Berlinale-Kritik

Wettbewerb: "On the Beach at Night Alone" und "Joaquim"

radioeins-Kritiker hat sich die beiden Wettbewerbsfilme "On the Beach at Night Alone" und "Joaquim" angesehen und liefert seine persönliche Kritik zu den Filmen.

Schauspieler Julio Machado, Schauspielerin Isabel Zuaa, Regisseur Marcelo Gomes und Schauspieler Welket Bungue während des Photocalls zum Film "Joaquim" © snapshot-photography/T.Seeliger
Schauspieler Julio Machado, Schauspielerin Isabel Zuaa, Regisseur Marcelo Gomes und Schauspieler Welket Bungue während des Photocalls zum Film "Joaquim" © snapshot-photography/T.Seeliger | © snapshot-photography/T.Seeliger
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Zum Film "Joaquim":


Brasilien im 18. Jahrhundert: In der portugiesischen Kolonie wächst die Sorge über den Rückgang der Goldförderung. Das Land wird von korrupten Kolonialoffizieren regiert. Leutnant Joaquim hat sich einen Namen als Jäger von Goldschmugglern gemacht und wartet vergeblich auf seine Belohnung, von der er eine schwarze Sklavin, seine Geliebte, freikaufen will. Um doch noch an Geld zu kommen, lässt er sich auf eine gefährliche Expedition ein, bei der neue Goldadern aufgespürt werden sollen. Begleitet wird er von Landsleuten und einer Truppe versklavter Afrikaner, einheimischer Indianer und Mestizen.

Je länger sie unterwegs sind, desto stärker werden seine Zweifel an der Mission. Allmählich erkennt er die Ungerechtigkeit, die sein Land über die Kolonie gebracht hat, sieht die Mechanismen der Unterdrückung. Im Dschungel verliert er die Kontrolle, wird sich über seinen moralischen Standpunkt aber umso klarer. Auch seine Geliebte führt ihm vor Augen, dass er seine Überzeugungen und Loyalitäten überdenken muss. Teils fiktive, teils überlieferte Episode aus dem Leben des brasilianischen Nationalhelden Joaquim José da Silva Xavier alias Tiradentes.

Zum Film "On the Beach at Night Alone":


Nach der Affäre mit einem verheirateten Mann nimmt sich die erfolgreiche Schauspielerin Younghee eine Auszeit: Sie reist in die ferne, fremde Stadt Hamburg. In Gesprächen mit einer Freundin fragt sie sich, ob ihr der Geliebte wohl nachfolgen wird und ob er sie so sehr vermisst wie sie ihn. Auf langen Spaziergängen durch winterliche Park- und Flusslandschaften versucht sie, sich über ihre Gefühle und Wünsche klar zu werden.

Die Frage nach der Bedeutung der Liebe in unserem Leben zieht sich wie ein roter Faden durch die Filme von Hong Sangsoo, doch scheinen mögliche Antworten stehts aufs Neue zu entgleiten. Zurück in Korea trifft Younghee in der Küstenstadt Gangneung auf alte Freunde. Man isst und trinkt zusammen, und wie so oft bei Hong Sangsoo spielt das koreanische Nationalgetränk Soju eine tragende Rolle: Unter dem Einfluss des Alkohols provoziert, beleidigt und ärgert Younghee die anderen, und die Gespräche geraten mehr und mehr außer Kontrolle. Kleine und auch größere Erkenntnisse und Wahrheiten werden ausgesprochen. Danach zieht sich Younghee zurück an einen einsamen Strand. Es scheint, als ob sie nur in der Natur zu sich selbst finden kann.

Quelle: Berlinale