Berlin

Verbleib des alten RIAS-Kurzwellensenders

Teile des alten, aus dem Jahre 1951 stammenden Kurzwellensenders von RIAS Berlin fanden einen Platz in der Sammlung des Industriesalons Schöneweide. Nachdem ein Verwerter in Neuruppin den Sender bereits verschrottet hatte, wurden Fragmente der Leistungsstufe dort abgeholt und, so das Anzeigenblatt „Berliner Woche“, mühsam wieder zusammengesetzt.

Alter Kurzwellensender Berlin-Britz
Leistungsstufe und Bedienpult des Kurzwellensenders von 1951

Grundstock der Sammlung des Industriesalons Schöneweide ist das frühere Museum des Werks für Fernsehelektronik, dessen Bestände durch beherzten Zugriff im Jahre 2009 vor der Vernichtung bewahrt wurden. Zu der umfangreichen Produktpalette des Werks gehörte auch die Gerätetechnik, mit der bis 1978 die Mittelwellen des RIAS gestört wurden.

Auf die Störung seiner Mittelwellen reagierte der RIAS wiederum mit den zusätzlichen Sendungen auf Kurzwelle. Daher sieht der Industriesalon Schöneweide in dem alten Kurzwellensender eine besonders passende Ergänzung seiner Sammlung.

Vor der Inbetriebnahme des 20 kW starken Kurzwellensenders in Berlin-Britz hatte es 1948/1949 bereits zeitweise Ausstrahlungen (seinerzeit auf 6080 kHz) des RIAS über die Kurzwellensender in Ismaning bei München gegeben. Diese Sender waren von den USA primär für die Voice of America beschlagnahmt worden.

Nach dem Beginn der regulären RIAS-Sendungen auf 6005 kHz lebte die Mitnutzung der Sendeanlage Ismaning wieder auf. Hierher umgeschaltet wurde die Frequenz jeweils in den Nachtstunden, wenn eine Kurzwellenversorgung der DDR von innen heraus durch das physikalische Phänomen der „toten Zone“ nur schlecht möglich war.

In diesem Zusammenhang ebenfalls zu nennen ist die darüber hinaus praktizierte Aufschaltung des RIAS auf den Langwellensender, der im Raum München (Erching) ebenfalls für die Voice of America errichtet und auf 173 kHz betrieben worden war. Von 1954 bis 1964 wurde das erste RIAS-Programm hier für täglich ca. fünf Stunden übertragen.

1983 erhielt die Sendestation Berlin-Britz einen neuen, 100 kW starken Kurzwellensender. Damit entfiel die Mitnutzung der Kurzwellenanlage Ismaning. Sie wurde bis ca. 1992 ganz stillgelegt, nachdem die Deutsche Bundespost den größten Teil der bisherigen Ismaning-Frequenzen der Voice of America zu ihrer Sendeanlage Wertachtal übernommen hatte.

Der alte Kurzwellensender von 1951 blieb in Berlin-Britz anschließend als Reserve erhalten. 1999 kehrte er noch einmal in den regulären Einsatz zurück; dies als mit Abstand ältester Rundfunksender in Deutschland. Aus frequenzpolitischen Motiven neu aufgenommen wurde seinerzeit eine zusätzliche Übertragung des Deutschlandfunks auf 6190 kHz.

Bereits 2003 wäre es fast schon wieder zum Ende dieser Ausstrahlung gekommen, da sich die Antenne des Senders unmittelbar an der Grenze des Stationsgeländes befand, was zu Problemen wegen der außerhalb der Umzäunung vorhandenen Feldstärke führte. Die Situation zwang zeitweise zu einer Beschränkung der Sendeleistung auf 6 kW, die aber letztlich wieder zurückgenommen werden konnte.

Zum „Aus“ führte somit erst ein Defekt, der am 26. April 2012 in den Vorstufen des Senders eintrat. Für eine nochmalige Reparatur konnten keine Mittel mehr eingesetzt werden, da der Verbreitungsweg Kurzwelle beim Deutschlandradio zu diesem Zeitpunkt offiziell schon seit neun Jahren nicht mehr existierte.

Aus diesem Grund fand der Sendebetrieb auf der ursprünglichen RIAS-Kurzwelle 6005 kHz bereits am 16. Juli 2007 sein Ende, als der Haupttransformator des Kurzwellensenders von 1983 durchbrannte und nicht mehr ersetzt werden durfte. Ob auch Teile dieses Senders die Auflösung der Sendestation überlebten, ist nicht bekannt.

Alter Kurzwellensender Berlin-Britz
Bedienpult, auch 2013 noch unter Spannung
Alter Kurzwellensender Berlin-Britz
Gesamtansicht der Senderanlage Kurzwelle 20 kW von 1951
KW-Antenne Berlin-Britz
Antenne des alten Kurzwellensenders in Berlin-Britz (2013)
Modulation Berlin-Britz
Modulationsüberwachung in Berlin-Britz 2013, nach dem endgültigen Ausfall des Kurzwellensenders von 1951
Kurzwellensender des RIAS
Der von 1983 bis 2007 auf 6005 kHz betriebene Sender

Text und Fotos: Kai Ludwig

Stand vom 13.07.2016