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MedienmagazinWDR 1593 kHz, KW-Sender in Algerien, Auseinandersetzung um Sdr. in Sibirien

Radio-News

30. Dezember 2011

WDR 1593 kHz, KW-Sender in Algerien, Auseinandersetzung um Sdr. in Sibirien

Empfangsbestätigung für Langenberg 1593 kHz (1993)

WDR beendet Digitaltest auf Mittelwelle


Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) schaltet zum Jahresende sein digitales Mittelwellensignal auf 1593 kHz ab. Dies geht aus einer Ansageschleife hervor, die dort momentan noch ausgestrahlt wird.

Diese Digitaltests begannen 2006, nachdem der WDR neue Mittelwellentechnik für den zwischen Wuppertal und Essen liegenden Senderstandort Langenberg beschafft hatte. Dort lief zuvor die Frequenz 1593 kHz mit einer Sendeleistung von bis zu 800 kW, die mit zwei 1966 installierten, jeweils 600 kW starken Sendern erzeugt wurde. Dieser Sendebetrieb konnte nicht über das Jahresende 1993 hinaus fortgesetzt werden, nachdem ab 1994 Geräte mit Kondensatoren, die mehr als einen Liter PCB (polychlorierte Biphenyle) enthielten, nicht mehr betrieben werden durften.

Die Frequenz 1593 kHz überließ der WDR anschließend zunächst dem International Broadcasting Bureau der USA, dessen Sendeanlage in Holzkirchen von 720 kHz hierher wechselte. Damit stand dem WDR die Frequenz 720 kHz, die bis 1993 in Langenberg nur tagsüber betrieben werden konnte, ganztags zur Verfügung. Die hierfür eingesetzte, 200 kW starke, vor ihrer Ablösung im Jahre 2006 bereits nur noch mit reduzierter Leistung genutzte Senderanlage war 1978 von Siemens geliefert worden.

Der Mittelwellensender in Holzkirchen, der für die zuletzt praktizierte Ausstrahlung von Programmen für den Balkan kaum geeignet war, ist schließlich im April 2001 stillgelegt und später nach Kuwait umgesetzt worden. Damit stand die Frequenz 1593 kHz wieder dem WDR zur Verfügung. Zum Jahresende 2003 endete dann auch der Betrieb der Kurzwellentechnik auf der Sendestation Holzkirchen, die inzwischen vollständig beseitigt wurde.

Das nunmehrige Ende der digitalen Ausstrahlungen auf 1593 kHz kommt nicht überraschend, nachdem hier in den letzten Monaten bereits eine andere Ansageschleife lief. Sie enthielt die für sich sprechende Formulierung „wenn Sie uns hören, melden Sie sich bitte“.

Seinen Sendebetrieb auf Mittelwelle insgesamt einstellen wird, wie bereits seit 2010 bekannt, der Südwestrundfunk (SWR). Offiziell hat der SWR den Abschalttermin bislang nicht über „Anfang Januar“ hinaus präzisiert. Ein anonymer, anscheinend von einer mit dem Vorgang vertrauten Person ausgehender Foreneintrag nennt für die Frequenzen 576, 666, 828 und 1017 kHz den 08.01.2012, 23.00 Uhr.

Bereits im Laufe des 30.12.2011 abgeschaltet wurde demnach der Sender Ulm-Jungingen, der erst im März 2010 auf die Frequenz 1413 kHz umgestellt worden war. Grund hierfür waren digitale Versuchssendungen, die ab Juni 2010 aus Heilbronn-Obereisesheim auf 711 kHz liefen und nach nur einem Jahr schon wieder endeten. Ebenfalls erst 2010 hatte der SWR substantiell in die auf 576 kHz arbeitende Mittelwellenanlage Mühlacker bei Stuttgart investiert und für sie einen neuen Sender beschafft, der den bisherigen, bereits auf Halbleitertechnik basierenden Betriebssender ablöste.

Am 31.12.2011 enden darüber hinaus auch die Ausstrahlungen des Evangeliums-Rundfunks auf der Mittelwelle 1539 kHz, die seit August bereits auf die Morgenstunden (6.00-10.00 Uhr) beschränkt waren.

In Belgien beendet der flämische Rundfunk VRT seinen Sendebetrieb auf der Frequenz 927 kHz. Sie läuft dort momentan noch über einen älteren Röhrensender aus der Schweiz (Brown Boveri), nachdem die VRT-Mittelwelle 1512 kHz (einst tagsüber mit 25 kW für den Großraum Brüssel mit einem Halbleitersender von Nautel/Kanada, abends mit 300 kW über einen Röhrensender Telefunken S 4006 betrieben) bereits seit März 2008 abgeschaltet ist.

