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Albumtipps

Introducing Slim Moore and the Mar-Kays

11. Januar 2012

Introducing…

 von Slim Moore And The Mar-Kays

Neuzeitmüde? Sehnsucht nach Eleganz und Snobismus? Dann wird es Zeit für neuen Soul der alten Schule. Der Kanadier jamaikanischer Abstammung Slim Moore will hoch hinaus, „Reachin Higher“, wie er unmissverständlich singt, und steigt hinab in den Bauch urbaner Soulmusik, in die Ära des Isaac Hayes, des Blaxploitationsound der Siebziger Jahre, Curtis Mayfield, Bobby Womack, Marvin Gaye. Er schart eine siebenköpfige Band und ebenso viele Gastmusiker und Gospelsänger um sich, besteht auf einem alten, längst wieder modernen Retro- Analogsound und inszeniert seine Songs mit allen Elementen guter Soulmusik. Bläser an jeder Ecken, erdige Saxophone, Trompeten, Querflöte, groovige Drums, die locker zwischen Funk und Hip Hop wechseln, ein jazziges Piano, und vor allem eine Gitarre, die eng eingebettet ins Ensemble ein maximales Eigenleben führt, mit Wah Wah Effekt und versonnenen Figuren. Bandmitglied Thibeaux Toussaint heißt eigentlich Pierre Chrétien und ist Gründer des multikulturellen Souljazz Orchestras, das schon von Giles Petersen in den höchsten Tönen gelobt und gefördert wurde. Sehr warm und kompakt klingt diese Großband, sie wirkt wie ein geschlossener Körper, was auch den Songaussagen dienlich ist: Gewalt in der Familie, eine gebrochene Liebe, Jobsuche ohne dabei die Würde zu verlieren – alltägliche Probleme, die weder beschönigt noch um des Songes willen dramatisiert werden. Und auch wenn der einzige Fremdsong schon über vierzig Jahre alt ist, Syl Johnson’s Is It because I’m Black, bleibt der Sound und die Message aktuell. Zufall oder nicht - besonders bei den sozialkritischen Songs erinnert Moore’s Stimme an Richie Havens. Wer aktuell den neoklassischen Soul von Raphael Saadiq, Aloe Blac, Sharon Jones und den des James Brown affinen Charles Bradley schätzt, wird hier einfach nur glücklich. Das scheinbar Unzeitgemäße des cool in Lederjacke daherkommenden Slim Moore ist eher ein Darüberstehen.
Christine Heise im TIP-Magazin