Neun Jahre nach der Versteigerung

Überlegungen zur Nutzung des Funkhauses Grünau

Im Jahre 2008 war das einstige Funkhaus Grünau an eine Firma aus Hamburg, die Erste Hanseatische Projektmanagement GmbH, versteigert worden. Deren heutiger Geschäftsführer, Henry Otterbein, äußerte sich jetzt gegenüber der rbb-Abendschau erstmals zu möglichen Nutzungen des Gebäudes.

Funkhaus Grünau
Funkhaus Grünau | © Kai Ludwig, 2008

Wie er sagte, habe er die Geschäftsführung des Unternehmens erst am 1. März übernommen und noch keine Idee, was aus dem Objekt in Berlin-Grünau werden könnte. Eine Möglichkeit sei vielleicht ein „betreutes Wohnen“.

Einen engen Rahmen, durch den langwierige Verhandlungen mit den Behörden zu erwarten sind, setzt hier der Bebauungsplan. Selbst eine Wohnnutzung des Gebäudes wäre nur mit einer Ausnahmegenehmigung möglich.

Funkhaus Grünau
Wasserseite des Funkhauses Grünau | © Kai Ludwig, 2008

Zum Rundfunkstandort wurde dieses Gebäude durch die Teilung Berlins. Der von der sowjetischen Militäradministration ins Leben gerufene Rundfunk sendete aus dem Funkhaus Masurenallee im britischen Sektor, dessen Leitungsanbindungen über das Fernmeldeamt Winterfeldtstraße im amerikanischen Sektor liefen.

Verschiedene Details schilderte dazu eine interne Ausarbeitung der für technische Belange des Rundfunks der DDR zuständigen, zur Post gehörenden Struktureinheit „Studiotechnik Rundfunk“ im Jahre 1967:

