Unstete Aktivität

Eritrea zwischen 7145 und 7190 kHz

Nach einer Unterbrechung von mehreren Monaten ist der Rundfunk von Eritrea seit Juni wieder auf Kurzwelle aktiv. Gesendet wird auf immer wieder geänderten Frequenzen zwischen 7145 und 7190 kHz, so in den ersten Julitagen auf 7150 und 7180 kHz. Wenn beide Sender eingeschaltet sind, übertragen sie unterschiedliche Programme.

Eritrea
Quelle: Sammlung University of Texas

Die Ausstrahlungen laufen ungefähr zwischen 5.30 und 20.30 Uhr MESZ. Sie werden von Äthiopien, das sich nach wie vor im Kriegszustand mit Eritrea befindet, in seit längerem bekannter Weise mit Rauschsignalen gestört.

Offiziell ist der Frequenzbereich zwischen 7100 und 7200 kHz seit 2009 auch in Europa, Afrika und Asien dem experimentellen Amateurfunkdienst zugeteilt. Entsprechend kritisch werden die Sendeaktivitäten aus Eritrea vom Deutschen Amateurradioclub gesehen. Etwaige Beschwerden, auch der Bundesnetzagentur, werden in Asmara jedoch durchweg ignoriert.

Mit Informationen von Wolfgang Büschel; Stand vom 09.07.2017

 

Archivbericht vom 13. Oktober 2016:

Nachdem die Kurzwellenausstrahlung des Rundfunks von Eritrea am ersten Oktoberwochenende nur auf 7175 kHz lief, wurde heute auf 7146,5 und 7185 kHz gesendet.

Den Störungen aus Äthiopien, die sich unter anderem gegen eine in Berlin produzierte Sendung richten, könnte Asmara dabei auf einfache Weise entgehen: Gegen 19.00 Uhr MESZ enden alle Störsignale, die aus Äthiopien gegen die Sendungen aus Eritrea gerichtet werden.

Offensichtlich ist es für die Behörden in Addis Abeba von höherer Priorität, das um 19.30 Uhr beginnende Äthiopien-Programm der Voice of America zu stören. Heute wurden hier sechs der eingesetzten sieben Frequenzen mit dem Rauschsignal belegt, das in Äthiopien üblicherweise zur Störung unliebsamer Sendungen dient.
 

Bei diesen Programmübernahmen aus Berlin handelt es sich um „Sagalee Bilisumma Oromoo“, eine Produktion der „Oromo-Befreiungsfront“, die hierzulande vor allem durch die Ausstrahlungen über Kurzwellenkapazitäten der Media Broadcast bekannt ist.

Über die Kurzwellensender in Eritrea wurde „Sagalee Bilisumma Oromoo“ schon einmal vor Jahren gehört. Wieder auf 7175 kHz beobachtet wurden die Produktionen am 29. September 2016 um 6.30 Uhr.

Diese Übernahmen dürften von der Unterbrechung des Kurzwellenbetriebs unberührt geblieben sein. Falls es nicht auch hier zum Sendeausfall gekommen war, stand eine Großmittelwelle auch in dieser Zeit zur Verfügung.
 

Äthiopien stört die Kurzwellen aus Eritrea seit ihrer erneuten Einschaltung wieder. Dies geschieht insbesondere, sobald hier Programme in der Sprache des Volkes der Oromo laufen.

Neben „Sagalee Bilisumma Oromoo“ und Eigenproduktionen des Informationsministeriums von Eritrea gibt es diesbezüglich wahrscheinlich auch als „Ginbot Sabat Dimtse“ präsentierte, in London produzierte Sendungen.

Der zweite, jetzt mit einem separaten Programm ebenfalls wieder aktive Kurzwellensender in Eritrea arbeitete zuletzt auf 7200 kHz. Erstmals wieder am 29. September 2016 gehört wurde er auf der ungewöhnlichen Frequenz 7146,5 kHz.
 

Die Sendestation Asmara mit den Antennen für Kurzwelle (links unten und rechts oben) sowie Mittelwelle:

Die AM-Sender des Rundfunks von Eritrea stehen an der von Asmara nach Äthiopien führenden Straße, 10 km außerhalb der Stadt. Dort entstand Mitte der 90er Jahre eine von der damaligen Firma Thomcast ausgestattete Sendestation mit je zwei Mittel- und Kurzwellensendern (Leistung jeweils 100 kW).

In der Vergangenheit wurden Hörfunkprogramme aus Asmara auch über anderweitige, schwächere Kurzwellensender abgestrahlt. Diese sind schon seit Jahren abgeschaltet.


Als Rundfunkveranstalter agiert in Eritrea jetzt ausschließlich das Informationsministerium. Die frühere Hörfunkstation des Bildungsministeriums, Radio Bana, existiert seit 2009 nicht mehr.

Seinerzeit wurde die gesamte Belegschaft von Radio Bana in einer Razzia verhaftet. Ein Redaktionsmitglied soll sich nach damaligen Angaben von „Reporter ohne Grenzen“ auch ein Jahr später noch in Einzelhaft befunden haben.


Im Internet betreibt das Informationsministerium von Eritrea unter der Adresse shabait.com eine englischsprachige Plattform. Auf Satelliten wie Hotbird 13B (hier auf 12,380 GHz v) werden aus Asmara ein Fernsehprogramm und zwei Hörfunkprogramme (beide wohl nicht identisch mit den auf Kurzwelle ausgestrahlten Programmen) übertragen.

Für sein Fernsehen betreibt das Informationsministerium in Asmara die Internetplattform eri.tv mit einem Livestream und Abrufvideos. Einen gesonderten Internetauftritt des Hörfunks gibt es nicht.

Dieser Hörfunkdienst ist im Ausland traditionell bekannt als „Stimme der breiten Massen von Eritrea“, üblicherweise auch von deutschen Kurzwellenhobbyisten als „Voice of the Broad Masses of Eritrea“ angesprochen. Dieser Name hat seinen Ursprung in früheren, vor der Unabhängigkeit Eritreas inoffiziell ausgestrahlten Sendungen.

 

Autor: Kai Ludwig