Ungarn

Mittelwelle 540 kHz mit neuer Senderanlage

Am 1. Dezember 2017 wurde um 11.00 Uhr auf der Sendestation Solt, 80 km südlich von Budapest, die neue Senderanlage für die Mittelwelle 540 kHz in Betrieb genommen. Mit 1680 kW erzeugt sie die mit Abstand höchste Sendeleistung, die noch von einem Mittelwellensender in Europa abgestrahlt wird.

Sender Solt
Sender Solt (Foto unter Pseudonym „Bandino56“, Creative Commons)

Lieferant der Senderanlage ist die kanadische Firma Nautel. Sie realisierte eine Lösung mit fünf Exemplaren des stärksten Einzelsenders (400 kW) aus ihrem Programm und einer Parallelschalteinheit.

Diese Installation fand ihren Platz im bestehenden Sendersaal. Das machte größere Umbauten erforderlich, was 2016 zu längeren Unterbrechungen des Betriebs führte.

Neue Sendeanlage Solt
Die Konfiguration der neuen Senderanlage in Solt (Quelle: Nautel)

Mit Ausnahme der 500 kW starken, jetzt noch mit 300 kW auf 1188 kHz betriebenen Sendeanlage Marcali sind die anderen Mittelwellenstationen in Ungarn bereits im vergangenen Jahrzehnt mit neuen Tranistorsendern ausgestattet worden. Lieferant war seinerzeit die Berliner Firma Transradio.

Seit dem 1. August 2017 läuft wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung ein Insolvenzverfahren über das Vermögen dieser Firma. Der Insolvenzverwalter will sich von den Gläubigern sowohl für einen Verkauf des Unternehmens als auch eine Einstellung des Geschäftsbetriebes autorisieren lassen. (Amtsgericht Charlottenburg, 36t IN 2479/17)

Sender Siófok-Balatonszabadi
Transistorsender in der Station Siófok-Balatonszabadi | © Transradio

Zu den von Transradio in Ungarn installierten Sendern gehört neben den Geräten, die nach wie vor Programme von Magyar Rádió auf 873, 1116, 1188, 1251 und 1350 kHz übertragen (auf 1188 kHz am Zweitstandort Szolnok), auch Sendetechnik für die Frequenz 1341 kHz.

Sie war während der umfangreichen Abschaltungen des Senders Solt im August/September 2016 zusätzlich eingeschaltet worden, um die deutlich geringere Leistung des Ersatzbetriebs auf 540 kHz (mit größeren technischen Schwierigkeiten über alte Röhrensender in Budapest-Lakihegy und Balatonszabadi bei Siófok) zu kompensieren.

Die Sender der Frequenz 1341 kHz waren eigentlich für Magyar Katolikus Rádió bestimmt, das ab 2004 auf dieser Mittelwelle gesendet hatte. Wegen zu hoher Kosten gab Magyar Katolikus Rádió den Verbreitungsweg AM zum Beginn des Jahres 2011 auf, begleitet von deutlich artikuliertem Unmut seines Publikums.

15. Januar 2011, bis 24.00 Uhr: Die letzten Minuten von Magyar Katolikus Rádió auf Mittelwelle

Der Sender Solt hatte 1977 nach einer Bauzeit von drei Jahren den Betrieb der Frequenz 540 kHz von der Budapester Sendestation Lakihegy übernommen. Als Antenne aufgebaut wurde hier ein 304 Meter hoher Mast.

Die 2000 kW starke, aus zwei Blöcken bestehende Senderanlage kam von der Firma Maschinopriboj im damaligen Leningrad. Diese Anlage bleibt auch nach der Inbetriebnahme der neuen Transistortechnik als Reserve erhalten, zumal sie seit 2013 als Industriedenkmal eingestuft ist.

1985 war diese Senderanlage auf einen leistungsfähigeren Röhrentyp (GU-88P) umgerüstet worden. 1987 ergänzte die Schweizer Firma Asea Brown Boveri eine Schutzschaltung sowie eine dynamische Trägersteuerung zur Einsparung von Elektroenergie.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 02.12.2017