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HappySadBilly Jack

Albumtipps

Billy Jack von Honeyhoney (CD-Cover)

19. Januar 2012

Billy Jack

 von Honeyhoney

Sie sind alles andere als zuckersüß und das Duo aus LA setzt neue Maßstäbe. Die Frage, warum sie ihre Musik eigentlich machen, beantworten beide gleich: um eine gute Geschichte zu erzählen. Man könnte auch sagen, um alte Geschichten wirklich gut zu erzählen. Gleich der erste Song wird zum Henkerstrick: aus einem freundlichen Waltz mit Worten der Treue und Hingabe wird eine handfeste Morddrohung gegen alle, die es je wagen sollten sich dem Liebsten zu nähern, hier dreht der Engel des Todes, The Angel Of Death, seine Runden.

Kein Paar, aber ein Dreamteam

Das Duo Honeyhoney sind Suzanne Santo, ex-Model, Schauspielerin, Songwriterin, Banjo- und Geigenspielerin, und Ben Joffe, Komponist, Songwriter, Gitarrist. Kein Paar, aber ein Dreamteam, das 2008 mit First Rodeo ihr Debüt auf dem Label Ironworks Music von Schauspieler Kiefer Sutherland veröffentlichte, ein Auge und Ohr-Öffner, wie die LA Times damals schrieb. Für den Nachfolger „Billy Jack“, benannt nach einem Film Anfang der Siebziger, in dem eine Hippieschule von einem Cowboy vor dem Mob gerettet wird, verzichteten sie aufs Computerprogrammieren und die Jazzeinflüsse, zogen dafür die Schrauben beim Songwriting deutlich an. Eingespielt mit einer überwiegend akustischen Band, darunter Barbara Gruska von The Belle Brigade an den Drums, bewegen sie sich in der Tradition dunkelster Countrygeschichten wie sie schon von Hank Williams mit seinem Herzblut geschrieben wurden. Dass man mit so viel bittersüßer Leidenschaft, Sehnsucht und romantischer Verklärung an die eigene Schulzeit und die unzertrennliche Gang erinnern kann, ist erstaunlich.

Old School Friends besingt Besäufnisse, erste Küsse, perfekte Sommer; und der Song Ohio, eine verschattete Hommage an den Heimatstaat von Suzanne, ist perfekt in Harmonie und Banjo getragenem Bluegrassfeeling, knapp vier Minuten brauchen sie, um dieses Thema für immer zu erledigen. Mit Lets Get Wrecked können sie, ganz in Johnny „Stinkefinger“ Cash Manier, auch mal losrocken.

Vergleichbar mit The Avett Brothers

Die Präsens und mentale Klarheit von Honeyhoney kann man am ehesten mit der von The Avett Brothers vergleichen. Zwar fehlt ihnen das moralisch Messianische und das Quirrlige junger Hunde, aber die Intensität ihrer Stories, das Fokussierte und Uneitle von Billy Jack (Honeyhoney Rec./Lost Highway) stellt selbst das Eindringliche, manchmal aber auch Somnambule von Gillian Welch und Dave Rawlings in den Schatten, von der Süßlichkeit von She & Him ganz zu schweigen. Ihr musikalisches Zuhause ist die vielseitige Americana Landschaft, aber die Kraft ihrer Songs lässt sie behände über die Gatter des Genres springen und auch all jene infizieren, die ein Königreich für gute Geschichten geben.

Christine Heise im TIP Magazin