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MedienmagazinRadio-News vom 20.12.2009

Radio-News

20. Dezember 2009

Radio-News vom 20.12.2009

UKW-Sendeantennen am Halleschen Ufer in Berlin-Kreuzberg

Ausschreibung für 88,4/90,7 MHz veröffentlicht


Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) hat ihre Ausschreibung für die Berliner UKW-Frequenzen 88,4 und 90,7 MHz veröffentlicht.

Wie schon vorab angekündigt, sollen diese beiden, sich mit ihren Versorgungsgebieten ergänzenden Frequenzen für den offenen Kanal der MABB (Alex-Radio) und ein noch zu entwickelndes Ausbildungsradio genutzt werden. Darüber hinaus vorgesehen sind „nichtkommerzielle Programmschienen“ und eine „Erprobung neuer Formate“.

Für diese jetzt ausgeschriebenen Sendeplätze kristallisieren sich als Bewerber verschiedene, zuletzt von September bis November als „Herbstradio“ aktiv gewordene Radioinitiativen sowie das Internetradio Multicult 2.0 heraus.

Die Initiatoren des Herbstradios erklären, temporäre Sender dieser Art werde es in Berlin nicht mehr geben, da sie seitens der MABB „in dieser Form nicht mehr erwünscht“ seien. Stattdessen habe die MABB sie dazu aufgefordert, sich an der jetzigen Frequenzausschreibung zu beteiligen. Die Initiatoren „gehen davon aus“, täglich von 17.00 bis 4.00 Uhr (plus/minus eine Stunde) auf UKW senden zu können.

Dabei wird die MABB lediglich die Senderbetriebskosten finanzieren. Begründet wird dies mit den Worten, „von der Ermächtigung, allgemein nichtkommerziellen Rundfunk zu fördern, hat der Medienstaatsvertrag Berlin-Brandenburg keinen Gebrauch gemacht“. Diese Formulierung benutzt auch die Sächsische Landesanstalt für privaten Rundfunk, um eine finanzielle Unterstützung der Bürgerradios in Sachsen abzulehnen.

Vor diesem Hintergrund werben die Initiatoren des Herbstradios um Spenden, mit denen ein Betrag von 50.000 Euro aufgebracht werden soll, um für zunächst ein Jahr die Gebühren für Musiksendungen (GEMA/GVL) und die Heranführung des Programmsignals zu den Sendern zu finanzieren. Dabei nennen sie auch soziale Projekte, denen die Spenden zukommen werden, falls das Vorhaben scheitern sollte.

Für die verfügbaren Sendeplätze auf 88,4 und 90,7 MHz bewirbt sich ebenso das Internetradio Multicult 2.0, das sein Programm am 31.12.2008 um 22.05 Uhr, wenige Augenblicke nach dem Ende der RBB-Welle Radio Multikulti, begonnen hatte. In einer Pressemitteilung gibt Multicult 2.0 als Ziel an, die UKW-Frequenzen „zumindest in den Morgen- und Abendstunden“ nutzen zu können.

Die Bewerbung von Multicult 2.0, die damit in Konkurrenz zu der des Herbstradios steht, wird von größerer publizistischer Unterstützung begleitet. So ist in einer Agenturmeldung die Aufschaltung von Multicult 2.0 auf UKW bereits als uneingeschränkt feststehende Tatsache dargestellt worden.

Nach Angaben der „taz“ bewirbt sich darüber hinaus auch der „Ohrfunk“. Hierbei handelt es sich um ein Hörfunkprojekt von Blinden und Sehschwachen, das in den Berliner Kabelnetzen sowie im Internet verbreitet wird und an das 1991 im Kabel gestartete ABSV-Radio anknüpft.

Weiter zitiert die „taz“ MABB-Justitiarin Ingeborg Zahrnt mit der Aussage, alle drei Bewerber würden „mit im Boot sein“, sofern nicht noch weitere Bewerbungen eingehen. Somit dürfte die Sendezeit, die nicht von Alex-Radio und dem noch zu schaffenden MABB-Ausbildungsradio beansprucht wird, zwischen den Radioinitiativen, Multicult 2.0 und dem Ohrfunk aufgeteilt werden.

