew

Miraya FM aus der Ukraine


Technische Änderungen gab es bei der Kurzwellenverbreitung von Miraya FM, das die UN-Mission im Sudan seit 2006 gemeinsam mit der Schweizer Organisation Fondation Hirondelle betreibt. Ergänzend zu seinen UKW-Frequenzen im Sudan nutzt Miraya FM seit dem 01.06.2011 die Sendeanlage Lutsch/Kopani bei Nikolajew in der Ukraine, und zwar zwischen 5.00 und 8.00 Uhr auf 11560 kHz sowie zwischen 16.00 und 19.00 Uhr auf 15710 kHz.

Bis Mai hatte die italienische Organisation NEXUS-IBA die Kurzwellenausstrahlung von Miraya FM arrangiert. NEXUS-IBA reagierte auf den Wechsel vom Miraya FM mit regelrechtem Nachtreten. Gegenüber dem US-amerikanischen Kurzwellenexperten Glenn Hauser kommentierte die Organisation, das Signal von Miraya FM sei „jetzt sehr schwach und üblicherweise nur zu 60 Prozent oder noch weniger moduliert, mit starkem Brummen, wie es für sehr alte russische Kurzwellensender typisch ist ;-( “.

Die Sendetechnik am ukrainischen Standort Lutsch stammt aus den 70er Jahren. NEXUS-IBA selbst nutzte zumindest bislang die Kurzwellensender des slowakischen Sendernetzbetreibers Towercom in Rimavská Sobota. Hierbei handelt es sich ebenfalls um sowjetische Technik, die um 1980 aufgebaut wurde und sich in der Bauart nicht wesentlich von den Anlagen in Lutsch unterscheiden dürfte.

Mit dem Weggang von Miraya FM verblieb NEXUS-IBA nur noch ein minimaler Restbetrieb; freitags, sonnabends und sonntags jeweils 20.00-21.00 Uhr auf 7290 kHz sowie sonnabends 10.00-11.00 Uhr und sonntags 11.30-14.00 Uhr jeweils auf 9510 kHz. Von Montag bis Donnerstag laufen keine Kurzwellensendungen von NEXUS-IBA mehr.

Dabei liegen Planungsdaten vor, nach denen zumindest die Frequenz 9510 kHz jetzt nicht mehr aus Rimavská Sobota, sondern aus Rumänien betrieben wird. Bislang ist nicht bekannt, ob die Kurzwellenanlage in Rimavská Sobota nach dem Entfall der täglichen Ausstrahlungen jetzt eventuell ganz abgeschaltet wurde.

NEXUS-IBA ist bzw. war auf der Kurzwellenanlage Rimavská Sobota der einzige verbliebene Kunde, nachdem Slovenský Rozhlas seine Auslandsprogramme seit dem 01.01.2011 nicht mehr terrestrisch verbreitet. Auch die Auslandssendungen aus der Ukraine sind inzwischen nur noch über Internet und Satellit zu hören. Sowohl in Bratislava als auch in Kiew wird in den selbstreferentiellen Hörerpostsendungen der deutschen Programme darüber geklagt, seit der Abschaltung auf Kurzwelle so gut wie keine Zuschriften mehr zu erhalten.
 

weitere Informationen:
Miraya FM im Internet »
Programm und Frequenzen von NEXUS-IBA »

06.06.2011

Alle Zeitangaben in Mitteleuropäischer Sommerzeit.

Autor: Kai Ludwig
Abbildungen: DW, Archiv