Im Gegenzug hob VRT am 29.12.2011 die bisherige Verschlüsselung der Hörfunkwellen Radio 1 und Radio 2 auf dem Satelliten Astra 1L auf (12,722 GHz horizontal; dieser Multiplex enthielt bislang ausnahmslos verschlüsselte Programme).
 

interne Verweise:
Zur MW-Abschaltung beim SWR (10.07.2011) »
Abschaltung der MW 1539 kHz (25.04.2011) »
Abschaltung der MW 927 kHz (04.12.2011) »

weitere Informationen:
Foreneintrag zu den MW-Sendern des SWR »
Fotos der Sendetechnik 927/1512 kHz »
Mitschnitte der Ansageschleifen auf 1593 kHz »
AGDX-News 30.12.1993, u.a. zu Langenberg 1593 kHz »
Fotos der Sendeanlage Langenberg von 2007 »
Fotos der Sendeanlage Langenberg von 2011 »
Sendeanlage Holzkirchen »

Ouargla, Béchar

Neue Kurzwellensender in Algerien


In Algerien wird derzeit neue Sendetechnik für den Kurzwellenrundfunk installiert. Eine Bestätigung für entsprechende Hinweise brachte jetzt ein Bericht, der primär Verlautbarungen zur Einführung des digitalen Antennenfernsehens DVB-T in Ouargla zum Gegenstand hat.

Aufgebaut werden die Kurzwellensender demnach in Berkaoui bei Ouargla. Als weiterer Standort im Gespräch ist auch Kenadsa bei Béchar. In beiden Fällen handelt es sich um bestehende Standorte, die mit Langwellensendern auf 198 bzw. 153 kHz eine flächendeckende Versorgung von Algerien absichern sollen. Nach Beobachtungen aus der Region leiden diese beiden Sender unter einer leisen Modulation. Wie bei Langwellensendern in solchen Wüstengebieten nicht anders zu erwarten, sind die erreichten Signalstärken vergleichsweise gering. Die angewendete Sendeleistung von jeweils 2000 kW ist sehr hoch, unter diesen Umständen aber angezeigt.

Im Gegensatz zu diesen Sendern auch in Mitteleuropa hörbar ist eine dritte Langwellenanlage bei Tipaza an der Mittelmeerküste, die auf 252 kHz das französische Programm des algerischen Rundfunks überträgt. Diese 1500 kW starke Röhrensenderanlage stammt vom tschechischen Hersteller Tesla. Es handelt sich bei ihr um zwei parallelgeschaltete Einzelsender des Typs DRV 750, wie er auch beim Langwellensender Topolná (270 kHz) und in der Mittelwellenversion SRV 750 am Standort Liblice (639 kHz) im Einsatz ist.

Von Tesla stammten ebenso die Ausrüstungen der Kurzwellenstation Bouchaoui, über die einst auch spezielle Auslandsprogramme liefen. Nachdem bereits 1993 die alte Kurzwellentechnik am Standort Ouled Fayet stillgelegt worden war (verblieben sind hier nur Mittelwellensender auf 891, 981 und 1422 kHz), endete 1997 auch der zuletzt nur noch sehr unregelmäßig abgewickelte Sendebetrieb in Bouchaoui.

Die sechs Tesla-Sender KRV 120, die in Bouchaoui 1971 installiert wurden, entsprachen in ihrer Bauart den Anlagen in Pohodlí bei Litomyšl, über die bis zum 31.01.2011 die Kurzwellensendungen von Český Rozhlas liefen. Mit deren Abschaltung dürften weltweit keine von Tesla hergestellten Kurzwellensender mehr im Einsatz sein.

Derzeit sendet Radio Algérienne auf Kurzwelle über die Sendeanlagen von Télédiffusion de France im zentralfranzösischen Issoudun. Sofern hier keine Änderungen vorgenommen wurden, handelt es sich nicht um die modernen, in den 90er Jahren aufgebauten Sendeeinheiten, sondern einen alten, nur noch für diesen Kunden betriebenen Senderkomplex aus den frühen 70er Jahren.