Interviews mit Vertretern des Herbstradios und von Multicult 2.0 wurden im Medienmagazin vom 19.12.2009 ausgestrahlt (nachzuhören unter dem Menüpunkt „Podcast“).
 

interne Verweise:
MABB-Konzept für 88,4/90,7 MHz (18.11.2009) »
Herbstradio auf 99,1 MHz (10.08.2009) »

weitere Informationen:
MABB: Aktuelle Ausschreibungen »
Herbstradio: Erläuterungen zum Aufruf »
Pressemitteilungen von Multicult 2.0 »
Vorstellung des Ohrfunk-Projekts »
... eine Dauerveranstaltung (Jungle World, 03.12.2009) »
Ciao, Funkloch! (taz, 18.12.2009) »

Sendegebiet von Apollo-Radio

Oelsnitzer Apollo-Frequenz geht an R.SA


Die Sächsische Landesanstalt für privaten Rundfunk (SLM) hat die Frequenz von Apollo-Radio in Oelsnitz (Vogtland) an R.SA vergeben. Zur Begründung wird auf eine mangelhafte Empfangsqualität von R.SA im Raum Oelsnitz verwiesen.

Dem Vernehmen nach wurde die Oelsnitzer Frequenz 91,5 MHz ursprünglich für R.SA geplant, das dann jedoch kein Interesse an ihrer Nutzung mehr hatte, weshalb sie letztlich an Apollo-Radio ging. Den im November 2007 aufgenommenen Sendebetrieb übernahm nicht die Deutsche Telekom, sondern Derutec, ein Tochterunternehmen der Privatfunkholding Regiocast, die R.SA zusammen mit Radio PSR in Leipzig betreibt.

Erläuterungen zu der jetzigen, freihändig genehmigten Umwidmung der Frequenz gab die SLM nicht. Damit bleibt insbesondere offen, was nach dem Jahresende 2009 aus Apollo-Radio wird. Apollo-Radio erachtet es aus wirtschaftlichen Gründen für erforderlich, einen größeren Teil der Sendezeit übertragen zu bekommen, die von den Bürgersendern Radio Blau (Leipzig), Radio T (Chemnitz) und Coloradio (Dresden) genutzt wird.

Gleichzeitig entschied die SLM, für das erste Quartal 2010 Fördermittel im Umfang von 7.741 Euro für die Sendeleitungen von Radio Blau, Radio T, dem von der dortigen Fachhochschule betriebenen Radio Mittweida und dem Leipziger Universitätsradio Mephisto bereitzustellen.

Bei dieser Förderung handelt es sich um die routinemäßige Fortschreibung einer vor Jahren eingeführten Praxis, die sich auf die früheren, auf vier Stunden pro Woche begrenzten Programmfenster von Radio Blau und Radio T bezog. Dabei blieb Coloradio ausgeschlossen, nachdem dessen Beziehungen zur SLM seinerzeit äußerst angespannt und von einem gescheiterten Entzug der Sendelizenz geprägt waren.

Damit vermeidet der Medienrat der SLM weiterhin jede Positionierung zu der Frage, wie nach dem Jahreswechsel die Ausstrahlungskosten der Bürgerradios im Umfang von 40.000 Euro pro Jahr abgedeckt werden sollen.
 

interne Verweise:
Apollo-Radio über Derutec-Sender (12.11.2007) »
Apollo-Radio kündigt Vertrag (25.10.2009) »
Konflikt um Bürgerradios dauert an (13.12.2009) »

weitere Informationen:
Mitteilung der SLM vom 14.12.2009 »
Apollo-Radio: Sendegebiet »

Antenne MV

Regiocast übernimmt Mehrheit an Antenne MV


Die Radioholding Regiocast wird Mehrheitsgesellschafter von Antenne MV, einer der beiden landesweit in Mecklenburg-Vorpommern sendenden Privatstationen. Zum 01.01.2010 übernimmt die Regiocast 52 Prozent der Anteile, während der Verlag der Neubrandenburger Zeitung „Nordkurier“ seine Beteiligung auf 35 Prozent aufstockt.

