Wissenschaft

Architektur-Psychologie: Wohnen und Wohlfühlen

Die Technische Universität Berlin beschreibt in einer aktuellen Pressemeldung die Professur von Tanja Vollmer als „einzigartig“ in Europa. Denn der Schwerpunkt von Prof. Vollmer liegt auf der „heilenden Architektur“. Das Besondere ihrer Gastprofessur ist, dass sie den Studierenden nicht nur theoretisches Wissen vermittelt, sondern dass dieses Wissen explizit in konkrete Entwurfsaufgaben einfließt.

Prof. Dr. Tanja C. Vollmer lehrt und forscht auf dem Gebiet der heilenden Architektur © TU Berlin/PR/Philipp Arnoldt
Prof. Dr. Tanja C. Vollmer lehrt und forscht auf dem Gebiet der heilenden Architektur © TU Berlin/PR/Philipp Arnoldt | © TU Berlin/PR/Philipp Arnoldt

An einem schönen Arbeitsplatz lässt es sich viel besser arbeiten. Das scheint aber nicht nur irgendein Spruch zu sein, denn seit kurzer Zeit beschäftigt sich ein Fachbereich an der Technischen Universität Berlin mit dem Zusammenhang von Psychologie und Architektur. Denn Architektur kann unseren Stresspegel und unser Wohlempfinden beeinflussen.

Seit 1886 beschäftigen sich Psychologen mit der Frage, was Häuser mit unserem Gefühlsleben machen. Heute lässt man insbesondere beim Bau von Krankenhäusern auch Psychologen zu Wort kommen. In Berlin hat nun eine echte Expertin auf diesem Gebiet eine Gastprofessur bekommen.

Stephan Karkowsky sprach mit Prof. Dr. Tanja C. Vollmer, die auf dem Gebiet der heilenden Architektur an der TU Berlin lehrt und forscht.

TU Berlin/PR/Philipp Arnoldt
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Prof. Tanja C. Vollmer beschäftigt sich u.a. mit der Frage, wie Krankenhäuser gestaltet werden können, damit die Architektur die Patienten bei der Genesung unterstützen kann. So dürfen Eltern in den Kinderkliniken bei ihren Kindern seit den 1980er Jahren übernachten, doch die Krankenhausarchitektur hat auf diese Situation jedoch nie reagiert. 

Krankenhaus der Zukunft: Der geplante REN-Cluster soll Eltern und ihren kranken Kindern erlauben, so viel Alltag wie mögich zu leben © 2013 Kopvol architecture & psychology
Krankenhaus der Zukunft: Der geplante REN-Cluster soll Eltern und ihren kranken Kindern erlauben, so viel Alltag wie mögich zu leben © 2013 Kopvol architecture & psychology | © 2013 Kopvol architecture & psychology

Bei schweren Erkrankungen leben die Familien dann über lange Zeiträume auf engstem Raum, ohne die Möglichkeit des Rückzugs. Zwei Jahre hat Tanja C. Vollmer an deutschen und niederländischen Kinderkliniken wissenschaftlich untersucht, wie sich das auf das kranke Kind, den Jugendlichen und die Eltern auswirkt. „Wir konnten nachweisen, dass diese bedrückende Enge bei den Eltern zu Überlastung bis hin zum Burnout und erhöhten Scheidungsraten führt. Geschwisterkinder werden vernachlässigt und bei den kranken Kindern/Jugendlichen treten Störungen der sozialen und emotionalen Entwicklung auf.“

Mit der Veröffentlichung des Buches "Die Erkrankung des Raums", legte Vollmer den Grundstein der modernen Architekturpsychologie.