Mittelwellenantenne von Radio Vatikan abgerissen

Die nicht mehr existierende Sendeantenne 1530 kHz bei Rom (Foto: Radio Vatikan)

Knapp zwei Jahre nach der Einstellung des Sendebetriebs ist die Antenne, mit der die Mittelwelle 1530 kHz von Radio Vatikan abgestrahlt wurde, am 8. Mai 2014 abgerissen worden.

Diese Antenne auf der Sendestation Santa Maria di Galeria, bei der Stadt Cesano reichlich 15 km nordwestlich von Rom, hatte die damalige Berliner Firma Telefunken Sendertechnik errichtet. Sie bestand aus vier Fachwerktürmen, an denen Drahtreusen als eigentliche Strahler angebracht waren. Die Abstrahlrichtung dieser Antenne konnte entsprechend dem Zielgebiet der jeweils übertragenen Sendung umgeschaltet werden.

Keine Berichte gibt es bislang dazu, ob die zwei Antennenmasten für die Frequenz 1611 kHz schon beseitigt sind, wie es bei der Einstellung des Sendebetriebs ebenfalls angekündigt wurde. Diese Frequenz lag oberhalb des eigentlichen Mittelwellenbereichs; ihre Belegung durch Radio Vatikan spielte sich in einer rechtlichen Grauzone ab. Über viele Jahre geschah sie mit Sendeleistungen unter 20 kW, nach dem Jahre 2000 dann mit einem 50 kW starken, zeitweise in digitaler Form betriebenen Transistorsender.

Die Mittelwelle 1530 kHz stand im Zentrum der harten Auseinandersetzungen, die es zwischen Radio Vatikan und den italienischen Behörden um die elektromagnetischen Felder im Umfeld der Sendestation gab. Ab 2001 vermied es Radio Vatikan, den in Italien seit 1998 geltenden Grenzwert einer Feldstärke von 6 V/m zu überschreiten, nachdem die italienische Seite Verantwortliche von Radio Vatikan verklagt und mit Schritten bis hin zur Unterbrechung der Stromversorgung gedroht hatte.

Für die Frequenz 1530 kHz, die mit einem 600 kW starken Röhrensender (Hersteller Asea Brown Boveri) betrieben wurde, bedeutete dies eine massive Reduzierung der Sendeleistung auf nur noch 75 kW. Damit konnte sich Radio Vatikan in Mitteleuropa nicht mehr gegen die Mitbelegung der Frequenz aus Rumänien durchsetzen. Dies war vermutlich auch der Anstoß dafür, ab Oktober 2010 schon nur noch einen – die deutschen Sendungen bereits nicht mehr einschließenden – Restbetrieb von maximal vier Stunden pro Tag zu belassen.

Seit der völligen Einstellung des Mittelwellenbetriebs am 30. Juni 2012 ist die Sendestation Santa Maria di Galeria nur noch im Kurzwellenbereich aktiv. Dabei wurden die ältesten, ab 1957 installierten Sender inzwischen durch die früheren Ausrüstungen des italienischen Rundfunks RAI ersetzt. Radio Vatikan konnte diese verhältnismäßig modernen, seit 2007 nicht mehr genutzten Kurzwellensender übernehmen, bevor es zu der beabsichtigten Verschrottung kam.

Auch die verbliebenen Ausstrahlungen auf Kurzwelle sind seit Juli 2012 deutlich eingeschränkt. Für Europa (ausgenommen das Gebiet der früheren Sowjetunion) beschränken sie sich jetzt auf Sendungen, auf die Radio Vatikan zwar Wert legt, bei denen es wegen ihres extremen Nischencharakters aber keinerlei Chancen gibt, sie in den Programmen von Partnersendern (wie Domradio und Radio Horeb in Deutschland) zu plazieren.