» Bereits mit Befehl Nr. 113 vom 20. Mai 1946 hatte Marschall Shukow den Bau eines Rundfunkstudios in Berlin-Grünau, Regattastraße 276/277, angeordnet. Dieses Gebäude war früher das Wassersporthaus der Dresdner Bank und der Allianz-Versicherung gewesen. Während des Krieges befand sich darin ein Lazarett. «
Funkhaus Grünau
Zerschlagenes Rotlichtsignal für offenes Mikrofon an einer Studiotür | © Kai Ludwig, 2008
» Die Inbetriebnahme dieses Rundfunkstudios erfolgte am 1. Mai 1947.
Die technischen Einrichtungen kamen im wesentlichen aus Beständen der Reichsrundfunkgesellschaft, der Nazi-Wehrmacht sowie aus Neuanfertigungen einschlägiger Firmen. Neben Cutter- und Umzeichnungseinrichtungen gab es drei Regieräume (für Saal, Hörspielkomplex, Sendekomplex) und einen Schaltraum.
Der Saal war relativ klein. Ein Blasorchester fand durchaus Platz, aber die akustischen Bedingungen waren mäßig. Daher wurde nach einigen akustischen Veränderungen der große Saal des Gesellschaftshauses Grünau für Musikaufnahmen genutzt. «
Funkhaus Grünau
Zugang aus dem Korridor in eine Regie | © Kai Ludwig, 2008
» Mit Befehl Nr. 9 vom 17. Mai 1948 ist das Rundfunkstudio mit Wirkung vom 4. Juni 1948 an die Deutsche Verwaltung für Volksbildung übergeben worden. Von dem Rundfunkstudio, später als Funkhaus bezeichnet, sind die Landessender in der damaligen sowjetischen Besatzungszone mit Programmbeiträgen aus dem Berliner Raum versorgt worden.
Seit dem Deutschlandtreffen 1950 wurden wichtige Programmkomplexe des Berliner Rundfunks und des Deutschlandsenders aus dem Funkhaus Grünau gesendet. Diese Maßnahme diente zum Schutz des Programmablaufs, um weitere Störungen durch das Verstärkeramt Winterfeldtstraße zu verhindern. [...] «
Funkhaus Grünau
Schallschleuse in einen Sprecherraum | © Kai Ludwig, 2008
» 8. Weltfestspiele 1951: [...] Im Grünauer Funkhaus herrschte während dieser Festspielwochen Hochbetrieb. Während im Hauptgebäude im wesentlichen die Sendungen abgewickelt wurden, erfolgten die Montagen, das Cuttern sowie die Entgegennahme der Überspiele in zusätzlich aufgestellten Holzbaracken. Auf einem freien Platz zwischen dem Hauptgebäude und dem Sozialtrakt standen zeitweise über zwanzig Ü-Wagen in einer Reihe. «
Funkhaus Grünau
Regie | © Kai Ludwig, 2008
» [...] Abriegelung des Funkhauses in der Masurenallee. Bevor die Mitarbeiter in den frühen Morgenstunden des 3. Juni 1952 mit dem Programm begannen, war von der britischen Besatzungsmacht das Funkhaus mit Stacheldraht, spanischen Reitern und Posten eingeschlossen worden.
[...] Im Verlaufe der folgenden Stunden stellte sich heraus, daß die Mitarbeiter zwar das Haus verlassen durften, jedoch niemand mehr hereingelassen wurde. Nur die im Funkhaus stationierte sowjetische Wache konnte ungehindert passieren.
Die Verbindungen zum Demokratischen Sektor konnten über eine aus Sicherheitsgründen bereits vorher installierte Richtfunksprechverbindung aufrecht erhalten werden. Die Leitungen zum Sender sowie die Überspiel- und Meldeleitungen zum Funkhaus Grünau blieben zwar intakt, konnten jedoch nicht für Absprachen und Gespräche politisch-internen Charakters genutzt werden, da die Gefahr des Abhörens bestand. «
Funkhaus Grünau
Regie | © Kai Ludwig, 2008
» Grünau war inzwischen Treffpunkt aller übrigen Mitarbeiter des Rundfunks geworden. Es war sehr schwierig, eine solche Vielzahl von Mitarbeitern auf dem beengten Raum unterzubringen.
Die Kontrollräume waren bereits in den Vormittagsstunden des 3. Juni sendeklar. Die Leitungen blieben in der folgenden Zeit so geschaltet, daß das Funkhaus Grünau als Zubringer für die aktuelle Berichterstattung aus dem Funkhaus Masurenallee arbeitete.
Das Überspielnetz diente in beiden Richtungen der Programmvorbereitung. Viele, auch historisch wertvolle, Aufnahmen waren vorsorglich aus der Masurenallee ausgelagert worden, doch reichte der Vorrat an Musik und Hörspielen in Grünau vorerst für eine vollständige Programgestaltung nicht aus. «
Funkhaus Grünau
Vorhang zur Regulierung der Nachhallzeit im Sprecherraum | © Kai Ludwig, 2008
» Das Programm wurde in den ersten Tagen noch vollständig aus der Masurenallee gefahren. Danach kamen einzelne Beiträge aus dem Funkhaus Grünau. Auf die Dauer war es nicht möglich, mit einer Normalbesetzung ein 19-Stunden-Programm zu gestalten.
Gleichzeitig mußte auch daran gedacht werden, die Verpflegung für die eingeschlossenen Mitarbeiter zu gewährleisten. Vorsorglich eingelagerte Lebensmittel und die Bestände der Konsum-Verkaufsstelle bildeten dafür gute Voraussetzungen.
Jeden Morgen gegen 8.00 Uhr trat der britische Kommandant an den Eingang des Funkhauses und teilte dem Leiter des eingeschlossenen Kollektivs, Karl-Eduard von Schnitzler, mit, daß die Mitarbeiter das Haus verlassen sollten.
Diese Aufforderung wurde strikt abgelehnt. Um die unverdrossene Standhaftigkeit und unerschütterliche Ausdauer des Kollektivs auch in winzigen Details zu demonstrieren, erschien Karl-Eduard von Schnitzler jeden Morgen mit einer anderen Krawatte, die er sich von den verschiedenen Mitarbeitern ausgeliehen hatte. «

(Wie Schnitzler die Vorgänge im Programm kommentierte, kann auf haus-des-rundfunks.de unter Radiogeschichte, 1945-1956, Auszug des Berliner Rundfunks nachgehört werden.)

