Ausschreibung für 88,4/90,7 MHz veröffentlicht
Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) hat ihre Ausschreibung für die Berliner UKW-Frequenzen 88,4 und 90,7 MHz veröffentlicht.
Wie schon vorab angekündigt, sollen diese beiden, sich mit ihren Versorgungsgebieten ergänzenden Frequenzen für den offenen Kanal der MABB (Alex-Radio) und ein noch zu entwickelndes Ausbildungsradio genutzt werden. Darüber hinaus vorgesehen sind „nichtkommerzielle Programmschienen“ und eine „Erprobung neuer Formate“.
Für diese jetzt ausgeschriebenen Sendeplätze kristallisieren sich als Bewerber verschiedene, zuletzt von September bis November als „Herbstradio“ aktiv gewordene Radioinitiativen sowie das Internetradio Multicult 2.0 heraus.
Die Initiatoren des Herbstradios erklären, temporäre Sender dieser Art werde es in Berlin nicht mehr geben, da sie seitens der MABB „in dieser Form nicht mehr erwünscht“ seien. Stattdessen habe die MABB sie dazu aufgefordert, sich an der jetzigen Frequenzausschreibung zu beteiligen. Die Initiatoren „gehen davon aus“, täglich von 17.00 bis 4.00 Uhr (plus/minus eine Stunde) auf UKW senden zu können.
Dabei wird die MABB lediglich die Senderbetriebskosten finanzieren. Begründet wird dies mit den Worten, „von der Ermächtigung, allgemein nichtkommerziellen Rundfunk zu fördern, hat der Medienstaatsvertrag Berlin-Brandenburg keinen Gebrauch gemacht“. Diese Formulierung benutzt auch die Sächsische Landesanstalt für privaten Rundfunk, um eine finanzielle Unterstützung der Bürgerradios in Sachsen abzulehnen.
Vor diesem Hintergrund werben die Initiatoren des Herbstradios um Spenden, mit denen ein Betrag von 50.000 Euro aufgebracht werden soll, um für zunächst ein Jahr die Gebühren für Musiksendungen (GEMA/GVL) und die Heranführung des Programmsignals zu den Sendern zu finanzieren. Dabei nennen sie auch soziale Projekte, denen die Spenden zukommen werden, falls das Vorhaben scheitern sollte.
Für die verfügbaren Sendeplätze auf 88,4 und 90,7 MHz bewirbt sich ebenso das Internetradio Multicult 2.0, das sein Programm am 31.12.2008 um 22.05 Uhr, wenige Augenblicke nach dem Ende der RBB-Welle Radio Multikulti, begonnen hatte. In einer Pressemitteilung gibt Multicult 2.0 als Ziel an, die UKW-Frequenzen „zumindest in den Morgen- und Abendstunden“ nutzen zu können.
Die Bewerbung von Multicult 2.0, die damit in Konkurrenz zu der des Herbstradios steht, wird von größerer publizistischer Unterstützung begleitet. So ist in einer Agenturmeldung die Aufschaltung von Multicult 2.0 auf UKW bereits als uneingeschränkt feststehende Tatsache dargestellt worden.
Nach Angaben der „taz“ bewirbt sich darüber hinaus auch der „Ohrfunk“. Hierbei handelt es sich um ein Hörfunkprojekt von Blinden und Sehschwachen, das in den Berliner Kabelnetzen sowie im Internet verbreitet wird und an das 1991 im Kabel gestartete ABSV-Radio anknüpft.
Weiter zitiert die „taz“ MABB-Justitiarin Ingeborg Zahrnt mit der Aussage, alle drei Bewerber würden „mit im Boot sein“, sofern nicht noch weitere Bewerbungen eingehen. Somit dürfte die Sendezeit, die nicht von Alex-Radio und dem noch zu schaffenden MABB-Ausbildungsradio beansprucht wird, zwischen den Radioinitiativen, Multicult 2.0 und dem Ohrfunk aufgeteilt werden.
Interviews mit Vertretern des Herbstradios und von Multicult 2.0 wurden im Medienmagazin vom 19.12.2009 ausgestrahlt (nachzuhören unter dem Menüpunkt „Podcast“).
interne Verweise:
MABB-Konzept für 88,4/90,7 MHz (18.11.2009) »
Herbstradio auf 99,1 MHz (10.08.2009) »
weitere Informationen:
MABB: Aktuelle Ausschreibungen »
Herbstradio: Erläuterungen zum Aufruf »
Pressemitteilungen von Multicult 2.0 »
Vorstellung des Ohrfunk-Projekts »
... eine Dauerveranstaltung (Jungle World, 03.12.2009) »
Ciao, Funkloch! (taz, 18.12.2009) »