Im einzelnen handelt es sich um ein lateinisches Gebet 7.30-8.15 Uhr auf 5980 und 7250 kHz, eine von Montag bis Sonnabend laufende Sendung in arabischer Sprache 8.45-9.05 Uhr auf 9645 kHz (gleichzeitig nach Nahost/Nordafrika auf 11740 und 15595 kHz), jeweils mittwochs die Papstaudienz 10.00-11.15 Uhr auf 7250 kHz, ein weiteres tägliches Gebet in Lateinisch 20.40-21.15 Uhr auf 7250 und 9645 kHz (gleichzeitig nach Afrika auf 13765, 15570 und 15595 kHz) und ebenfalls täglich die Abendsendung in Arabisch 22.40-23.00 Uhr auf 5980 kHz (gleichzeitig nach Nahost/Nordafrika auf 7250 und 9645 kHz).

Nur an Sonntagen hinzu kommen ein Gebet in rumänischer Sprache 8.15-9.30 Uhr auf 7250 und 9645 kHz, Gebete in italienischer Sprache 9.30-10.30 Uhr auf 7250 kHz und 11.50-12.30 Uhr auf 7250 und 11740 kHz sowie ein Gebet in lateinischer Sprache 11.50-12.30 Uhr auf 15595 kHz (gleichzeitig nach Nahost/Afrika auf 21560 kHz).

Überwiegend laufen diese Sendungen auch in der Übertragung auf dem Satelliten Hotbird 13B (bei Sky Italia auf 12,034 GHz vertikal), die, wie bereits in der Kennung zum Ausdruck kommt, das in Rom auf UKW 105,0 MHz ausgestrahlte Programm enthält. Zugleich werden die Kurzwellensender in Santa Maria di Galeria nicht erst im letzten Moment eingeschaltet. Dadurch sind die letzten Minuten der deutschen Abendsendung, der um 20.40 Uhr das Rosenkranz-Gebet folgt, zum Teil ungewollt auch jetzt noch auf Kurzwelle zu hören.

Neben Eigenprogrammen sendet Radio Vatikan aus Santa Maria di Galeria auch die vom niederländischen Außenministerium finanzierten Sudan-Sendungen Radio Dabanga und Radio Tamazuj (6.00-7.57 Uhr auf 11650 kHz, 17.00-18.27 Uhr auf 15550 kHz), vor allem aber zahlreiche Programme des Auslandsrundfunks der USA (5.00-5.30 Uhr Sudan-Programm auf 6135 kHz, 5.30-6.00 Uhr Somalisch auf 11750 kHz, 7.00-8.00 Uhr Kurdisch auf 11995 kHz, 15.00-16.00 Uhr Somalisch auf 17530 kHz, 17.00-17.30 Uhr Usbekisch auf 11920 kHz und Haussa auf 17700 kHz, 18.00-20.00 Uhr Somalisch auf 12055 kHz, nur Mo-Fr 18.30-19.00 Uhr Englisch für Afrika auf 15180 kHz, 19.00-20.00 Uhr Englisch für Afrika auf 11845 kHz, 19.30-20.00 Uhr Aserbaidschanisch auf 11985 kHz, 20.00-20.30 Uhr Sudan-Programm auf 11845 kHz, 20.30-21.00 Uhr Kinyarwanda/Kirundi auf 11865 kHz, 21.00-21.30 Uhr Sudan-Programm auf 9775 kHz und Englisch für Afrika auf 9850 + 15580 kHz).

Hierbei handelt es sich um die letzten derartigen, auch jetzt noch bei Radio Vatikan verbliebenen Kooperationen, nachdem frühere Partner wie die Stimme Rußlands und Radio Canada International bereits alle Sendungen auf Kurzwelle eingestellt haben. Dabei stellt im Gegenzug die niederländische Seite in gleichem Umfang Sendeplätze auf ihren Kurzwellensendern in Madagaskar zur Verfügung, während die US-Seite Programme von Radio Vatikan für Asien und Lateinamerika aus den Philipinnen, den Nördlichen Marianen und den USA selbst abstrahlt.

 


(Mit Informationen von Andrea Borgnino; Stand vom 10.05.2014)

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