Funkhaus Grünau
Sprecherraum | © Kai Ludwig, 2008
» Das erste Kollektiv arbeitete bis zum 11. Juni im Funkhaus. Vom britischen Kommandanten war zur Räumung des Funkhauses die Absperrung für zwei oder drei Tage aufgehoben worden. Alle Mitarbeiter durften während dieser Zeit das Haus betreten bzw. verlassen.
Diese Zeit wurde genutzt, um die eingeschlossenen Kollegen durch andere abzulösen. Allerdings kam diese Ablösung für die betreffenden Mitarbeiter so überraschend, daß kaum jemand Gelegenheit hatte, mehr als die Gegenstände seines täglichen Bedarfs mitzunehmen.
Eine Kollegin wurde z.B. auf der Straße beim Einkauf angetroffen und von hier aus sofort zur Personalabteilung im Haus Friedrichstraße 169/170 gerufen. Hier wurden alle Kollegen über die herrschende Situation aufgeklärt und zu strengstem Stillschweigen verpflichtet. Mit Pkw wurden sie zur Masurenallee gefahren, während andere Kollegen von dort mit zurückgenommen wurden. Die Ablösung mußte in größter Eile vorgenommen werden. «
Funkhaus Grünau
Materialschrank im Studio | © Kai Ludwig, 2008
» Für jedes Programm waren zwei Besetzungen benannt worden, die abwechselnd den Dienst versahen. Die Anzahl der Sendungen verringerte sich zwangsläufig immer weiter. Am Vormittag sendete nunmehr die Masurenallee, in der übrigen Zeit kam das Programm aus Grünau.
Nach und nach entwickelte sich ein geregelter Tagesablauf, der aus Dienst, Küchenarbeit, Wäschewaschen, Freizeitgestaltung usw. bestand. Das Wäscheproblem war besonders ernst, da sich niemand für einen derart langen Zeitraum eingerichtet hatte.
So begann das für ein Funkhaus wohl einmalige Wäschewaschen, wobei alle möglichen Örtlichkeiten zum Trocknen benutzt wurden. Die Mitarbeiter liefen währenddessen nur mit Kitteln oder in aus Übergardinen gefertigten Luftanzügen durchs Haus. Als Schneider erwarb sich ein Kollege der Hauskontrolle hohes Ansehen. [...] «
Funkhaus Grünau
Aufbewahrungsort für Frischband zur Aufnahme | © Kai Ludwig, 2008
» Der direkte Kontakt zu den Angehörigen war während der gesamten Zeit nicht möglich. Es konnten Grüße aufgegeben werden, die über das Richtfunktelefon weitervermittelt wurden. Um auch die Mitarbeiter über die inzwischen daheim eingegangene Post zu informieren, konnte wenigstens der Briefinhalt teilweise übermittelt werden. [...]
Das Essen war während der gesamten Zeit sehr reichlich, nur die Versorgung mit Gemüse und Brot erwies sich als qualitativ unzureichend. Es gab fast ausschließlich Knäckebrot. [...]
Natürlich bedeutete es für alle Beteiligten eine hohe psychische Belastung, da niemand wußte, wie lange dieser ungewöhnliche Dienst im Funkhaus andauern würde. Die wenigsten hatten sich vorher von ihren Angehörigen verabschieden können. So entstanden mancherlei persönliche Probleme. «
Funkhaus Grünau
Aufbewahrungsort für das farbige Kennband, mit dem die Tonbänder versehen wurden | © Kai Ludwig, 2008
» Im Schaltraum war eine Tafel angebracht, an der jeder Einschließungstag durch einen Strich gekennzeichnet war. Nach rund vier Wochen, als das Funkhaus Grünau endlich das gesamte Programm bestritt, konnte der überwiegende Teil der Mitarbeiter aus der Masurenallee abberufen werden.
Zurück blieb eine Gruppe von etwa zehn Kollegen, die die Geräte ausbauten. Wichtigstes Werkzeug war hierbei der Seitenschneider. Ausgebaut wurden nur die einzelnen Geräte, Regietische und Gestelle verblieben in der Anlage. Der Abtransport erfolgte mit Lkw der sowjetischen Armee. [...]