Diese Kurzwellensendungen werden durchweg nach Afrika gerichtet. Sie enthalten größtenteils Beiträge religiösen Inhalts. Derzeit (Angaben gültig bis 25.02.2012) laufen die Ausstrahlungen von Radio Algérienne aus Issoudun wie folgt:

05.00-08.00 Uhr: 5865 kHz
06.00-07.00 Uhr: 7295 kHz
19.00-22.00 Uhr: 9390 kHz
20.00-23.00 Uhr: 7455 kHz
22.00-24.00 Uhr: 5865 kHz

 

interne Verweise:
Zur tschechischen Langwelle 270 kHz (30.01.2011) »

weitere Informationen:
Altsendeanlage Issoudun (1) »
Altsendeanlage Issoudun (2) »
Ouargla sera couverte par la ... (APS, 20.11.2011) »
Fotos der Sendeanlage Berkaoui »
Foto der Sendeanlage Kenadsa »
Foto der Sendeanlage Tipaza »
Foto der Sendeanlage Ouled Fayet »
Prospektauszug: KW-Sender Tesla KRV 120 »

Beschädigte KW-Antenne in Krasnojarsk

Mögliches Sendeverbot in Krasnojarsk


Den Mittel- und Kurzwellensendern des russischen Sendernetzbetreibers RTRS in Krasnojarsk droht die Abschaltung, nachdem der Föderale Gesundheits- und Verbraucherschutzdienst vor dem Gericht des Rajons Krasnojarsk erfolgreich gegen RTRS geklagt hat.

Nach Auffassung des Gerichtes habe die Krasnojarsker Filiale von RTRS es versäumt, Schutzzonen um die Sendeanlage einzurichten. Dadurch komme es in deren Umgebung zur Überschreitung einschlägiger Grenzwerte um bis zu deren achtfachen Wert. In seinem Urteil verbietet das Gericht es RTRS daher, die 50 kW starke Kurzwellenanlage auf der Frequenz 6085 kHz sowie eine der jeweils 150 kW starken Mittel- und Langwellenanlagen (betroffen ist hier offenbar die Frequenz 594 kHz) weiterhin zu betreiben.

Bereits im Vorfeld hatte RTRS sich verständnislos über die Bestrebungen geäußert, den weiteren Betrieb der Sendeanlagen verbieten zu lassen. Bei ihrer Einrichtung in den 60er Jahren hätte die Sendestation sich auf freiem Feld befunden. Die Wohngebiete in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft seien erst später errichtet worden, ohne auf die von den Sendern ausgehenden elektromagnetischen Felder Rücksicht zu nehmen. Ob es nach diesem Urteil tatsächlich zur Abschaltung der Sender kommen wird, ist bislang nicht bekannt.

Einen Präzedenzfall vergleichbarer Art gibt es bereits in Krutschina in der Region Tschita. Hier gilt seit einigen Monaten ein Sendeverbot gegen einen 150 kW starken Langwellensender (auf 261 kHz; nicht mit dem im Gebiet Moskau auf dieser Frequenz betriebenen Sender zu verwechseln), dessen Antenne sich am Rand der Sendestation nahe einer Datschensiedlung befindet, deren Nutzer gegen RTRS geklagt hatten. Übergangsweise ist das sonst hier verbreitete Programm von Radio Rossii und dem Regionalsender Tschita derzeit auf einer sonst für Radio Majak reservierten Mittelwelle aufgeschaltet. Eine endgültige Entscheidung steht auch in diesem Fall noch aus.

Neben den Lang- und Mittelwellensendern (darunter eine Hochleistungsanlage für Sendungen nach China) verfügt die Sendestation Krutschina auch über vier Kurzwellensender und dazugehörige Antennen. Dieser Komplex war bereits vor den anderen Senderstandorten in der damaligen Sowjetunion im Ausland bekannt, da die Transsibirische Eisenbahn ihn im Verlauf des Flusses Chilok direkt passiert.

Auf Kurzwelle werden aus Krutschina derzeit ausschließlich Programme der Stimme Rußlands ausgestrahlt, und zwar für Südasien (Englisch, Vietnamesisch, Hindi) 10.00-15.00 Uhr auf 7205 kHz und 12.00-15.00 Uhr auf 7350 kHz sowie für Afrika (Französisch) 17.00-19.00 Uhr auf 7295 kHz.

(Foto: Anscheinend auf 2008 zu datierende Beschädung der Kurzwellenantenne in Krasnojarsk; im Hintergrund ein später bei der Sendestation entstandenes Neubaugebiet)
 

weitere Informationen:
Foto der Sendeanlage Krutschina »
Foto der Sendeanlage Krasnojarsk »
... Krasnojarske moshet byt priostanowleno »
Wiedergabe des Urteils zur Sendeanlage Krasnojarsk »

30.12.2011

Alle Zeitangaben in Mitteleuropäischer Zeit.

Autor: Kai Ludwig
Abbildungen: WDR, Universität von Texas, RTRS