Berlinale-Kritik

Wettbewerb: "Hao ji le" und "Ana, mon amour"

radioeins-Kritiker Stephan Karkowsky hat sich die Wettbewerbsfilme "Hao ji le - Einen schönen Tag noch" und "Ana, mon amour" angesehen und liefert seine persönliche Kritik zu den Filmen.

Zum Film "Hao ji le":


Eine Stadt im südlichen China, eine Tasche mit einer Million Yuan, die Menschen mit unterschiedlichem sozialen Hintergrund und jeweils eigenen Motiven in einen blutigen Konflikt reißt. Philosophierende Gangsterbosse, in die Jahre gekommenen Auftragsmörder, vom Überlebenskampf ermüdete Männer und Frauen – wer immer die Tasche gerade in der Hand hat, hält sie fest umklammert, als sei sie der letzte Halt.

"Hao ji le" ist eine schwarze Komödie, deren abgründiger und lakonischer Humor wie ein Vergrößerungsglas für Lebensgefühle und gesellschaftliche Zustände wirkt. Die zeitlose Gier des Menschen und die Gegenwart eines zutiefst verunsicherten Landes im Wandel treffen aufeinander. Der reduzierte Realismus der animierten Bildtableaus überhöht und stilisiert die Stimmung zwischen Stillstand und Aufbruch im heutigen China.

Seltsam verloren wandeln die Teilnehmer dieses makaberen Reigens durch präzise gezeichnete Stadtlandschaften, deren Erscheinungsbild sich radikal verändert hat. Die Zeichen und Symbole des Kapitalismus drängen sich auf, doch das Leben, das sie versprechen, bleibt den meisten verschlossen. Und noch immer ziert Mao Zedong die Banknoten.

Zum Film "Ana, mon amour":


Toma und Ana lernen sich an der Universität kennen. Eine Liebe voller Hoffnungen und Träume beginnt, bestimmt von dem Gefühl, dass einer den anderen braucht. Ana stammt aus komplizierten Familienverhältnissen und leidet unter heftigen Panikattacken. Der gutbürgerlich aufgewachsene Toma ist von den Abgründen, die er bei seiner Liebsten entdeckt, ebenso schockiert wie fasziniert.

Während er Ana zur Seite steht und sie zu immer neuen Ärzten begleitet, isoliert sich das Paar zusehends von Familie und Freunden. Anas Schwäche scheint Toma Kraft zu geben. Als sie schwanger wird, beginnt Ana eine analytische Psychotherapie, aus der sie gestärkt hervorgeht. Nun beginnt der Boden unter Tomas Füßen zu schwanken ...

Călin Peter Netzer verbindet ein Liebesdrama mit der Studie einer Krankheit und ihrer Überwindung. In Form eines komplexen Puzzles, strukturiert durch psychoanalytische Sitzungen, denen sich Toma unterzieht, taucht die Erzählung in langen Rückblenden in die Vergangenheit ein. Szenen einer komplizierten Ehe, mit zahlreichen Verbindungslinien in verdrängte, tabuisierte Untiefen der rumänischen Gesellschaft.