Nach weiteren zwei Wochen war diese Aktion beendet und die letzten Mitarbeiter verließen das Funkhaus. Zurück blieb nur die ständige sowjetische Wache. Nach Verhandlungen zwischen den sowjetischen Behörden und dem Senat von Westberlin ist das Gebäude am 5. Juli 1956 dem Senat übergeben worden. «
Funkhaus Grünau
Aufgang im Funkhaus Grünau | © Kai Ludwig, 2008
» Mitte Mai 1952 mußten sich einige Mitarbeiter in der Personalabteilung in der Friedrichstraße melden. Dort wurde ihnen eröffnet, daß sie die ersten Mitarbeiter in dem noch im Bau befindlichen Funkhaus in der Nalepastraße in Berlin-Oberschöneweide sein sollten.
Es lag auf der Hand, daß das Funkhaus Grünau nur eine Notlösung sein konnte. Die zuständigen staatlichen Dienststellen hatten in Verbindung mit der Generalintendanz bereits im Jahre 1951 Überlegungen angestellt, ein neues Funkhaus zu errichten. Mehrere Varianten waren in Erwägung gezogen worden, so z.B. die [spätere] Hochschule für Ökonomie in Berlin-Karlshorst, aber auch ein Neubau zwischen Grünau und Eichwalde.
[...] Die Wahl fiel schließlich auf das Gelände einer früheren Furnierfabrik zwischen der Spree und den Minol-Tanklagern, unweit des Kraftwerks Klingenberg gelegen. [...] Hier konnte sofort mit dem Ausbau des vorhandenen Gebäudes und mit den notwendigen Nebenbauten begonnen werden.
In dieses Projekt waren bis zum Sommer 1952 nur wenige Rundfunk-Mitarbeiter eingeweiht. Wie sich später zeigte, wurde die Geheimhaltung nicht von allen Beteiligten ernst genommen. Die damals noch tätigen Schaffner der nahen Straßenbahnlinien 13 und 82 riefen bald „Funkhaus“ statt „Blockdammweg“ aus. «
Funkhaus Grünau
Haupttreppenhaus im Funkhaus Grünau | © Kai Ludwig, 2008
» Als die ersten Kollegen im Mai hier ihre Tätigkeit aufnahmen, wurde in der Techniketage des Blockes A noch intensiv gebaut. Bei dem allgemeinen Baulärm war es schwierig, qualitativ einwandfreie Sendungen zu produzieren.
In der Anfangszeit wurden einige Kommentare und andere aktuelle Aufnahmen hier produziert und anschließend per Pkw zum Funkhaus Grünau befördert. Durch die Abriegelung des Funkhauses Masurenallee [...] war es dringend notwendig, die Bauvorhaben zu beschleunigen und möglichst viele Vorproduktionen als Zulieferung für die Programmarbeit in Grünau sicherzustellen.
Es gab zunächst keine soziale Versorgungseinrichtung. Die Kollegen mußten sich alle Tagesverpflegung von zu Hause mitbringen. Erst als im September 1952 der offizielle Betrieb begann, diente der Flur der dritten Etage als erster Speisesaal des Funkhauses. «
Funkhaus Grünau
Flur im Funkhaus Grünau | © Kai Ludwig, 2008
» Die ersten Versuchssendungen aus der Nalepastraße erfolgten nachts. In den ersten Septembertagen 1952 begann schließlich der generelle Umzug der Programme von Grünau zur Nalepastraße. [...]
Für den Produktionsdienst standen keine Säle und Hörspielkomplexe zur Verfügung. Bisherige Produktionsstätten wurden weiter genutzt bzw. erweitert. Hierzu gehören: [...] DEFA, Johannisthal: Wortproduktion [...] Funkhaus Grünau: Wort- und Musikproduktion. [...]
Zu Beginn des Jahres 1956 war der Bau des Blockes B beendet. Am 20. Februar 1956 fand die feierliche Übergabe dieses Gebäudes statt, das vier Säle und zwei Hörspielkomplexe einschließt. [...]
Nach Inbetriebnahme des Funkhauses Nalepastraße wurden in Grünau nur noch vornehmlich Wortaufnahmen produziert. Die technischen Anlagen umfaßten dort gegen Ende 1953 zwei K-, einen A-, zwei C-Räume und einen Hallraum. Mit der Inbetriebnahme des Blockes B wurden die technischen Einrichtungen bis auf zwei Cutter-Räume abgebaut. «
Funkhaus Grünau
Ein weiterer Produktionsraum im Funkhaus Grünau | © Kai Ludwig, 2008