Gleichzeitig zieht sich die RTL-Gruppe, die bislang einen Anteil von 25,4 Prozent hielt, aus dem Unternehmen zurück. Nach unbestätigten Gerüchten strebte RTL selbst eine Übernahme der Mehrheit an Antenne MV an, was sich jedoch als konzentrationsrechtlich nicht genehmigungsfähig erwiesen habe.
 

weitere Informationen:
Mitteilung der Regiocast vom 16.12.2009 »
Regiocast ... Mehrheit an Antenne MV (W&V, 16.12.2009) »

Offener Kanal Westküste

Frequenz auf Föhr für Offenen Kanal


Die Medienanstalt von Hamburg und Schleswig-Holstein (MA HSH) hat die UKW-Frequenz 96,7 MHz auf der Insel Föhr dem Offenen Kanal (OK) Westküste zugewiesen.

Der OK Westküste ist in Heide angesiedelt. Er verfügt über mehrere Außenstudios in seinem Sendegebiet, das er über drei UKW-Sender in Heide, Garding und Husum erreicht.

Bei der Zuweisung der neuen, nördlich anschließenden Frequenz auf Föhr betont die MA HSH als wesentlichen Aspekt die Förderung der friesischen Sprache. Entsprechende Sendungen sollen im Programm des OK Westküste künftig bis zu sieben Stunden pro Tag zu hören sein.

Gleichzeitig genehmigte die MA HSH das Veranstaltungsprogramm „Radio Öömrang“ zur Begleitung eines friesischen Volksfestes auf der Insel Amrum. Ausgestrahlt werden soll es vom 19. bis 23.02.2010 auf 88,1 MHz. Zuvor hatte es bereits mehrere Sendungen von Radio Öömrang auf Kurzwelle gegeben (so am 21.02.2009, anscheinend aus dem Sendezentrum Wertachtal mit einer Leistung von 500 kW nach Nordamerika), die jedoch nicht überregional angekündigt wurden. Bislang ist nicht bekannt, ob für 2010 erneut eine solche Sendung auf Kurzwelle geplant ist.
 

interne Verweise:
Frequenz auf Föhr ausgeschrieben (08.06.2009) »

weitere Informationen:
Mitteilung der MA HSH vom 17.12.2009 »
Offener Kanal Westküste: Frequenzen »
Sylter Radio stieß auf taube Ohren (shz.de, 18.12.2009) »
R. Öömrang wieder auf Sendung (Amrum-News, 18.02.2009) »

BFBS Radio

BFBS Radio 2 wird neu aufgelegt


Der British Forces Broadcasting Service (BFBS) wird sein zweites Hörfunkprogramm ab dem 11.01.2010 erneut als „BFBS Radio 2“ ausstrahlen. Dabei wird es auch wieder Eigenprogramme geben; für Arbeitstage nennt BFBS als Sendezeiten 10.00-13.00 und 14.30-18.00 Uhr.

In einer entsprechenden Mitteilung heißt es zur Begründung, Hörer hätten wiederholt erklärt, Sendungen und Musikfarbe von BFBS Radio 2 zu vermissen. Die wieder aufgelegten Eigenprogramme sollen erneut „dieses gewisse Feeling“ bieten.

Es werde sich um einen „entspannten und freundlichen, dabei kenntnisreichen“ Stil handeln, der auch Raum für längere Wortbeiträge biete. Die Musikfarbe werde „warm, melodisch und wiedererkennbar“ mit Titeln von den 60er Jahren bis heute sein, „von den Beatles bis Take That, von den Dire Straits bis Jamie Cullum“.

Im Februar 2009 war BFBS Radio 2 als eigenständiges Programm eingestellt worden. Ausgestrahlt wird seitdem eine als „BFBS Alternative Listening“ bezeichnete Programmfolge, die ausschließlich aus Übernahmen von der BBC und anderen BFBS-Programmen besteht.

In Deutschland läuft BFBS Radio 2 terrestrisch über acht UKW-Kleinsender in Garnisonsstädten der britischen Streitkräfte in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Es ergänzt dort die weite Teile dieser beiden Länder umfassende UKW-Verbreitung von BFBS Germany.
 

interne Verweise:
BFBS Radio 2 eingestellt (01.03.2009) »

weitere Informationen:
BFBS Radio 2 is back »

Alle Zeitangaben in Mitteleuropäischer Zeit.

Autor: Kai Ludwig
Abbildungen: Ludwig, Apollo-Radio, Antenne MV, OK Westküste, BFBS