Der letzte hier aus der Ausarbeitung von 1967 zitierte Satz dürfte indes ein Versuch gewesen sein, etwas zu verschleiern, das ebenso ein offenes Geheimnis war wie zuvor, was es mit der Baustelle in der Nalepastraße auf sich hatte.

Die Rede ist vom „Deutschen Freiheitssender 904“, einem unmittelbar nach der Verkündung des Verbots der westdeutschen Kommunistischen Partei Deutschlands, also am 17. August 1956, gestarteten Sonderprogramm.

Die ersten dieser Sendungen kamen noch aus der Nalepastraße, und zwar vermutlich aus dem Hörspielstudio H 2, wie es dann auch 1964 beim „Sonderstudio Deutschlandtreffen“ geschah. Zwar wurde versucht, das Studio abzuschirmen, was an diesem Ort aber kaum wirksam möglich war.

Im September 1956 zog die Sonderredaktion daher nach Grünau um. Nachdem auch dieser Standort bald zu bekannt war, folgte 1959 ein erneuter Umzug in eine Journalistenschule in Friedrichshagen. Von ca. 1965 bis zu ihrer Einstellung 1971 kamen die Sendungen schließlich aus Bestensee.

1968/1969 könnte es noch einmal zu einem Sendebetrieb aus dem Funkhaus Grünau gekommen sein. Die tschechischsprachigen Sondersendungen „Vltava“, die in ihrer Hochzeit großflächig über den Mittelwellensender Wilsdruff liefen, sollen zeitweise statt in der Nalepastraße wiederum hier produziert worden sein.

Funkhaus Grünau
Saal des Funkhauses Grünau | © Kai Ludwig, 2008

Nach dem Ende der Geheimsender diente das Funkhaus Grünau der Ausbildung von Tontechnikern und gelegentlich kleinen Produktionen. Das Fernsehen nutzte das Gebäude als Standort seiner Unterhaltungsredaktion; der Sendesaal wurde zum Proberaum des Fernsehballetts.

Mit der Auflösung der bestehenden Rundfunkstrukturen am 31. Dezember 1991 endete die kontinuierliche Nutzung des Funkhauses Grünau. Das Gebäude blieb weitgehend sich selbst überlassen und verfiel immer mehr.

Die hier beigefügten Fotos zeigen den Zustand von 2008. Sie entstanden bei einem Besichtigungstermin im Vorfeld der Versteigerung, mit der das Gebäude zu seinen heutigen Eigentümern gelangte.

Einen Eindruck von der weiteren Entwicklung vermitteln 2014 veröffentlichte Fotos auf einer der „urban exploration“ gewidmeten Website. Deren Autor bezeichnet die Künstler, die von 2012 bis 2014 in dem Gebäude tätig waren, als „Vorhut der Gentrifizierung“.

Grünau, Regattastraße 267
Blick vom Hauptgebäude des Funkhauses Grünau zum Nachbargebäude Regattastraße 267 | © Kai Ludwig, 2008

Da es im Grünauer Funkhausgebäude keinen ausreichenden Platz für Büros und Kantine gab, nutzte der Rundfunk bis zum Umzug in die Nalepastraße auch das Nachbargebäude Regattastraße 267.

Darauf griff ab 1960 der Versuch zurück, mit dem „Deutschen Soldatensender 935“ die Bundeswehr zu demoralisieren. Dieses Projekt hatte seine Vorbilder, denen später auch im Vietnam- und Falklandkrieg gefolgt wurde, im zweiten Weltkrieg.

Parallel wurde das Gebäude nun für den Rudersport genutzt. Das galt als gute Tarnung, die allerdings sehr schnell auffliegen konnte. Bekannt ist die Erzählung eines Sportlers, der sich vorstellen sollte, durch das Haus irrte, von Musik angezogen wurde und erstaunt in ein Studio blickte, bis die versehentlich einen Spalt offene Tür erschrocken zugeworfen wurde.

Dieses Sonderprogramm wurde zum 1. Juli 1972 eingestellt. Anschließend scheinen die Spuren gründlich beseitigt worden zu sein. Bei einem Begang des Gebäudes in den 90er Jahren konnte selbst ein Kenner keine Reste rundfunktechnischer Infrastruktur, etwa der erforderlichen Leitungsanbindungen, mehr entdecken.

Gründlichkeit sollte ebenso bei den Legenden gelten, unter denen die Mitwirkenden auf einmal (wieder) in der Nalepastraße und in Adlershof auftauchten, wo sie ihre Kollegen damit regelrecht nervten. Überliefert ist, wie einem früheren Angehörigen des „Soldatensenders“ entgegengeschleudert wurde: „Ich will euch bloß mal eins sagen, es weiß jeder, wo ihr wart!“

Funkhaus Grünau
Hofseite des Funkhauses Grünau | © Kai Ludwig, 2008

Aus dem Stab des „Soldatensenders“ verstärkt wurde seinerzeit auch das Sprecherensemble der Aktuellen Kamera. Das ursprünglich für Fernsehspiele bestimmte, dann von der „AK“ regelrecht requirierte Studio 1 ist als einziges der Sendestudios (in Abgrenzung zu den großen Produktionsstudios) in Adlershof noch erhalten.

Dieses Gebäude wird heute für Tanzkurse und Theateraufführungen genutzt. Im März 2017 kam das „Theater Adlershof“ ins Gerede, als eine Schließung aus Gründen des Brandschutzes im Raum stand. Hier soll nun ein Gutachten klären, welche Maßnahmen zur Fortsetzung der Nutzung erforderlich sind.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 04.08.2017